Die Stadt Weißwasser hat in den vergangenen Jahrzehnten ihr Gesicht mehrfach verändert. Das hat nicht nur politische, sondern vor allem auch wirtschaftliche Gründe. Begeistert von Fotomotiven aus längst vergangenen Zeiten ist Marcus Henschel, der einerseits schon mehrfach Ausstellungen von historischen Ansichten der Stadt auf die Beine gestellt hat, andererseits aber auch Jahreskalender entwirft, die reißenden Absatz finden. „Aufgrund der großen und sehr guten Resonanz habe ich mich entschieden, einen Kalender herauszugeben“, erzählt er der Rundschau. Diesen gestaltet er selbst, mithilfe von begeisterten Weißwasseranern.
„Ich bin einfach begeistert von unserer Stadt, welche im Laufe der Zeit so oft ihr Gesicht verändert hat“, sagt Marcus Henschel. Seine Bilder reichen zurück bis in die Zeit, in der die Bahnlinie Weißwasser mit dem Rest der Welt verbunden hat, erste Postkarten entstanden sind „und die Bewohner die Stadt mit tollen, ausdrucksstarken Gebäuden, Villen und Alleen gestalteten“. Nach dem Krieg und dem Wiederaufbau der Stadt kamen Funktions- und Industriebauten hinzu. „Zu den Jahren des Aufbaus in eben dieser Zeit veranstalte ich auf dem Weihnachtsmarkt eine kleine Ausstellung, in der man noch einmal eine kleine Zeitreise unternehmen und sich erinnern kann“, sagt er.
Das Haus von Julius Noack in der Straße des Friedens in Weißwasser wurde von Walter Thormann errichtet.

Bildergalerie Das Haus von Julius Noack in der Straße des Friedens in Weißwasser wurde von Walter Thormann errichtet.

Marcus Henschel hat zwar 2004 Weißwasser verlassen – aus beruflichen Gründen. Damit ist er einer von tausenden, die in den vergangenen Jahrzehnten der Stadt den Rücken kehrten, auch wenn er sagt: „Weißwasser ist und bleibt Heimat und lässt niemanden los, der hier eine Zeit verbracht hat.“ Aus der Ferne betreibt er im Sozialen Netzwerk Facebook die Gruppe „Alte Zeiten / Neue Seiten – Weißwasser und Umgebung“. Hier diskutiert und erinnert er sich mit inzwischen 2500 Mitgliedern über Fotomotive aus Weißwasser, zeigt neue Fotos, die Einwohner aus Zeitungen, Broschüren und Fotoschätzen ihm zur Verfügung stellen.
Inzwischen hat Marcus Henschel auch drei Bildbände herausgegeben, die im Glasmuseum zu haben sind – und auf dem Weihnachtsmarkt in Weißwasser, der am 1. Dezember seine Türen öffnet.