Die Corona-Zahlen in Thüringen sind zuletzt leicht gesunken. Trotzdem hat das Land die zweithöchste Inzidenz aller deutschen Bundesländer: Thüringen hat den Sachsen als traurigen Spitzenreiter bei der Inzidenz und liegt am Sonntag, 12.12., als einziges Bundesland über der 1000er Marke (1025,0). Schon seit 24. November gelten strengere Corona-Regeln. Während des Teil-Lockdowns sind zum Beispiel Weihnachtsmärkte komplett verboten. Hier eine Übersicht der Maßnahmen, die, soweit nicht anders vermerkt, vorerst bis zum 21. Dezember 2021 gelten.
  • Welche Corona-Regeln gelten in Thüringen?
  • Wo gilt die 2G-Regel in Thüringen?
  • Was gilt für Restaurants, Theater, Schulen und Kitas?
  • Welche Veranstaltungen sind noch erlaubt?

Thüringen will Regeln für Corona-Hotspots verschärfen

Thüringen will die Corona-Regeln für besonders schwer von der Pandemie betroffene Regionen verschärfen. Dies betrifft Landkreise und kreisfreie Städte mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 1000. Dort sollen Gaststätten, Restaurants und Beherbergungsbetriebe nur noch für Gäste öffnen dürfen, die gegen Covid-19 geimpft beziehungsweise von Covid-19 genesen sowie zusätzlich negativ getestet sind (2G-plus-Regel). In Kommunen mit einer Inzidenz von mindestens 1500 soll etwa die Gastronomie komplett schließen. Die Einschränkungen sollen „spätestens“ am kommenden Montag in Kraft treten, wie ein Ministeriumssprecher sagte.

2G-Regel in Thüringen – das ist nur für Geimpfte und Genesene erlaubt

  • Veranstaltungen in geschlossenen Räumen (ab 50 Personen gilt 2G+): maximal 50 Prozent Auslastung bzw. 500 Personen erlaubt, es gelten Maskenpflicht und Kontaktnachverfolgung
  • Veranstaltungen unter freiem Himmel: maximal 75 Prozent Auslastung erlaubt, es gilt die Maskenpflicht
  • private Treffen in geschlossenen Räumen (2G ab 15 Personen, maximal 50 Personen erlaubt)
  • private Treffen unter freiem Himmel (2G ab 20 Personen, maximal 100 Personen erlaubt)
  • Gastronomie (außerdem: Sperrstunde ab 22 Uhr bis mindestens 15.12., Maskenpflicht außer am Sitzplatz, Kontaktnachverfolgung)
  • Hotels (für nicht-touristische Übernachtungen gilt die 3G-Regel, außerdem Maskenpflicht und Kontaktnachverfolgung)
  • Einzelhandel (ausgenommen sind Lebensmittelläden, Tierbedarf, Apotheken, Drogerien, Sanitätshäuser, Babyfachmärkte, Orthopädieschuhtechniker, Optiker, Hörgeräteakustiker, Zeitungsverkauf, Tankstellen, Baumärkte und Großhandel (für Gewerbetreibende), Brennstoffhandel)
  • Busreisen
  • Museen und andere Sehenswürdigkeiten
  • Jagd-, Flug- und Hundeschulen

Diese Kontaktbeschränkungen gelten in Thüringen

Kontaktbeschränkungen gelten vor allem für Ungeimpfte. Sie dürfen sich mit ihrem eigenen Haushalt und maximal zwei weiteren Personen aus einem Haushalt treffen. Außerdem gilt für Ungeimpfte vorerst bis zum 15.12. eine nächtliche Ausgangssperre zwischen 22 und 5 Uhr. Kinder, die jünger als zwölf Jahre und drei Monate sind, sind von den Regeln nicht betroffen.

Einige Veranstaltungen sind in Thüringen komplett verboten – die Übersicht

  • Volksfeste und Weihnachtsmärkte bis zum 21.12.
  • Messen und Kongresse bis zum 15.12.

Corona Verordnung Thüringen – diese Einrichtungen haben komplett geschlossen

  • Freizeitparks
  • Themenparks
  • Spielplätze in geschlossenen Räumen
  • Diskotheken und Clubs
  • Bars
  • Schwimm- und Freizeitbäder, Thermen und Erlebnisbäder und Saunen (ausgenommen sind Schulsport, Kinder- und Jugendsport und Rehabilitationsangebote)

Haben Fitness-Studios in Thüringen geöffnet?

Ja, allerdings gelten strenge Regeln: In geschlossenen Räumen gilt 2Gplus, draußen die 2G-Regel. Kinder- und Jugendsport sind davon ausgenommen. Die Betreiberinnen und Betreiber müssen ein Infektionsschutzkonzept vorlegen und Kontakte nachverfolgen können. Die gleichen Regeln gelten auch für ähnliche Angebote wie Tanzschulen

2G+ in Thüringen: Hier gilt auch 2Gplus

  • bei öffentlichen Veranstaltungen in geschlossenen Räumen mit mehr als 50 Personen
  • in Spielhallen, Spielbanken und Wettbüros (Sperrstunde ab 22 Uhr bis 15.12.)
  • Für Chor- und Orchesterproben

Hier gilt die 3G-Regel in Thüringen

  • im ÖPNV und Fernverkehr der Bahn
  • für Fahrschulen
  • an Hochschulen und Universitäten
  • bei Erste-Hilfe-Kursen
  • für kommunale Sitzungen, Sitzungen von Gewerkschaften und betriebliche Veranstaltungen
  • für Gottesdienste in geschlossenen Räumen

3G im Gottesdienst: die aktuellen Regeln in der Kirche

Nach Sachsen und Rheinland-Pfalz hat auch Thüringen die Corona-Regeln für Gottesdienste verschärft. Ab sofort gilt eine 3G-Beschränkung: Ungeimpfte oder nicht nachweislich genesene Besucherinnen und Besucher von Gottesdiensten und anderen Veranstaltungen von Religions- oder Glaubensgemeinschaften in geschlossenen Räumen müssen nun vor Eintritt einen negativen Covid19-Test vorlegen. Ausnahmen gibt es für Kinder und Jugendliche.
Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) reagierte zurückhaltend auf die neue Regelung und erklärte am Freitag: "Damit stehen wir in den Gemeinden vor hohen Hürden. Unsere bisherigen Versuche der Abwendung dieser Bestimmung sind zum Stand 25.11.2021 ohne Erfolg geblieben." Die EKM betonte, dass die Regelungen zum Infektionsschutz wie etwa zum konsequenten Tragen eines qualifizierten Mund-Nasen-Schutzes beim Singen "inzwischen bewährte Instrumente der Infektionsvermeidung sind". Gottesdienste hätten unter diesen Bedingungen kein höheres Ansteckungsrisiko als der Besuch im Supermarkt.

Corona in Thüringen: Die wichtigsten Zahlen

Entscheidend für Maßnahmen in Thüringen ist das Frühwarnsystem. Dieses basiert auf drei Werten: Die Sieben-Tage-Inzidenz, die Sieben-Tage-Hospitalisierungsinzidenz und die Intensivbettenbeslastung. Es gibt vier Stufen:
  • Basisstufe: Inzidenz unter 35, Hospitalisierung unter 4,0 oder Intensivebetten unter 3,0 Prozent
  • Warnstufe 1: Inzidenz unter 100, Hospitalisierung bei 4,0 oder ITS-Belastung bei 3,0 Prozent
  • Warnstufe 2: Inzidenz bis 200, Hospitalisierung bei 7,0 oder ITS-Belastung bei 6,0 Prozent
  • Warnstufe 3: Inzidenz über 200, Hospitalisierung bei 12,1 oder ITS-Belastung bei 12,1 Prozent
Momentan (Stand: 12.12.) gilt für alle Landkreise in Thüringen die Warnstufe 3.
Je nach Stufe greifen unterschiedliche Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie.
In Thüringen sehen am Sonntag, 12.12.2021, die Kennzahlen wie folgt aus:
  • 7-Tage-Inzidenz: 1025,0
  • Neuinfektionen: 2242
  • 7-Tage-Hospitalisierungsinzidenz: 19,4
  • Warnstufe 3 in allen Landkreisen

Das gilt für Schulen und Kitas in Thüringen

Für das Schuljahr 2021/22 hat die Thüringer Regierung das Warnstufensystem eingeführt. Aktuell gilt an allen Schulen Warnstufe 3.
Damit gelten folgende Grundregeln:
  • Verpflichtende Tests zweimal pro Woche, außer für Geimpfte und Genesene. Schülerinnen und Schüler ohne 3G-Nachweis, die nicht am Testsystem in Schulen teilnehmen, sollen in gesonderten Lerngruppen lernen und müssen auch im Unterricht Maske tragen. Eltern, die Tests verweigern, müssen ein Bußgeld bezahlen.
  • Maskenpflicht für alle in Schulhaus und Unterricht
  • Befreiungsmöglichkeiten vom Unterricht für Schülerinnen und Schüler mit Risikomerkmalen für einen schweren Krankheitsverlauf, die gleichzeitig nicht impfbar sind, sowie für lediglich erstgeimpfte Schülerinnen und Schüler.
  • Kita-Kinder dürfen nur noch in festen Gruppen betreut werden.

Viele Proteste gegen die Corona-Regeln in Thüringen

In Thüringen hat es am Montagabend in fast allen Landkreisen Proteste gegen die Corona-Maßnahmen gegeben. Insgesamt habe es 24 Versammlungsorte gegeben, sagte ein Sprecher der Polizei am Montagabend. Dabei seien die Teilnehmerzahlen meist höher gewesen als derzeit zulässig. Erlaubt sind in Thüringen nur ortsfeste Kundgebungen mit maximal 35 Menschen. Die Beamten hätten deswegen versucht, keine Aufzüge zuzulassen und die Verantwortlichen in den nicht angemeldeten Demos ausfindig zu machen. Schwierig sei es jedoch gewesen, überall mit einer ausreichenden Zahl von Einsatzkräften zu sein, hieß es weiter.
Die größten Proteste gab es nach Einschätzung der Polizei in Erfurt mit etwa 1000, in Altenburg mit etwa 800 und in Zeulenroda mit 600 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Die Organisatoren der Erfurt-Demo werden der Polizei zufolge wegen der Größe der Versammlung ein Bußgeld von etwa 1500 Euro zahlen müssen. Auch in Eisenach, Nordhausen, Arnstadt, Jena, Saalfeld, Sömmerda und weiteren Städten habe es Demonstrationen gegeben.
Nach einer vorläufigen Einschätzung der Polizei sei es insgesamt ruhiger zugegangen als bei Protesten am Wochenende. So gab es etwa weniger gemeldete Straftaten. In Erfurt habe vermutlich eine Person von der Versammlungsleitung eine Polizeikraft beleidigt.

Das sagt der Thüringische Verfassungsschutz zu den Corona-Protesten

Thüringens Verfassungsschutzchef Stephan Kramer fordert angesichts der Corona-Proteste in Sachsen und Thüringen ein härteres Vorgehen von Staat und Justiz. „Es geht nicht mehr um Versammlungs- und Meinungsfreiheit“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND, Dienstag). „Es geht nur noch darum, einzuschüchtern und Angst zu verbreiten. Diese Menschen brauchen keine Kommunikation, sondern eine klare Ansage.“ Bedroht würden nicht nur Politiker sondern auch Lehrer, Ärzte und Wissenschaftler. „Die kann man nicht mehr alle unter Polizeischutz stellen. Da müssen wir durchgreifen“, sagte Kramer.