Der Corona-Impfstoff von Astrazeneca ist aus Sicht der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) sicher. Das teilte die Behörde am Donnerstag mit. Es werde aber eine extra Warnung vor möglichen seltenen Blutgerinnseln (Thrombosen) in Hirnvenen bei den möglichen Nebenwirkungen aufgenommen. Generell überwiege der Nutzen aber das Risiko. Die Vergabe des Vakzins von Astrazeneca war in Deutschland am Dienstag ausgesetzt worden, um Nebenwirkungen zu prüfen. Ab diesem Freitag könne damit weitergeimpft werden, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Donnerstagabend.

In Brandenburg werden ab Freitag neue Impftermine vergeben

Auch in Brandenburg wird am Freitag wieder mit Astrazeneca geimpft. Das bestätigt das Gesundheitsministerium gegenüber der RUNDSCHAU. Demnach bleiben alle bereits vergebenen Termine ab Samstag bestehen. Außerdem werden im Laufe des Freitags auf der Impfseite der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg wieder neue Termine eingestellt. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums waren in dieser Woche insgesamt rund 22.500 Erstimpfungen mit dem Vakzin von Astrazeneca in Brandenburg geplant. Der Großteil davon musste wegen des vorübergehend Stopps abgesagt werden. Diese müssen laut Gesundheitsministerium selbstständig neu gebucht werden. Alle, die bei der Buchung eine E-Mail angegeben hatten, werden per E-Mail zeitnah informiert, sobald neue Termine auf dem Online-Buchungsportal eingestellt sind.

Amsterdam/Berlin

Alle Personen, die schon eine Erstimpfung mit AstraZeneca bekommen hatten, behalten ihren bereits gebuchten Termin für ihre Zweitimpfung. Diese Termine bleiben bestehen.

Neue Einladung für ausgefallene Impftermine in Sachsen

Ähnlich ist die Situation auch in Sachsen: Nach der Aussetzung in dieser Woche sei das Deutsche Rote Kreuz dabei, die Kapazitäten „so schnell wie möglich“ hochzufahren, teilte Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) am Freitag mit.
Vereinbarte Termine ab 20. März, die nach dem Impfstopp vorsorglich abgesagt worden waren, könnten nun wie geplant in den Impfzentren wahrgenommen werden. Alle Menschen, die bis einschließlich 19. März Termine hatten, sollen in der nächsten Woche schriftlich ein neues Terminangebot erhalten. Dieser Ersatzvorschlag könne nicht geändert werden. Wer ihn nicht wahrnehmen kann, werde um Absage gebeten und darum, einen neuen Termin über das Portal oder die Hotline zu buchen.
Auch die 39 Praxen, die an dem Modellprojekt zum Impfen beim Hausarzt teilnehmen, könnten nun wieder zu Astrazeneca greifen, teilte das Ministerium mit. Im Corona-Hotspot Vogtland werden ab Montag zudem rund 110 niedergelassene Ärzte mit dem Impfstoff beliefert.

Berliner Amtsarzt rät zur Öffnungen der Impfpriorisierung

Im Fall einer Vertrauenskrise in den Impfstoff des Herstellers Astrazeneca rät Neuköllns Amtsarzt Nicolai Savaskan zu einer Öffnung der starren Impfverordnung. „Wenn dieser Impfstoff nach dem kurzen Vergabe-Stopp nicht mehr angenommen wird, sollte es keine Priorisierung mehr geben“, sagte Savaskan der Deutschen Presse-Agentur. Ziel müsse es sein, in der Pandemie so schnell wie möglich weiter zu impfen. Falls bisher berechtigte Risikogruppen das Vakzin von Astrazeneca ablehnten, sollten alle Erwachsenen eine Chance darauf bekommen. „Das wäre aber eine politische Entscheidung des Bundes, die Länder haben da wenig Spielraum“, schränkte Savaskan ein.
Ein Greifswalder Wissenschaftler hält nach Angaben der Universitätsmedizin Greifswald (UMG) wie auch andere Forscher weltweit einen bestimmten Mechanismus für die Ursache der möglichen Thrombose-Fälle nach einer Astrazeneca-Impfung. Dem Leiter der UMG-Abteilung Transfusionsmedizin, Andreas Greinacher, zufolge könnten in seltenen Einzelfällen über die Immunantwort des Körpers die Blutplättchen aktiviert werden, was wiederum zu den schwerwiegenden Hirnvenenthrombosen mit Blutplättchenmangel führen könnte, hieß es am Freitag von der UMG.
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