Baustelle Ostkreuz in Berlin
: Pläne für Mega-Bahnhof, Folgen für Bahn-Pendler

Am Bahnhof Ostkreuz in Berlin wird weiter gebaut. Es gibt auch Ideen für den Wasserturm und mehr Fernzüge. Ein Überblick.
Von
Maria Neuendorff
Berlin
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Eine S-Bahn passiert am frühen Morgen den Bahnhof Ostkreuz. Der Bahnhof für Regional- und S-Bahnverkehr ist einer der wichtigsten Umsteige-Bahnhöfe in Berlin.

Eine S-Bahn passiert am frühen Morgen den Bahnhof Ostkreuz in Berlin. Der Bahnhof für Regional- und S-Bahnverkehr ist einer der wichtigsten Umsteige-Bahnhöfe in der Hauptstadt.

dpa/Carsten Koall
  • Bauarbeiten am Bahnhof Ostkreuz in Berlin laufen bis 2026; neuer Vorplatz von 7.000 Quadratmetern geplant.
  • Verbesserte Anbindung und barrierefreie Zugänge für Anwohner und Reisende.
  • Historischer Wasserturm soll zu Café mit Aussichtsplattform umgebaut werden.
  • Bau des letzten Vorplatzes wegen Tram-Anbindung wahrscheinlich erst ab 2028.
  • Bahnhofslängen für Fernzüge zu kurz, mögliche Verlängerung in Planung.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Wer schon lange nicht mehr am Bahnhof Ostkreuz in Berlin aus- oder umgestiegen ist, wird sich sicher verwundert die Augen reiben, wie sich das „Rostkreuz“ in den vergangenen Jahren zum modernen S- und Regionalbahnhof gemausert hat. Aus den einstigen hölzernen Treppen und Rampen sind regengeschützte Zugänge geworden.

Auch die Fahrgäste nach Erkner und zu anderen Zielen im Speckgürtel stehen seit Sommer 2024 durch ein 60 Meter langes neues Dach über den Gleisen 1 und 2 nicht mehr im Regen. Trotzdem wird das Ostkreuz noch jahrelang eine Dauerbaustelle bleiben.

Ostkreuz Berlin – 7000 Quadratmeter großer Bahnhofsvorplatz

Und so vermessen derzeit Arbeiter in orangefarbenen Westen ein von Sandhaufen durchpflügtes Areal unter der Ringbahnhalle. Nach Abschluss der Bauarbeiten der südlich gelegenen Vorplätze Richtung Rudolfkiez und Rummelsburger Bucht starten nun die Baumaßnahmen für die Anbindung des nördlichen Viktoriakiezes im Bezirk Lichtenberg, heißt es zur Erklärung von der Grün Berlin GmbH.

Bis voraussichtlich Frühjahr 2026 soll eine neue, rund 7.000 Quadratmeter große barrierefreie Freifläche aus Naturstein für Anwohner und Reisende entstehen. Ziel sei eine optimierte Anbindung durch verbesserte Wegeverbindungen aus dem Viktoriakiez sowie die gleichzeitige Sicherstellung der Ver- und Entsorgung des Einzelhandels im Bahnhof, heißt es von der Gesellschaft Grün Berlin.

Nach Anbindung der Treppe von der Kynastbrücke könne diese erstmalig in Betrieb genommen werden und verkürze so die Wegstrecke für den Fußverkehr von der Brücke zum Bahnhof erheblich. Die benachbarte Jugendherberge erhält einen eigenen Zugang zum Bahnhof.

Dank 16 neu eingerichteter Taxihaltestellen kämen die Fahrgäste künftig auf beiden Seiten des Bahnhofs schneller an ihr Ziel. Der bereits gebaute Fußgängerschutzgang als provisorische Zuwegung bis zur Marktstraße im Viktoriakiez werde bis voraussichtlich Herbst 2025 in Betrieb bleiben, kündigt die Grün Berlin GmbH an.

Der bereits Fußgängerschutzgang Richtung Marktstraße am Bahnhof Berlin-Ostkreuz ist schon errichtet. Auch der Viktoriakiez in Lichtenberg bekommt nun einen neuen Bahnhofsvorplatz.

Der Fußgängerschutzgang (Bildmitte) Richtung Marktstraße am Bahnhof Berlin-Ostkreuz ist schon errichtet. Auch der Viktoriakiez in Lichtenberg bekommt nun einen neuen Bahnhofsvorplatz.

Maria Neuendorff

Das landeseigene Unternehmen hatte schon von Frühjahr 2022 bis Sommer 2024 die südlichen Vorplätze realisiert. Auf den neuen Bahnhofsvorplätzen, die den Mega-Knotenpunkt nun an den Rudolfkiez sowie die Rummelsburger Bucht anbinden, befinden sich seitdem langgezogene Bänke, 200 neue Fahrradstellplätze, Taxihalteplätze, die bei Bedarf für den Schienenersatzverkehr genutzt werden können, sowie eine neue reguläre BVG-Bushaltestelle.

Zwar beschweren sich einige Pendler, die dort mit dem Bus ankommen, über die langen Ampelphasen für Fußgänger, aber der Zugang und die Anbindung zu Berlins am meisten frequentierten Bahnhof hat sich mit dem Umbau definitiv verbessert.

Seit Sommer 2024 sind die südlichen Vorplätze am Bahnhof Berlin-Ostkreuz fertig. Am Ausgang hier zum Rudolfkiez befinden sich seitdem Bänke sowie eine neue reguläre BVG-Bushaltestelle.

Seit Sommer 2024 sind die südlichen Vorplätze am Bahnhof Berlin-Ostkreuz fertig. Am Ausgang, hier zum Rudolfkiez, befinden sich seitdem Bänke sowie eine neue reguläre BVG-Bushaltestelle.

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Das sollte es auch, werden doch allein in Planung und Bau der Vorplätze am Ostkreuz 11,9 Millionen Euro brutto gesteckt. Zahlen muss hauptsächlich das Land Berlin, auch wenn die Deutsche Bahn an einem Teil der Kosten beteiligt ist. In den Umbau des Bahnhofs selbst flossen von 2006 bis 2018 rund eine halbe Milliarde Euro.

Doch obwohl täglich am Ostkreuz im Schnitt 253.000 Menschen ein-, aus- oder umsteigen – so viele wie nirgendwo sonst in Berlin – fahren die meisten IC oder ICE ohne Halt durch. Das liegt daran, dass die Bahnsteige für bestimmte Fernzüge zu kurz sind. „Selbst der kürzere Railjet muss schon sehr genau bremsen, damit die Leute nicht hinten auf dem Schotter aussteigen müssen“, berichtet Sven Heinemann, SPD-Abgeordneter für Friedrichshain, der sich für eine Verlängerung des Regionalbahnsteiges einsetzt, an dem auch die Züge nach und aus Frankfurt (Oder) halten.

Gleise am Bahnhof Ostkreuz zu kurz für ICE-Halt

Während die Bahnhofslängen am Ostbahnhof auf 400 Meter ausgelegt sind, ist am Ostkreuz bei 210 Metern Schluss. „Das ist historisch bedingt, weil das Ostkreuz nie als Fernbahnhof geplant wurde. Aber mindestens eine Wagenlänge ist noch drin“, erklärt der Politiker, der auch ein Buch über den Knotenpunkt geschrieben hat.

Würde der Bahnsteig an Gleis 1 und 2 um diese Wagenlänge verlängert, könnten unter anderem auch der IC nach Amsterdam sowie die ICE in die Schweiz am Ostkreuz halten.

Die Ringbahnhalle am Bahnhof Ostkreuz schützt Fahrgäste von S-Bahn und Regionalbahnen vor Wind und Regen.

Die Ringbahnhalle am Bahnhof Ostkreuz schützt Fahrgäste von S-Bahn und Regionalbahnen vor Wind und Regen.

Maria Neuendorff

Heinemann, der im Berliner Abgeordnetenhaus sitzt, setzt sich zudem für den Ausbau der Bahnhofsvorplätze ein. Dabei ist für ihn der Ausgang Richtung Sonntagstraße und Neue Bahnhofstraße von besonderer Bedeutung, an dem unter anderem ein großes Fahrradparkhaus entstehen soll.

Doch für diesen letzten Bahnhofsvorplatz ist der Baustart weiter unklar. „Das wird wahrscheinlich nichts vor 2028“, vermutet der Politiker. Hintergrund ist unter anderem eine neue Tram-Anbindung an das Ostkreuz. Dabei soll eine 1,2 Kilometer lange Straßenbahntrasse durch Sonntagstraße und Neue Bahnhofstraße die Boxhagener Straße in Friedrichshain mit dem Bahnhof Ostkreuz verbinden.

Seit 2018 mussten die Planungsunterlagen dazu im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung wegen diverser Pannen schon viermal ausgelegt werden. Unter anderem blockierten auch hunderte von Einwänden von Anwohnern, die sich vor noch mehr Verkehr und Lärm fürchten, das Projekt.

So sieht man am Ausgang zur Sonntagstraße bisher nur eingezäunte Grünflächen, auf denen sich im Novemberwind der Müll der Straße verfängt. Auch das 1900 erbaute Beamtenwohnhaus am Markgrafendamm 24, das älteste Gebäude der Gegend, wirkt verwahrlost. „Unser Ziel ist, dass das Gebäude vom Land Berlin aufgekauft und zum Ort für kulturelle und soziale Projekte umgebaut wird“, berichtet Heinemann.

Wasserturm mit Café und Aussichtsplattform

Das eigentliche Wahrzeichen des Ostkreuzes ist aber der historische Wasserturm. Die Bahn hat den 1912 erbauten Jugendstil-Turm am neuen Vorplatz zum Rudolfkiez, dessen spitzes Dach an eine Pickelhaube erinnert, schon 2015 an einen Berliner Investor verkauft. „Bisher konnten wir an dem Turm nichts machen, da wir durch die Baustellen blockiert waren“, berichtet der Immobilien-Entwickler Uwe Fabich, dem unter anderem auch das Funkhaus Berlin in Oberschöneweide gehört.

Das 59 Meter hohe Industrie-Denkmal in Friedrichshain, das einst der Wasserversorgung von Dampflokomotiven diente, will Fabich nun für die Allgemeinheit zugänglich machen. Vorstellbar sei ein Café oder Restaurant mit Aussichtsplatzform, berichtet der Unternehmer.

„Ich bin gerade in den Gesprächen mit dem Denkmalschutz darüber, was machbar ist“, sagt der Investor. Das Hauptproblem sei die Erschließung in die Höhe: „Eine Außentreppe kommt für mich ästhetisch nicht infrage“, betont Fabich.

Der Wasserturm ist das Wahrzeichen des Bahnhofs Ostkreuz in Berlin.

Der Wasserturm ist das Wahrzeichen des Bahnhofs Ostkreuz in Berlin.

Maria Neuendorff

Er sei aber zuversichtlich, zusammen mit den Denkmalschützern eine andere Lösung zu finden. „Ich hatte zwar schon X Anfragen von Leuten, die unterm Dach gerne ihr Wohnzimmer einbauen würden“, berichtet Fabich. Aber das komme für ihn nicht infrage. „Es wäre ein Frevel, so ein besonderes Bauwerk nicht der Öffentlichkeit zugänglich zu machen“.

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