Wettbewerb für Nachhaltigkeit: Ideen für Weißwasser gesucht – das sind die Bedingungen

An dem Wettbewerb zu Themen der Nachhaltigkeit in Weißwasser können Einzelpersonen ebenso teilnehmen wie Vereine, Kitas oder Schulen, Firmen und Einrichtungen. Initiiert wurde der Wettbewerb aus dem Kommunalen Entwicklungsbeirat heraus, dem auch Marcel Bartel, Claudia Müller und Martin Gärtner (von links) angehören.
Jürgen ScholzDreimal schon haben die 30 Mitglieder des Kommunalen Entwicklungsbeirates getagt – ihre Ergebnisse und Empfehlungen für mehr Nachhaltigkeit in der Stadt Weißwasser sollen nach der vierten Sitzung im Januar präsentiert werden. Im Rahmen des Förderprojekts sind aber auch ganz andere Ideen gefragt. Kurz vor Weihnachten startete ein Wettbewerb, bei dem gute Ideen gefragt sind für achtsamen Umgang mit Energie, mehr Nachhaltigkeit und Artenvielfalt in der Stadt oder aber für Projekte, bei denen sich Menschen begegnen. Die drei Sieger-Projekte können eine Förderung von bis zu 10.000 Euro erhalten.
Angesprochen sind sowohl Kindergärten und Schulen als auch Vereine, Unternehmen, kommunale Einrichtungen ebenso wie Einzelpersonen. Ziel des Ganzen: Mehr Bewusstsein für Umwelt und Nachhaltigkeit wecken. Damit sollen Wettbewerb und Kommunaler Entwicklungsbeirat (KEB) auf zwei Wegen Wirkung entfalten – zum einen das Bewusstsein für Nachhaltigkeit, Energie sparen und gemeinsames Agieren wecken – und durch den Wettbewerb auch Anreize geben, eigene Ideen umzusetzen.
Diese Aspekte soll der Wettbewerb für Nachhaltigkeit in Weißwasser aufgreifen
Im Beirat ging es beispielsweise um Wassermanagement und Artenschutz als einen Aspekt, aber auch die Anpassung an den Klimawandel im Sinne der Nachhaltigkeit. Dazu passend der dritte Punkt: Welche Möglichkeiten gibt es, im öffentlichen Raum oder öffentlichen Gebäuden Energie zu sparen – und wie können Alternativen zur Energie-Erzeugung aufgegriffen werden? Dabei wird auch der Kontakt zu Akteuren bei den Energie-Genossenschaften in Weißkeißel, Rietschen, Boxberg und Kodersdorf gesucht, die erste Ansätze bereits umsetzen oder größere Projekte wie die Photovoltaik-Anlage in Weißkeißel in die Wege leiten.
Der Wettbewerb soll eben diese Aspekte aufgreifen. Die Ideen sollen entweder das Bewusstsein für die Probleme und Lösungsansätze wecken oder im öffentlichen Bereich umsetzen. Sie können aber auch den Ansatz verfolgen, Menschen für ein Ziel zusammenzubringen und so die Identität und Verbindung zur Stadt stärken, erklärt Beiratsmitglied Claudia Müller, die beispielhaft außerschulische Kultur- und Bildungsprojekte nennt. „Es soll zeigen, dass man sich einbringen kann“, verdeutlicht Marcel Bartel. Der Software-Entwickler und IT-Spezialist ist einer der frühen „Rückkehrer“ und seit 2016 wieder in Weißwasser. Eben diese Zielgruppe soll aber auch mit dem Wettbewerb angesprochen werden, der ab sofort beworben wird – auch auf dem Rückkehrertag in Weißwasser am 27. Dezember 2023.
Ein Hauptpreis ist für Schulen oder junge Menschen reserviert
Von den drei Hauptpreisen ist mindestens einer für Schulen oder junge Menschen bis 27 Jahren vorgesehen. Der Einsendeschluss ist der 29. Februar 2024, eine Jury soll möglichst in zwei Wochen die Entscheidung treffen und die Gewinner informieren - denn bis zum 31. August 2024 sollen die Projekte umgesetzt sein.
Dabei muss es sich um neue Projekte handeln, verdeutlicht Beiratsmitglied Martin Gärtner, der als Nachhaltigkeitsbeauftragter der Stadt Weißwasser dem Beirat angehört. Parteien sind an der Teilnahme ebenso ausgeschlossen wie Projekt-Einreicher, die sich nicht auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung bewegen, verweist Gärtner auf die Fördermittelrichtlinien. Der Kommunale Entwicklungsbeirat wird gefördert vom Bundesministerium für Umwelt und Naturschutz. Der Wettbewerb ist ein von vorneherein verbindlicher Teil der KEB-Förderung gewesen.
Es ist eine Förderung, kein Preisgeld – warum ist das wichtig?
Da es sich nicht um ein Preisgeld, sondern um eine Förderung handelt, muss noch ein weiterer Fakt beachtet werden – die Ausgaben müssen nach Ende des Projekts abgerechnet werden. Um zu verhindern, dass eine Vorfinanzierung Projekte schon von vornherein zum Scheitern verurteilt, könnte es einen Kniff geben – Stadtverwaltung oder ein Kooperationspartner können Material oder Mittel für die Gewinner zur Verfügung stellen oder in Vorleistung gehen, und zum Schluss abrechnen.
Vor allem aber, so Bartel, soll es zeigen, „dass man sich einbringen und gestalten kann“. Man habe Spielraum, den man nutzen und auf die Straße bringen kann – was sowohl die Einbindung angeht, als auch das Wettbewerbsziel. Denn das darf nicht in einem Hinterhof oder Gebäude verschwinden, sondern muss öffentlich zugänglich sein, verdeutlicht Gärtner den Anspruch.
Das soll im Prinzip auch mit den Vorschlägen gelingen, die noch vom Entwicklungsbeirat erwartet werden, so Oberbürgermeister Torsten Pötzsch mit Verweis auf die noch ausstehende vierte Sitzung. Zwar habe auch schon das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (Insek) den Nachhaltigkeitsaspekt aufgegriffen, die Hinweis aus dem Beirat könnten aber auch ergänzend dazu von Martin Gärtner als Nachhaltigkeitsbeauftragten aufgegriffen werden, damit die eine oder andere Idee auch umgesetzt werden, so Pötzsch, der aber auch auf den Stadtrat verweist. Denn der bleibt politischer Entscheidungsträger – so wie es vorgesehen ist. Der Beirat berät. Vielleicht auch in anderen Fragen.
Mehr Informationen zum Wettbewerb auf weisswassermachen.de/Wettbewerb.
Was steckt hinter dem Kommunalen Entwicklungsbeirat?
Der Kommunale Entwicklungsbeirat (KEB) ist ein Modellprojekt, das vom Bundesministerium für Umwelt und Naturschutz gefördert wird und bislang an zehn Orten in Deutschland stattfand oder stattfindet - unter anderem in Weißwasser, Hoyerswerda, Niesky, Cottbus und Frankfurt (Oder). Die KEB setzen sich dabei eigene Schwerpunkte. Sie sollen eine beratende Funktion für Verwaltung und den Stadtrat haben, der weiterhin entscheidet. Die KEB sind in der Regel auf Zeit angelegt - können aber auch fortgesetzt werden, sich neuen Themen widmen und dann die Zusammensetzung verändern. Ziel ist, ein möglichst breites Spektrum der Stadtgesellschaft im Beirat vertreten zu haben, der sich seinerseits klare Regeln zu einem respektvollen Miteinander gegeben hat. Die vier Treffen finden freitags und samstags statt, eine Arbeitsgruppe hat darüber hinaus den Wettbewerb vorbereitet. Mit der vierten und vorerst letzten Sitzung wird sich der Beirat im Januar über Details bei den Empfehlungen für den Stadtrat verständigen.


