Seit rund fünf Jahren steigt der Anteil von Quereinsteigern unter den Lehrkräften stetig. Aber das Land Brandenburg hat nach wie vor keinen Weg gefunden, diese Frauen und Männer auf ihre Aufgabe vorzubereiten. Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) räumte am Donnerstag im Landtag ein, dass der eigentlich vorgesehene dreimonatige Vorbereitungskurs nicht funktioniere. „Die Vorab-Qualifikation bleibt ein Thema. Wir wollen die Seiteneinsteiger nicht ins kalte Wasser werfen“, sagte Ernst.

Das Problem sei, dass Schulleitungen frei werdende Stellen möglichst schnell besetzen wollen. Ist kein vollwertiger Lehrer am Markt verfügbar, würden sie sich um Seiteneinsteiger bemühen. Die Alternative wäre Unterrichtsausfall. Aber bei zügiger Einstellung sei eben keine Zeit mehr, den pädagogisch und didaktisch ungeschulten Kräften in einem dreimonatigen Kurs vorab das nötige Rüstzeug mitzugeben. Sie treten also in der Regel unvorbereitet vor die Kinder und werden dann nach und nach berufsbegleitend qualifiziert.

Vierwöchige Vorbereitung geplant

Ministerin Ernst sagte, dass man sich als Reaktion auf das Scheitern des Drei-Monats-Kurses darum bemühe, zumindest eine vierwöchige Vorbereitung hinzubekommen. Die Linken-
Abgeordnete Kathrin Dannenberg forderte im Bildungsausschuss, die Seiteneinsteiger-Bewerber zentral zu erfassen, drei Monate lang zu qualifizieren und erst dann an die Schulen zu verteilen.

Laut Britta Ernst sei das leider in der Praxis nicht umsetzbar. Die Seiteneinsteiger wollten nicht in jede Region, sondern hätten oft schon bestimmte Schulen etwa nahe ihres Wohnorts im Auge. Problematisch sei auch, zunächst Steuergeld für einen Qualifizierungskurs auszugeben, ohne zu wissen, ob für die Person anschließend eine passende Schule gefunden wird.

Hohes Durchschnittsalter

Die Bildungsministerin legte im Ausschuss Zahlen zum laufenden Schuljahr vor. So seien derzeit insgesamt mehr als 2400 Seiteneinsteiger aktiv. Zum großen Teil seien sie „seit vielen Jahren erfolgreich im Dienst“. Unter den 1516 zum Schuljahr 2019/20 neu gestarteten Lehrern seien 460 Quereinsteiger, was einer Quote von rund 30 Prozent entspricht. Das Durchschnittsalter der Neulehrer liegt in diesem Schuljahr bei relativ hohen 38 Jahren, was laut Britta Ernst auf den Anteil der Quereinsteiger zurückzuführen sei. Laut einer im Ausschuss verteilten Tabelle des Ministeriums wurden in diesem Schuljahr sogar 232 Lehrkräfte eingestellt, die älter als 50 Jahre sind.

Probleme gebe es teilweise mit unbesetzten Schulleiterposten. 78 Stellen von Leitern oder ihren Stellvertretern waren laut Ministerium im Herbst vakant. Besonders groß seien die Lücken an den Grundschulen.

Gymnasiallehrer auch an Grundschulen

Als weitere Dauerbaustelle erweist sich die bedarfsgerechte Lehrerausbildung. Derzeit seien lediglich 165 künftige Grundschullehrer im Vorbereitungsdienst, aber 568 Kandidaten, die einmal an Gymnasien unterrichten wollen. Das sei eine „Unwucht“, sagte Britta Ernst. Immerhin sei es neuerdings möglich, dass Gymnasiallehrer auch an Grundschulen angestellt werden können. Man suche den Kontakt zum Wissenschaftsministerium, um die Ausbildung besser steuern zu können, sagte die Ministerin. Aber an der Wahlfreiheit der Studierenden sei nicht zu rütteln. „Wir können nur darüber aufklären, dass ein angehender Gymnasiallehrer für Deutsch und Geschichte derzeit nicht so gute Berufsperspektiven hat wie ein Grundschullehrer.“

Die Verkürzung des Referendariats von 18 auf zwölf Monate habe sich hingegen bewährt, sagte die Ministerin im Ausschuss. Das sei für Kandidaten auch aus anderen Bundesländern attraktiv. Die Lehrerausbildung sei lang genug. „Man lernt auch in der Praxis weiter“, versicherte Ernst.

Erfreulich sei, dass das Geld vom Digitalpakt Schule nun zur Verfügung stehe, ergänzte die Ministerin. „Es gehen bereits erste Anträge von Schulen ein.“ Mit rund 136 Millionen Euro für IT-
Infrastruktur stehe den märkischen Schulen „ein erheblicher Betrag“ zur Verfügung.

Immer mehr Rückstellungen