Weißwasser probiert etwas Neues aus. Ein neues Veranstaltungsformat – wie das wohl werden wird? Muss man die Leute hintragen?
Die Rede ist nicht von der Weihnachts-Feuerwehr, die ja schon einen Namen hat. Die Rede ist von der Wunsch-Haltestelle, die es beim ersten Feuerwehrtross gegeben hat.
Im Nachgang können Jürgen Herzog von der AG Feuerwehrhistorik Landkreis Görlitz/Nord und Jörg Lübben, Vorsitzender des Fördervereins der Freiwilligen Feuerwehr Weißwasser, quasi vier Daumen nach oben recken und sich über eine erfolgreiche Premiere freuen. „Die war so gut, dass alle jetzt sagen: Aber ihr macht das doch im nächsten Jahr bestimmt wieder“, so Jörg Lübben. Soll heißen, das ist gebongt und selbstverständlich.

Viel Arbeit für die Wunsch-Haltestelle in Weißwasser notwendig

Doch selbstverständlich ist das aber mal gar nicht. Denn, die Arbeit, die dort drin steckt, sehen die wenigstens. Das hat bei der Suche nach einem Fördertopf angefangen, den Jörg Lübben erschließen konnte, bis hin Hilfe beim Formulieren der Wünsche, dem Aufblasen hunderter Ballons bis hin zur Absicherung des Toilettenthemas. Deshalb wolle man Danke sagen, findet Jörg Lübben. Ein Bienchen können sich die Mitglieder der Jugendfeuerwehr Weißwasser, vom DRK-Einsatzzug plus Jugend-Rot-Kreuz-Team, aktive Feuerwehrleute aus Weißwasser, das Spielmobil, das Soziale Netzwerk, das Team der Quetsche samt Getränkefeuerwehr aus Döbern anstecken. Bis hin zum Turmcafé und der Gaststätte „Steakhouse 22“, die den Gang aufs WC zuließen.
Diesmal hat die Weihnachts-Feuerwehr vor dem deutsch-sorbischen Schulkomplex in Schleife Aufstellung genommen, um noch einmal für Fotos zu strahlen.
Diesmal hat die Weihnachts-Feuerwehr vor dem deutsch-sorbischen Schulkomplex in Schleife Aufstellung genommen, um noch einmal für Fotos zu strahlen.
© Foto: Jörg Lübben
Am Ende konnten auf dem Bahnhofsvorplatz hunderte Wünsche in die Luft geschickt werden. Und die Ballons sind teilweise weit geflogen. Die weitesten haben 600 Kilometer zurückgelegt und landeten quasi vor den Füßen eines Feuerwehrmannes aus Niederösterreich. „Mit der örtlichen Feuerwehr wollen wir im neuen Jahr in Kontakt treten.“

Was der Weihnachts-Feuerwehr gelungen ist

Rund 260 Kilometer von Weißwasser entfernt, landete ein Luftballon in einem Betonwerk in Tschechien. Die Finder waren so nett und schickten ein Paket nach Weißwasser. Jörg Lübben übernahm gern die Aufgabe, das an den sechsjährigen Sandro zu übergeben. „Da wir mittlerweile wussten, dass er eine Zwillingsschwester hat, gab es zusätzlich noch Süßigkeiten von uns.“ Diese haben die Kinder nicht allein verputzt, sondern in ihre Kindergartengruppe nach Weißwasser mitgenommen.
„Was wir mit der Aktion erreicht haben, war, Gemeinschaft und Zusammengehörigkeit wieder einen Platz zu geben, und ich denke, das ist uns gelungen“, unterstreicht Jörg Lübben.
Was der Weihnachts-Feuerwehr zudem gelungen ist, sie haben für besondere Momente in vielen Orten rund um Weißwasser gesorgt. „Ich habe nur leuchtende Augen am Straßenrand gesehen. Egal, ob der Zuschauer ein Kind oder ob es seine Großeltern waren. Da war die Dankbarkeit fast greifbar“, so Jörg Lübben nach der letzten Tour.
Übrigens scheint der Weihnachtsmann sogar positiven Einfluss auf Autofahrer zu haben. Schließlich war die Kolonne über die B 156 nach Boxberg oder über die Spreestraße nach Schleife nicht schneller als 50 km/h unterwegs. Doch keiner habe irgendwelche rücksichtslosen Überholmanöver gestartet, sondern sei schön dem leuchtenden Tross gefolgt.

Besondere Überraschung in Boxberg gelungen

Dem wurden übrigens besondere Empfänge zuteil. Den schönsten gestalteten die Boxberger Kameraden aus allen Ortsteilen. „Da hatten einige von uns Pipi in den Augen“, gibt Jürgen Herzog zu. Wenn die Feuerwehren mit Blaulicht für die Weihnachts-Feuerwehr Spalier stehen, dann sagt das mehr als tausend Worte.
Auch in anderen Dörfern habe man das 25-köpfige Team samt neun Fahrzeugen und bis zu fünf Motorrädern besonders empfangen. Da musste in Halbendorf oder Rohne ein kleiner Stopp sein, bin hin zum abschließenden Eisbeinessen in Schleife.
Überhaupt Motorradfahrer: Dass die bei den winterlichen Verkehrsverhältnissen durchgehalten haben, findet auch Jürgen Herzog toll. Schon jetzt ist klar, auch 2023 soll die Weihnachts-Feuerwehr wieder auf Tour gehen: auf vier und auf zwei Rädern.
Doch nicht deshalb bleiben die Lichterketten an den Oldtimern. Es laufen nämlich schon die Vorbereitungen für das nächste Event. „Noch in diesem Winter“, mehr will Jürgen Herzog noch nicht verraten. Er hat ja auch recht, Vorfreude ist bekanntlich in diesen Tagen die schönste Freude.