• Die Corona-Zahlen und die Inzidenz in Deutschland sinken
  • Dennoch breitet sich die indische Variante des Coronavirus B1.617 aus.
  • Das RKI und SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warnen vor der Ausbreitung.
  • In Berlin sind bislang mehr als zwei Dutzend Fälle der indischen Variante nachgewiesen worden.
Die als besorgniserregend geltende Corona-Variante, die in Indien entdeckt wurde, ist bislang 26 mal in Berlin nachgewiesen worden. Für sechs dieser Fälle sei eine Verbindung mit Reisen angegeben, teilte ein Sprecher der Senatsverwaltung für Gesundheit auf dpa-Anfrage mit (Datenstand: Dienstag).

Indische Variante: Ausbrüche in Berlin nach Reise nach Indien

Die tatsächliche Zahl der Fälle liegt demnach aber wohl schon etwas höher: In zwei Ausbrüchen mit zwei beziehungsweise vier Infizierten seien erst für je einen Fall die Nachweise erbracht. Teils stünden Ergebnisse noch aus, sagte der Sprecher am Mittwoch (19.05.2021). Von den insgesamt drei bekannten Ausbrüchen hieß es bei Zweien, es handle sich um Privathaushalte mit Bezug zu Reisen nach Indien.

Indische Variante: WHO stuft Mutation als besorgniserregend ein

Die von Fachleuten als B.1.617 bezeichnete Variante aus Indien ist kürzlich von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als besorgniserregend eingestuft worden - ebenso wie die Mutanten, die in Großbritannien (B.1.1.7), Brasilien (P.1) und Südafrika (B.1.351) entdeckt wurden.
In Deutschland hat sich in den vergangenen Monaten B.1.1.7 durchgesetzt. Die Varianten aus Brasilien und Südafrika werden vergleichsweise selten gefunden, Anstiegstendenzen zeigten sich bislang nicht. Den Anteil der indischen Variante bezifferte das Robert Koch-Institut (RKI) zuletzt auf weniger als zwei Prozent - allerdings mit steigender Tendenz. Für Mittwochabend wurde ein neuer RKI-Bericht mit Daten über die Varianten erwartet.

Virologin Ciesek über indische Corona-Variante: Kann Wirkung der Impfung schwächen

Das Expertengremium SAGE (Scientific Advisory Group for Emergencies), das die britische Regierung berät, schrieb vor einigen Tagen in einem Bericht, es sei „realistisch“, dass die indische Variante bis zu 50 Prozent ansteckender sein könnte als die bereits als sehr ansteckend geltende britische Variante. In Großbritannien waren bis Anfang dieser Woche mehr als 2300 Fälle bekannt. Etliche der dortigen Fälle werden auf Einreisende aus Indien zurückgeführt.
Die indische Variante kann nach Einschätzung der Frankfurter Virologin Sandra Ciesek die Wirkung der Impfung schwächen, ihren Schutz aber nicht ausschalten. „Die Varianten aus Indien haben einen leichten Immun-Escape, also eine leicht verminderte Wirksamkeit“, sagte die Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt am Dienstag im NDR-Podcast „Das Coronavirus-Update“. Was man beobachte, sei „eine leichte Einschränkung, aber kein vollständiges Versagen der Impfungen“.

Indische Variante in Großbritannien auf dem Vormarsch - Lauterbach fordert Konsequenzen

Die zunächst in Indien entdeckte Variante des Coronavirus breitet sich in Großbritannien weiter aus. Es gebe landesweit 2323 bestätigte Fälle, sagte Gesundheitsminister Matt Hancock am Montag im Parlament. Das sind gut 1000 mehr als noch am 12. Mai. Vor allem die mittelenglischen Städte Bolton und Blackburn sind betroffen. Es gebe Hinweise, dass die Variante ansteckender sei als die bisher bekannten Formen. Aber der Umfang sei noch unbekannt. Hancock betonte, frühe Analysen legten nahe, dass die Impfungen gegen die Variante schützten. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach forderte deshalb Großbritannien zum Virusmutantengebiet zu erklären.
Das RKI stuft wegen der Verbreitung der indischen Variante Großbritannien wieder als Risikogebiet ein.

Indische Variante: Das ist bisher über die Mutation des Coronavirus bekannt - ist sie gefährlicher?

  • Wie heißt die Variante? Die indische Mutation trägt die Kennzeichnung B.1.617
  • Woher kommt die Mutante? Die Variante B.1.617 wurde zuerst in Indien entdeckt. Dort soll sie für die hohen Fallzahlen verantwortlich sein.
  • Wie gefährlich ist B.1.617? Das RKI stuft die Variante als „besorgniserregend“ ein. Die Variante weist zwei Mutationen am Oberflächenprotein auf, was laut RKI möglicherweise zu einer geringeren Neutralisierbarkeit durch Antikörper in Verbindung gebracht werden könnte.
  • Ist die indische Variante ansteckender? Das ist aktuell noch unklar. SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach teilte auf Twitter die Vermutung, dass sie um 40 % ansteckender sein könnte als B117. Genaue Daten liegen dazu jedoch nicht vor.

Impfschutz indische Variante: Helfen Astrazeneca und Biontech gegen indische Variante?

Nach RKI-Angaben deuten erste Laborexperimente darauf hin, dass die Wirksamkeit von Impfstoffen bei dieser Mutante nicht substanziell beeinträchtigt ist. Gesicherte Daten liegen aber auch hier noch nicht vor. Eine noch nicht von Experten begutachtete Studie aus Indien über den auf dem Subkontinent verwendeten Impfstoff Covaxin zeigt, dass dessen Wirksamkeit bei B.1.617 wohl zwar im Vergleich zum Wildtyp etwas vermindert sein könne, aber noch in etwa so gut sei wie bei B.1.1.7. „Ein Grund zur Sorge, dass die Impfungen durch diese Virusvariante ihre Wirksamkeit verlieren, besteht aktuell nicht“, sagt Ende April der Leiter der Forschungsgruppe Infektionsimmunologie und Impfstoffforschung an der Berliner Charité, Leif-Erik Sander, dem Science Media Center.

Corona Zahlen Indien: 25 Millionen Infizierte - woran liegt das?

Seit Pandemiebeginn haben sich in Indien mehr als 25 Millionen Menschen nachweislich mit dem Coronavirus angesteckt. In den vergangenen 24 Stunden wurden mehr als 263.000 neue Infektionen erfasst, wie Zahlen des indischen Gesundheitsministeriums am Dienstag zeigten. Die Zahl der nachgewiesenen Neuinfektionen sank zuletzt tendenziell. Allerdings verlagert sich die Pandemie zunehmend in die ländlichen Regionen Indiens - und dort gibt es deutlich weniger Testmöglichkeiten und eine schlechtere Gesundheitsversorgung. Die Dunkelziffer der Corona-Fälle dürfte entsprechend hoch sein. In den vergangenen 24 Stunden starben nach offiziellen Angaben 4329 Menschen mit oder an Corona - ein Höchststand für Indien seit Pandemiebeginn.
Ärztinnen und Ärzte im Land warnen vor der Zunahme einer seltenen Pilzkrankheit mit hoher Todesrate. Der staatliche Indian Council of Medical Research hielt kürzlich Krankenhäuser dazu an, bei Patienten mit einer Corona-Infektion, mit Diabetes oder einer Immunschwäche auf frühe Symptome dieser Krankheit zu achten. Sie befürchten, dass die Krankheit von Steroiden ausgelöst oder verschlimmert werden könnte, die bei der Behandlung von Corona-Patienten eingesetzt werden. An Mukormykose kann erkranken, wer bestimmte Schimmelpilzsporen einatmet oder sie über eine Hautverletzung aufnimmt, heißt es in einem Artikel der „Ärztezeitung“.