Von Christian Köhler

Welches Unternehmen in Sachsen hat den meisten Frust der Kunden und Verbraucher auf sich gezogen? Das will in diesen Tagen die Verbraucherzentrale Sachsen herausfinden. „Wichtig ist uns dabei, mit den Menschen vor Ort in das Gespräch zu kommen“, sagt Judith Sybilla von der Verbraucherzentrale in Weißwasser.

Wegen Krankheit musste ein erster Termin in Weißwasser ausfallen, nun soll dieser Ende August wiederholt werden, erklärt Judith Sybilla von der Weißwasseraner Verbraucherzentrale. Dabei sind Verbraucherschützer in der Stadt unterwegs und suchen den „Prellbock des Jahres“. „Es geht um falsche Versprechen, um zu hohe Rechnungen oder schlechte Beratung“, sagt die Verbraucherschützerin. Auch Kündigungen von Sparverträgen, wie etwa das Prämiensparen der Erzgebirgs-Sparkasse, „was viele maßlos erzürnt hat“, fallen in diese Kategorie. Die Verbraucherzentrale hat dazu im November des vergangenen Jahres etwa eine Musterfeststellungsklage in Leipzig angestrengt. Das Geldinstitut hatte ohne Ersatz die Sparverträge gekündigt – „und wir lassen prüfen, ob die Zinsen bis dato überhaupt richtig berechnet wurden“, sagt Judith Sybilla.

Und in Weißwasser? Bislang sind Weißwasseraner Unternehmen bei der „Prellbock-Tour“ noch nicht genannt worden. „Bei uns melden sich Verbraucher in erster Linie wegen Gewährleistungsfragen“, erklärt Judith Sybilla. Etwa wurde ein Produkt gekauft, was fehlerhaft ist oder gar nicht funktioniert, will es der entsprechende Händler häufig nicht ersetzt. Dabei sei er dazu verpflichtet.

„In den vergangenen Wochen sind im Raum Weißwasser aber auch am Telefon abgeschlossene Verträge wieder aktuell“, berichtet die Expertin. Was einst als Drückerkolonnen bezeichnet wurde, wobei Betrüger von Haustür zu Haustür zogen, ist inzwischen an das Telefon gewandert. „Den ahnungslosen Verbrauchern werden dabei im Kleingedruckten Abo-Verträge von allem Möglichen aufgeschwatzt“, weiß Judith Sybilla. Dabei geht es um Zeitschriften-Abos, Energie- und Telefonverträge.

Immer wieder würden die Anrufer dabei probieren, ein „Ja“ des Angerufenen zu hören. Dabei werden Fragen gestellt, wie etwa: „Hören Sie mich?“ Dabei sei dies nur ein Vorwand, ein „Ja“ zu hören. Das „Ja“ wird dann aufgezeichnet und in einen anderen Zusammenhang gestellt. So wird davor die Frage geschnitten, ob man einverstanden ist, einen Vertrag abzuschließen. Das aber erfährt der Angerufene erst per Post – und in der Regel kommt die erst zwei Wochen nach dem Telefonat. Dann nämlich ist die Widerrufsfrist abgelaufen. Plötzlich ist der Angerufene in einem Dilemma.

Inhaltlich gehe es bei den Anrufen beispielsweise auch um Lotteriegesellschaften, etwa Faber, NKL oder SKL. Unter dem Vorwand, lediglich „einmal“ mitzumachen, werden Verträge über ein Jahr abgeschlossen. Das gilt auch für dubiose Zeitschriften, die vermehrt den Gesundheitsaspekt in der Vordergrund stellen. „Man spielt mit der Hoffnung von den Menschen, möglicherweise ohne einen Arztbesuch seinen Gesundheitszustand zu verbessern. Das funktioniert natürlich nicht, sondern füllt vielmehr die Kasse von den Abo-Vermittlern“, erklärt Judith Sybilla.

Zeitschriften wie „Patientenschutzbrief“ oder „Gesundheitscoach“ kommen dabei für schlappe 30 Euro pro Woche per Post ins Haus. Dort werden dann Naturheilmittel etwa gegen Altersschwindel vorgestellt, deren Wirkung nebulös bleibt. Vertrieben werden die von der Pressevertriebszentrale GmbH (PVZ) in Stockelsdorf. „Das Unternehmen arbeitet seriös, allerdings nutzen unabhängige Vermittler vermehrt Betrug, um einen Abo-Vertrag auf den Weg zu bringen“, erklärt Judith Sybilla.

Auf ihrem Schreibtisch türmen sich inzwischen die Rechtsbesorgungen, die die Verbraucherzentrale für geprellte Kunden erledigt. Dabei übernimmt die Verbraucherzentrale den Schriftverkehr und in der Regel, so Judith Sybilla, lenke das Unternehmen ein und verzichte auf den Vertrag. Wer solche Erlebnisse hat, kann sie am 29. August in Weißwasser loswerden.