Seit 23 Jahren wird das mehrfach ausgezeichnete Gesundheitsmagazin Visite vom Norddeutschen Rundfunk (NDR) ausgestrahlt. Durchschnittlich sind bundesweit 1,2 Millionen Zuschauer dabei. Kaum jemand weiß, dass die Sendung 50 Jahre alt ist und ihren Ursprung im DDR-Fernsehen hatte. Produziert wurde damals in Rostock nach einem vergleichbaren Muster, wie Siglind Zettl berichtet.
Sie war von 1973 bis 2006 als Autorin, Redakteurin und schließlich auch als Redaktionsleiterin für Visite tätig. „Auch damals ging es um Kinderkrankheiten, Magengeschwür oder Fußpilz über Gesundheitsvorsorge und Impfen bis zur Nierentransplantation“, sagt Zettl. Es gab einen Beirat aus 35 Medizinern verschiedenster medizinischer Fachbereiche.
„Berichtet wurde in der Sendung über Erkenntnisse aus der DDR und dem sozialistischen Ausland, nicht über die aus dem Westen“, sagt Zettl. Vorgaben habe es keine gegeben, sagt Zettl. Aber das unausgesprochene Verbot, über bestimmte Themen zu berichten: Alkoholismus, Geschlechtskrankheiten oder Homosexualität.

Visite: DDR-Name für die Fernsehsendung setzte sich durch

Auch nach der deutschen Einheit 1990 wurde Visite aus Rostock fortgesetzt, parallel dazu gab es den ARD-Ratgeber Gesundheit. 1999 wurden beide Redaktionen in Hamburg zusammengelegt, der Name Visite setzte sich durch. Das heutige Konzept beruhe auf größtmöglicher Abwechslung. „Wir versuchen, die Komplexität eines Themas auf ein verständliches Maß zu reduzieren, ohne dass etwas falsch wird – das gelingt dank der jahrelangen Erfahrung“, sagt Vera Cordes, Moderatorin der heutigen Visite-Sendung.
Animationen für wissenschaftliche Details gehörten dazu wie die Geschichten von realen Patienten. „Wir sind uns der Verantwortung bewusst, nicht zu viel Hoffnung zu schüren.“ Zudem müssten die Bilder ästhetisch bleiben. „Die Menschen schalten ab, wenn die Optik nicht stimmt“, sagt Cordes.
Die Moderatorin bekommt nach eigenen Angaben Gänsehaut, wenn sie an die Begegnung mit einer Zuschauerin in Boizenburg (Mecklenburg-Vorpommern) zurückdenkt. „Wenn ich Ihre Sendung nicht gesehen hätte, hätte man mir das Bein abgenommen“, habe die Frau gesagt.Eine Sendung zuvor sei der dringende Rat ergangen, vor einer Amputation als Folge schwerer Gefäßverschlüsse noch einen Spezialisten zuratezuziehen.
Der habe dann tatsächlich zwei Arterien-Verengungen gefunden, die geweitet werden konnten. Das Bein war gerettet. Am 21. Januar feiert die Gesundheitssendung, die ihre Wurzeln in der DDR hat, ihr 50. Jubiläum.

Hoyerswerda