Bahn in Brandenburg
: RE1-Lokführer wirft Fahrgäste mit Fahrrad in Berlin aus dem Zug

An Wochenenden wie Pfingsten wird es durch Fahrrad-Ausflügler voll in den Regionalzügen in Berlin und Brandenburg. Für manche Fahrgäste mit Rad endet die Reise abrupt, bevor sie überhaupt am Ziel sind.
Von
Maria Neuendorff
Berlin
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Eine junge Frau besteigt einen Zug mit ihrem Fahrrad. Der VBB rechnet wegen des 9-Euro-Tickets mit einem großen Ansturm an Fahrgästen und bittet darum, ohne Fahrrad zu fahren.

ARCHIV - Eine junge Frau besteigt am 10.06.2011 auf dem Ostbahnhof in Berlin einen Zug mit ihrem Fahrrad. Mit Beginn der Sommerreisesaison wird es in den Fahrradabteilen der Bahnbetreiber enger. (zu "Mehr Fahrräder in Regionalzügen - Extra-Wagen auf zwei Linien" vom 21.05.2017) Foto: Hannibal Hanschke/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Eine junge Frau besteigt einen Regionalzug mit ihrem Fahrrad. Deutsche Bahn und Odeg rechnen gerade in der Ausflugssaison mit Engpässen in den Fahrradabteilen. (Symbolfoto)

Michael Hanschke/dpa
  • Fahrräder im RE1: Mitnahme nur bei Platz, Sicherheit und Vorrang für Personen, Kinderwagen, Rollstühle.
  • Fall am 17. Mai 2026: Radfahrer stieg in Erkner ein, musste am Berliner Hbf wegen Überfüllung aussteigen.
  • Odeg und DB melden hohe Auslastung an Wochenenden und Feiertagen wie zu Pfingsten.
  • Zugpersonal begrenzt Mitnahme situativ, um Fluchtwege freizuhalten – bei Bedarf Ausstieg für Räder.
  • Empfehlungen: frühere Rückfahrt, S-Bahn nutzen, Leihräder per „DB Ausflug“ finden.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Mitnahme von Fahrrädern im Regionalzug kann besonders an Wochenenden und an Feiertagen wie zu Pfingsten in Berlin und Brandenburg zum Problem werden. Das musste auch Patrick Maziul erleben. Er hatte am Sonntag, 17. Mai 2026, um 13.28 Uhr in Erkner (Landkreis Oder-Spree) mit dem Fahrrad den RE1 Richtung Magdeburg bestiegen. „Die Fahrt endete dann für mich abrupt am Berliner Hauptbahnhof“, berichtet der Radler empört.

„Der Lokführer hat durchgesagt: ,Wegen Überfüllung müssen alle mit Fahrrad hier aussteigen, sonst fahre ich nicht weiter‘“, schildert der Mann aus Schöneiche das Erlebte weiter.

Da es zeitgleich ab Charlottenburg nur Schienenersatzverkehr mit Bussen gab, habe er für sich nur noch die Möglichkeit gesehen, eine Station zurück zum Bahnhof Friedrichstraße zu fahren, um dort mit der S-Bahn-Linie 1 zu seinem Zielort Wannsee zu gelangen.

Hohe Auslastung im RE1

„Gemäß den geltenden Beförderungsbedingungen können Fahrräder nur mitgenommen werden, wenn ausreichend Platz vorhanden ist und andere Fahrgäste nicht beeinträchtigt oder gefährdet werden“, sagt Swantje Mielke, Sprecherin der Ostdeutschen Eisenbahn GmbH (Odeg), die die Strecke des RE1 betreibt.

So sei die Mitnahme von Fahrrädern in den Zügen der Odeg nur im Rahmen der verfügbaren Kapazitäten möglich. „Insbesondere an Wochenenden, Feiertagen oder bei zusätzlichen Einschränkungen im Bahnverkehr kann es auf stark frequentierten Linien wie dem RE1 zu einer sehr hohen Auslastung kommen“, bestätigt Mielke.

Das Zugpersonal sei sogar verpflichtet, die Betriebssicherheit sowie freie Flucht- und Rettungswege sicherzustellen, betont die Odeg-Sprecherin. Zudem haben Personen, Kinderwagen und Rollstühle Vorrang vor Fahrrädern. „In Einzelfällen kann es daher notwendig werden, die Fahrradmitnahme zu begrenzen. Entscheidungen hierzu werden jeweils situativ durch das Zugpersonal vor Ort getroffen.“

„Ja, von solchen Fällen hören wir immer wieder“, sagt auch Lisa Feitsch, Sprecherin des Fahrradclubs ADFC in Berlin, der seit Jahren unter anderem Buchungs- und Informationssysteme fordert, die die Fahrradmitnahme berücksichtigen und zum Beispiel anzeigen, auf welchen Gleisabschnitten Fahrradabteile halten.

Alle Fahrradplätze im Regionalzug belegt

In der Regel werden in der Reiseauskunft Züge, für die die Fahrradmitnahme kritisch oder nicht mehr möglich ist, kenntlich gemacht, heißt es dazu von der Deutschen Bahn.

Auch dort bestätigt man, dass es gerade im Frühling und Sommer Probleme geben kann. „Es kommt in der Ausflugssaison gelegentlich zu einzelnen Fahrten, bei denen keine weiteren Fahrgäste mit Rädern mitgenommen werden können“, so eine Sprecherin. Der VBB informiert auf seiner Website, welche Regeln für die Mitnahme von Rädern gelten.

„Um die Sicherheit nicht zu gefährden, muss der Zugbegleiter die Anzahl der Räder im Blick behalten und im Zweifel Fahrgäste bitten, die nächste Verbindung zu nutzen, wenn alle Fahrradplätze belegt sind“, so eine Bahnsprecherin. „Vor allem bei der Rückreise von der Ostsee und der Mecklenburgischen Seenplatte beziehungsweise der Uckermark kann es am späten Nachmittag und Abend zu einem größeren Andrang kommen.“

Grundsätzlich werde die Nutzung eines Leihrads empfohlen, vor allem bei beliebten Ausflugswochenenden wie zum Beispiel Pfingsten oder dem 3. Oktober, ergänzt die Bahnsprecherin. Die Qualität der Leihräder sei in den letzten Jahren sehr gut geworden, und die Anbieter hätten inzwischen auch Kinderräder, Anhänger und natürlich E-Bikes. In der App „DB Ausflug“ würden viele Touren vorgestellt, bei denen es einen Fahrradverleih in der Nähe des Bahnhofs gebe.

Leihräder an Bahnhöfen in Berlin-Brandenburg

Wer nicht auf das eigene Rad verzichten möchte, für den empfiehlt es sich, nicht auf die letzte Verbindung zu warten, sondern lieber etwas früher zurückzufahren. Auch bietet es sich an, die Tour so zu planen, dass sie an einem S-Bahnhof endet. Diese Bahnen fahren in der Regel im 20-Minuten-Takt und bieten dadurch deutlich mehr Kapazitäten und zeitliche Flexibilität.

Patrick Maziul hatte allerdings schon am frühen Sonntagnachmittag den Zug bestiegen. Seiner Meinung nach sei der RE1 auch nur zu dreiviertel Prozent ausgelastet gewesen. „Hätte es am Berliner Hauptbahnhof dann nicht nur ‚Ausstieg erlaubt‘ und ‚Einsteigen verboten‘ für Räder heißen müssen?“, fragt der Brandenburger. „Das hätte die Situation jedenfalls wesentlich entschärft.“

Odeg-Sprecherin Swantje Mielke hat bei den Kollegen nochmal nachgeforscht. Zu dem geschilderten konkreten Einzelfall sei es unter anderem gekommen, weil auf der Berliner Stadtbahn die S-Bahn Richtung Westen ausgefallen sei. So seien zusätzlich Fahrgäste in den Regionalzug gestiegen, der schnell überfüllt gewesen sei, so die Sprecherin.

Das Zugpersonal habe aus Sicherheitsgründen keine andere Wahl mehr gehabt, als die Fahrgäste mit Rädern am Hauptbahnhof aufzufordern, auszusteigen, berichtet Mielke.  „Unabhängig davon ist aber nachvollziehbar, dass die Situation für die betroffenen Fahrgäste unbefriedigend war.“

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