Corona, das ist jetzt schon klar, wird uns noch lange in Atem halten – und nach Einschätzung vieler Philosophen und Politiker unseren Blick auf die Welt nachhaltig verändern. Der frühere Brandenburger Bildungs-Staatssekretär Martin Gorholt hat eine eigene Facebook-Gruppe ins Leben gerufen, die sich diesem Thema widmet.

Neben ganz aktuellen Fragen der Krisenbewältigung wird dort schon heute debattiert, was übermorgen wichtig werden könnte. „Wir kennen massive Einschnitte aus den Zeiten der Ölkrise in Westdeutschland, als es an Sonntagen Autofahrverbote gab, wir erinnern uns auch an die Erschütterungen der Finanzkrise“, sagt Martin Gorholt. „Corona aber wird das einschneidendste Ereignis der letzten Jahrzehnte werden, und das absolut global!“

Zu den naheliegenden Konsequenzen müsse es gehören, auf eine weitere Pandemie besser vorbereitet zu sein. „Zum Beispiel mit ausreichend Schutzkleidung für Ärzte, Pflegende und Polizisten.“

Ebenso wichtig: „Warum sind die Todesraten in Ländern wie Spanien, Großbritannien oder Italien höher als bei uns? Vor ein paar Monaten haben wir noch diskutiert, ob wir uns in Deutschland zu viele Krankenhausbetten leisten.“ Jetzt aber, so meint Gorholt, erweist sich wie wichtig ein gut ausgebautes und leistungsfähiges Gesundheitssystem ist.

Cottbus

Systemrelevante Berufe: In der Krise zeigt sich, wie sehr die Gesellschaft auf Pfleger, Kindergärtnerinnen, Müllfahrer, Mitarbeiter in den Lebensmittelläden angewiesen ist. „Hier müssen wir ganz dringend überlegen, wie wir diese Berufe aufwerten und weiterhin gute Fachkräfte für Arbeiten gewinnen können, deren Bezahlung und gesellschaftliche Anerkennung noch viel zu gering sind.“

Globalisierung: Der Zukunftsforscher Matthias Horx prophezeit in seinem Artikel „Die Welt nach Corona“: „Die Globale Just-in-Time-Produktion, mit riesigen verzweigten Wertschöpfungsketten, bei denen Millionen Einzelteile über den Planeten gekarrt werden, hat sich überlebt.“ Auch Martin Gorholt ist überzeugt, dass wir ein Stück Deglobalisierung brauchen. „Die Abhängigkeit von Ländern wie China oder Indien müssen wir abbauen. Nachschubprobleme bei Antibiotika wie Penicillin können wir nicht akzeptieren.“

Einsamkeit: Seit einigen Monaten wird öffentlich immer wieder über ein Einsamkeitsministerium nachgedacht. Eine oft belächelte Forderung. „Aber die Einsamkeit gehört zu den ganz großen Problemen in unserer Gesellschaft“, sagt Martin Gorholt. Und gerade in der Coronakrise würden neue Fragen aufgeworfen. „Wie lange hält es ein Mensch allein in seiner Wohnung aus? Welche Wohnverhältnisse brauchen wir? Wie können wir der Vereinzelung entgegenwirken?“ Gorholt selbst ist froh, dass es in der Zeit der häuslichen Isolation häufig zu neuen intensiven Kontakten kommt. „Das Telefon bekommt eine ganz neue Bedeutung, überall bilden sich Initiativen zur Nachbarschaftshilfe, Kultur- und Bildungsangebote entwickeln neue Online-Formate, die bestimmt auch nach Corona Bestand haben.“

Homeoffice: Auch hier, da sind sich Experten einig, wird Corona nachhaltigen Einfluss auf die Berufswelt haben. „Jetzt zeigt sich, was in diesem Bereich möglich ist“, sagt Gorholt. „Auch über die vielen Reisen von Geschäftsleuten und Politikern wird man nach Corona diskutieren müssen.“ Denn spätestens jetzt würde sich zeigen, dass Videokonferenzen und Telefonschalten so manche Flug- oder Automeile überflüssig machen können.

Die aktuellen Informationen zum Thema Corona in der Lausitz gibt es hier.

Die Veranstaltungsabsagen wegen des Coronavirus gibt es gebündelt für die Region hier.

Fragen und Antworten rund um das Thema Corona gibt es hier.

Der Politiker Martin Gorholt


Martin Gorholt (63, SPD)) war Bevollmächtigter des Landes Brandenburg beim Bund, Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur sowie im Ministerium für Bildung, Jugend und Sport in Brandenburg und zuvor Bundesgeschäftsführer der SPD.

Von Juni 2018 bis November 2019 war er Chef der Staatskanzlei des Landes Brandenburg.

Nach der letzten Landtagswahl wurde Gorholt in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Auch den Vorsitz des SPD-Unterbezirks hat er aufgegeben.

„Jetzt schaue ich mich intensiv um, arbeite ehrenamtlich und unterstütze viele Projekte, die mir wichtig erscheinen.“

Martin Gorholt ist im Gespräch als Vorsitzender des Medienrates Berlin-Brandenburg.