Tötungsdelikt in Weißwasser
: Polizei nimmt Ermittlungen zu Fall von 2011 wieder auf

Weil er seine Frau erschlagen haben soll, ist Hans-Joachim B. 2012 zu einer Freiheitsstrafe verurteilt worden. Die Polizei hat  die Ermittlungen wieder aufgenommen. Der Sohn ist jetzt im Fokus der Ermittler.
Von
Christian Schenk
Weißwasser
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ILLUSTRATION - 28.09.2021, Nordrhein-Westfalen, Gütersloh: Ein Polizist steht vor einem Streifenwagen. Ermittler der Kriminalpolizei in Köln haben bei der Wohnungsdurchsuchung eines unter Verdacht geratenen Altenpflegers mutmaßliches wertvolles Diebesgut entdeckt. (zu dpa: «Senioren im Heim bestohlen - Diebesgut bei Pfleger entdeckt») Foto: David Inderlied/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen in Weißwasser zu einem Fall aus dem Jahr 2011 wieder aufgenommen. (Symbolbild)

dpa
  • Polizei rollt Tötungsfall von 2011 in Weißwasser neu auf – Öffentlichkeit soll Hinweise geben.
  • Hans-Joachim B. meldete sich am 29. Mai 2011 selbst; seine Frau starb nach Hammerschlägen.
  • 2012 erhielt er fünf Jahre Haft, schwieg zum Tatablauf und berief sich auf Erinnerungslücke.
  • Neue Spur: Ermittlungen 2025 zu Tony B. deuten auf möglichen Schutz durch den Vater hin.
  • Gesucht werden Hinweise zu Tonys Nachtverlauf, Beobachtungen am Haus und Aussagen aus der Haft.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Im Landkreis Görlitz bittet die Kriminalpolizei im Zusammenhang mit einem 15 Jahre alten Tötungsdelikt in Weißwasser um Mithilfe der Bevölkerung. Wie die Polizei informierte, geht es um den Tod von Bärbel B. und die Frage, wer die tödlichen Attacken in der Nacht vom 28. auf den 29. Mai 2011 tatsächlich ausgeführt hat.

Am Sonntag, 29. Mai 2011, meldete sich der damals 58-jährige Hans-Joachim B. in den frühen Morgenstunden bei der Polizei. Er teilte mit, er habe seine Frau erschlagen und man könne ihn an der Rosa-Luxemburg-Straße 19 in Weißwasser abholen. Die eingesetzten Polizeikräfte fanden die Frau dort mit schwersten Kopfverletzungen, die offenbar mit einem Zimmermannshammer verursacht worden waren. Das Opfer wurde in eine Klinik gebracht, starb dort jedoch einige Tage später trotz intensivmedizinischer Behandlung.

In der Folge wurde gegen Hans-Joachim B. wegen Totschlags ermittelt. Das Landgericht Görlitz verurteilte ihn am Donnerstag, 26. April 2012, zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren.

Bis heute sind die konkreten Tatabläufe laut Polizei unklar. Der Verurteilte habe für den Zeitraum der Tötungshandlung einen Erinnerungsverlust geltend gemacht. Weder während der kriminalpolizeilichen Ermittlungen noch in der Gerichtsverhandlung äußerte er sich demnach zum eigentlichen Tatgeschehen. Nach Polizeiangaben war nur wenige Tage nach dem Angriff ein Umzug von Hans-Joachim B. und Bärbel B. in die alten Bundesländer geplant.

Ermittlungen und Anfangsverdacht 2025

Neue Bewegung kam in den Fall durch Ermittlungen zu einem anderen Tötungsdelikt aus dem Jahr 2025 gegen Tony B. Dabei wurden Informationen bekannt, die nach Angaben der Polizei darauf hindeuten, dass Hans-Joachim B. die Tat von 2011 möglicherweise zum Schutz seines Sohnes auf sich genommen haben könnte. Wie Tony B. in seiner Gerichtsverhandlung im März 2026 selbst mitteilte, wurde bei bestehendem Anfangsverdacht ein Ermittlungsverfahren gegen ihn eingeleitet.

Derzeit wird geprüft, ob neue Erkenntnisse zum Geschehen aus dem Jahr 2011 gewonnen werden können. Im Mittelpunkt steht dabei insbesondere die Frage, wer die tödlichen Angriffe gegen Bärbel B. ausführte.

Zur Tatnacht vom 28. auf den 29. Mai 2011 konnte den Angaben zufolge ermittelt werden, dass Hans-Joachim B. mit seiner Frau Bärbel zu Hause war. Tony B. war demnach mit zwei Freunden in Weißwasser unterwegs, weil einer von ihnen Geburtstag feierte. Nach bisherigen Erkenntnissen hielten sich die Personen unter anderem in den Gaststätten „La Dolce Vita“ und „Quetsche“ auf. Weitere Details dazu seien derzeit nicht bekannt.

Hans-Joachim B. inzwischen verstorben

Die Ermittlungen werden laut Polizei zusätzlich erschwert, weil der damals Verurteilte Hans-Joachim B. inzwischen verstorben ist. Auch seine spätere Lebensgefährtin Heidemarie T., mit der er nach Verbüßung der Freiheitsstrafe liiert war, lebt nicht mehr. Unmittelbare Erkenntnisse aus dem näheren Umfeld seien deshalb nur noch eingeschränkt zu gewinnen.

Die Kriminalpolizei sucht nun gezielt nach Hinweisen zum Aufenthalt von Tony B. in der Nacht vom 28. zum 29. Mai 2011, zu möglichen Beobachtungen im oder am Wohnhaus an der Rosa-Luxemburg-Straße 19 in Weißwasser sowie zu Gesprächen über die Umstände des Todes von Bärbel B. Außerdem geht es um mögliche Mitteilungen von Hans-Joachim B. während seiner Haftzeit ab Mai 2011 in der JVA Görlitz und später bis Ende September 2014 in der JVA Waldheim. Auch Personen aus dem Umfeld von Heidemarie T., gegenüber denen sie sich zu der Tat geäußert haben könnte, sind für die Ermittler von Interesse.

Hinweise können Sie an die Polizeidirektion in Görlitz (Mordkommission) 03581 468-5000 oder jede andere Polizeidienststelle richten.