Kurz und schmerzhaft könnte als Überschrift über den diesjährigen Erfurter Weihnachtsmarkt stehen. Nachdem er heute, am Dienstag, 23.11. eröffnet wurde, darf er ab morgen, 24.11. seine Tore nicht mehr öffnen. Was bereits im Entwurf der neuen Corona-Verordnung für Thüringen stand, hat sich nun bewahrheitet. Die Landesregierung untersagt alle Weihnachtsmärkte in Thüringen.

Erfurter Weihnachtsmarkt: Auch 2021 kommt die Absage

Bis zuletzt hatten Städte wie Erfurt, Eisenach und Weimar an ihren Plänen festgehalten. Bereits am Morgen, als der Entwurf der neuen Verordnung bekannt wurde, zeigten sich Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) wütend über das mögliche Verbot, dass nun tatsächlich eintritt. Gemeinsam mit den OBs der Städte Weimar und Eisenach zog OB Bausewein in einem Statement am Morgen sogar eine Klage in Betracht, sollten die Weihnachtsmärkte in Thüringen tatsächlich untersagt werden.
Ein Sprecher der Stadt Erfurt sagte der Bild-Zeitung: „Wir und vor allem alle Händler sind stinksauer darüber, dass das Land wochenlang Weihnachtsmärkte für machbar erklärt hat und ausgerechnet jetzt, wo alle Händler fertig aufgebaut haben, eine Kehrtwende vollzieht.“

Erfurter Weihnachtsmarkt 2021: Auch die Einteilung in Fraktionen verhindert Verbot nicht

Thüringen verzeichnet aktuell eine Sieben-Tage-Inzidenz von 685,3 (Stand: 23.11.2021). Trotzdem hielten die Verantwortlichen der Stadt Erfurt daran fest, den größten Weihnachtsmarkt Thüringens in diesem Jahr stattfinden zu lassen. Dass dort die 2G-Regel gelten sollte, stand schon lange fest. In der vergangenen Woche reagierte das Rathaus Erfurt um Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) auf die neuen Corona-Regeln der Landesregierung mit einer Planänderung für den Erfurter Weihnachtsmarkt. Abgesagt werden sollte er nicht, sondern die von der Landesregierung gesetzte Obergrenze an Besucherinnen und Besucher durch eine neue Organisation umgangen.

Erfurter Weihnachtsmarkt 2021: Nicht maximal 2000, sondern 6000 Besucher

In einem Pressegespräch mit Journalistinnen und Journalisten überraschte Oberbürgermeister Andreas Bausewein dann mit einer Planänderung für den Erfurter Weihnachtsmarkt. Aus diesem sollten nun die Erfurter Weihnachtsmärkte werten - denn der traditionelle Markt auf dem Domplatz sollte in drei Fraktionen aufgeteilt werden. Dadurch könnten nicht maximal 2000 Besuchende auf dem Domplatz den Weihnachtsmarkt besuchen, sondern 6000 - also maximal 2000 pro Weihnachtsmarktzone. Die städtische Abteilung Märkte und Stadtfeste hatte diese Lösung ausgetüftelt. „Das Land hatte in Aussicht gestellt, Regelungen für Weihnachtsmärkte aufzustellen. Jetzt, kurz vor Start, fühlen wir uns allein gelassen“, sagte der zuständige Beigeordnete Dr. Tobias Knoblich. „Nun müssen wir kreativ sein und dem Freistaat zeigen, dass er Dinge nicht zu Ende gedacht hat.“ Damit ist die Regellücke der neuen Verordnung für Thüringen gemeint, die ein solches Vorgehen zulässt.

Erfurter Weihnachtsmarkt 2021 in drei Fraktionen - jetzt doch abgesagt

Auch eigene Namen hatten die einzelnen Weihnachtsmärkte auf dem Domplatz bekommen, wie es einer Pressemitteilung der Website zum 171. Erfurter Weihnachtsmarkt zu entnehmen ist:
  • Domstufenweihnachtsmarkt
  • Krippenweihnachtsmarkt
  • Festungsweihnachtsmarkt
Es sollte vier verschiedene Zugänge mit insgesamt 30 Schleusen geben. Solange sich in den einzelnen Zonen weniger als 2000 Menschen aufhalten, könnten Besuchende auch zwischen den Fraktionen hin- und herspazieren. Lichtschrankenmesssysteme sollten die Personenanzahl auf dem gesamten Gebiet messen. Rund 400.000 Euro Zusatzkosten mussten für das Besuchermanagementsystem aufgebracht werden. Das Gesundheitsamt in Erfurt hatte diesem Plan zugestimmt. Warum dies in Betracht gezogen wurde, erklären die Verantwortlichen mit der Größe des Domplatzes: „Es ist absurd, dass der Freistaat eine Personengrenze ohne Relation zur Fläche zieht“, sagt Knoblich laut der Pressemitteilung. Der Erfurter Domplatz hat eine Fläche von insgesamt 9.000 Quadratmeter - 2.000 Menschen auf diesem Platz seien laut Oberbürgermeister Bausewein zu wenig. „Das würde sich für die Händler und Gastronomen nicht rechnen. Da würden viele absagen“, schätzte er. Die Landesregierung hätte die Fläche des Domplatzes beim Setzen der Obergrenze nicht mitgedacht. Bausewein stellt die Vermutung auf, dass die Regierung die Städte so zu einer Weihnachtsmarktabsage „durch die kalte Küche“ drängen wollte. Zudem gehe es um die wirtschaftliche Existenz der Händlerinnen und Händler, so Knoblich.
Die Planänderung zum Erfurter Weihnachtsmarkt sorgte für Kritik, vor allem seitens der Erfurter CDU. Nun ist diese irrelevant - der Weihnachtsmarkt in Erfurt wurde abgesagt.