Asiatische Hornisse in Brandenburg: So wichtig und kompliziert war die Nest-Beseitigung

Asiatische Hornisse in Eisenhüttenstadt: So lief die Beseitigung des Nestes.
Bernd Geller copyright by Fotodesgn und Bildarchiv- Erstes Nest der Asiatischen Hornisse in Brandenburg wurde in Eisenhüttenstadt beseitigt.
- Einsatz am 24. Juli auf Gelände eines Pflegedienstes: Rasierschaum und Staubsauger genutzt.
- Experten warnen: Art jagt vor Bienenstöcken, bis zu 60 Prozent Beute sind Honigbienen.
- Tiere gelten als schneller und aggressiver, produzieren mehr Königinnen – keine Gegenspieler.
- Etwa 70 Hornissen gefasst, Nest entfernt; Funde werden tiefgefroren und untersucht.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Aufregung herrscht am Vormittag des 24. Juli auf dem Gelände des Pflegedienstes Ettmeier in Fürstenberg, einem Ortsteil von Eisenhüttenstadt. Denn dort haben Asiatische Hornissen unter dem Dachvorsprung ein Nest gebaut.
Experten hatten in der vergangenen Woche bestätigt, dass es sich um die invasive Art handelt, die ursprünglich aus Südostasien stammt und nach der Jahrtausendwende nach Europa eingeschleppt wurde. Auch im Süden und Westen Deutschlands hat sich das Tier, das vor allem eine Gefahr für die heimischen Bienen darstellt, bereits ausgebreitet und gewütet.
Nun wurde das erste Nest in Brandenburg entdeckt und soll an diesem Tag beseitigt werden, im Auftrag des Landesumweltamtes. Experten hatten damit gerechnet, dass die Asiatische Hornisse, die nicht zu verwechseln ist mit der Asiatischen Riesenhornisse, irgendwann auch in Brandenburg ankommen würde, und sich durch Schulungen darauf vorbereitet. Allerdings war man eher auf den Westen des Landes eingestellt. Der Fund in Eisenhüttenstadt – ganz im Osten – überrascht selbst die Experten.
Asiatische Hornisse: So könnte sie nach Brandenburg gekommen sein
Jochen Andrees, Vorsitzender im Landesverband Brandenburgischer Imker und im Verein Wespenberater Brandenburgs, vermutet Folgendes: „Die Königin der Hornissen fliegt im Herbst aus, wird begattet und überwintert dann beispielsweise in einer für den Handel bestimmten Ladung Holz oder in Rindenmulch. Dann wird sie mitgetragen und im nächsten Frühjahr fliegt sie wieder los und fängt an, ein Nest zu bauen.“
Letztlich trägt der Mensch also durch Fahrzeuge zur Verschleppung der Insekten bei, die jüngst wohl auch so in Fürstenberg gelandet sind. Die Hornissen-Königin hielt das schützende Dach beim Pflegedienst jedenfalls für attraktiv.
Holger Ackermann, ebenfalls ein Experte für Bienen und Hornissen, schaut sich das Nest noch einmal genau an. Es sei im Vergleich zur ersten Sichtung vor ein paar Tagen leicht gewachsen, sagt er. In dem runden Kunstwerk, das etwas größer sein dürfte als eine Pampelmuse, aber kleiner als ein Handball, dürften bisher keine 100 Tiere leben, schätzt er. Haben die Nester der asiatischen Hornisse die maximale Größe erreicht, können es auch bis zu 3000 sein.
Ackermann erklärt, warum es so wichtig ist, das Nest zu beseitigen. 60 Prozent der Nahrung der Asiatischen Hornisse bestehe aus Honigbienen. „Die fangen die vor den Nestern weg.“ Wie ein Hubschrauber würde so eine Hornisse vor dem Eingang verweilen und dann zuschnappen. Die räubern so massiv, dass das Bienenvolk zu viele Flugbienen verliere und eingehe.
Kaum zu glauben, denn die Asiatische Hornisse ist etwas kleiner als die heimische Europäische Hornisse, aber eben weitaus gefährlicher. Warum? „Die sind bessere Flugkünstler, die sind genialer und schneller“, sagt Ackermann und fügt hinzu, dass die invasive Art auch mehr Königinnen produziere, was die Verbreitung beschleunige. Zudem hätten die Asiatischen Hornissen hierzulande noch keine Gegenspieler. Deshalb sei es so wichtig, mit der Beseitigung von entdeckten Nestern den ersten Befallsdruck zu nehmen.
Während Holger Ackermann Details erklärt, bereiten sich Jochen Andrees und Daniel Leppard auf ihren Einsatz in luftiger Höhe vor. Sie steigen in extra Hornissen-Schutzanzüge, die dicker sind als die von Imkern, und setzen sogar einen Helm unter der Schutzkapuze auf.
Der Helm soll den Schleier vom Gesicht fernhalten, denn die Asiatischen Hornissen stechen und beißen nicht nur, sondern sie spritzen auch Gift. Das wolle man nicht ins Auge bekommen und auch nicht einatmen, betont Andrees. Heimische Hornissennester hat er schon viele umgesiedelt.
„Aber das ist ein Kindergeburtstag im Vergleich zu den Asiatischen Hornissen.“ Die seien wesentlich aggressiver, jedenfalls, wenn sie sich bedroht fühlen. Im Normalfall bekommen die Menschen von der invasiven Art kaum etwas mit. „Die geht nicht auf Kuchen und nicht auf Grillwurst, die ist kaum wahrnehmbar.“ Aber stille Wasser sind bekanntlich tief.
Mit Rasierschaum und Staubsauger vor dem Nest
Wie aggressiv die eingeschleppten Hornissen sind, bekommen Jochen Andrees und Daniel Leppard kurz darauf auch zu spüren, nachdem sie mithilfe einer Feuerwehrleiter direkt vor das Nest gefahren worden sind. Um die Einflugschneise zu schließen, wird Rasierschaum ins Loch gesprüht. Das habe sich bewährt. „Bei den heimischen Hornissen wären vielleicht zwei oder drei rausgekommen“, wird Andrees später sagen. Hier sind es etliche mehr.
Die Männer sind umschwärmt von Insekten im Angriffsmodus. Dennoch entfernen sie das Nest, stecken es in einen Plastebehälter und verschließen ihn. Dann kommt eine Art Staubsauger zum Einsatz. Etwa 20 Minuten lang fangen sie so Tiere ein, die aus dem Nest geflogen waren, um es zu verteidigen, und andere, die von der Futtersammlung zurückkehren.

Geschafft: Jochen Andrees zeigt eine Plastebox, in der sich Asiatische Hornissen befinden, die kirz zuvor engesaugt wurden.
Janet NeiserNach gut 20 Minuten haben sie wieder festen Boden unter sich und zwei Plastekisten, gefüllt mit Hornissen, dabei. „Ich denke, es sind etwa 70 Tiere. Wir sind glücklich, dass wir es gut herunterbekommen haben, und hoffen, dass wir die Königin mit erwischt haben. Es sieht so aus“, sagt Andrees und zeigt auf ein etwas größeres Exemplar auf dem zerstörten Nest.
Und was wird nun mit den Hornissen? Die werden mehrere Tage tiefgefroren und dann genau untersucht. Ob es tatsächlich das einzige Nest in Brandenburg war, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.
Die Asiatische Hornisse in Deutschland
Der erste Nachweis einer Asiatischen Hornisse in Deutschland erfolgte im Jahr 2014 nördlich von Karlsruhe.
In Baden-Württemberg, dem Saarland, Rheinland-Pfalz, Hessen und Nordrhein-Westfalen ist die aus Südostasien stammende, invasive Art bereits stark verbreitet.
Mildere Winter begünstigen die Ausbreitung in Deutschland.
Einzelfunde gab es schon in Hamburg, Bremen und Berlin.
Nun steht auch Brandenburg auf der Liste. Hornissen gehören übrigens zur Familie der Wespen.











