Tag der Deutschen Einheit
: In Weißwasser singen Chöre aus Ost und West gemeinsam

Nach drei Jahren Pause ist Weißwasser wieder Teil des größten Chores Deutschlands. Doch es geht um mehr als nur ums gemeinsame Singen.
Von
Willy Klein
Weißwasser
Jetzt in der App anhören
Der Stadtchor Weißwasser tritt regelmäßig auf. Doch die Veranstaltung am 3. Oktober 2024 ist für die Sängerinnen und Sänger trotzdem etwas ganz besonderes.

Der Stadtchor Weißwasser tritt regelmäßig auf. Doch die Veranstaltung am 3. Oktober 2024 ist für die Sängerinnen und Sänger trotzdem etwas ganz Besonderes.

Joachim Rehle

Man stelle sich vor, Geflügel, Schinken, Kohl, Rote Bete, Kichererbsen, Pfefferschoten, Speck, Sellerie, Rindfleisch, Huhn und Endivien werden in einen großen Topf geworfen. Abgerundet wird das Gericht durch einen ganzen Schweinskopf, der nun auch noch sein Aroma entfalten kann. Wem läuft da nicht das Wasser im Munde zusammen? Der Name dieses Jahrhunderte alten Eintopfes bedeutet aus dem spanischen übersetzt eigentlich „mächtiger Topf“. Durch Fehler in Übersetzung und Überlieferung wurde daraus das französische Wort „pot pourri“, was so viel heißt wie verfaulter Topf. Doch was haben schlecht gewordene Eintöpfe mit einer Musikveranstaltung in Weißwasser zu tun?

Wie in der Küche werden auch in der Musik gerne verschiedene Elemente miteinander kombiniert. Potpourri erschien seiner Zeit ein passender Begriff für ein Musikstück zu sein, bei dem Ausschnitte aus verschiedenen Lieder ohne Pause aneinandergereiht werden – ähnlich einem Medley. Mit einem solchen Potpourri startet auch die zweite in Weißwasser stattfindende Ausgabe von „Deutschland singt“ am 3. Oktober 2024 auf dem Sorauer Platz.

Das erwartet die Gäste am 3. Oktober bei „Deutschland singt“

„Wir werden hauptsächlich Volkslieder aus verschiedenen Gegenden Deutschlands singen“, gibt die Leiterin des Stadtchores Weißwasser, Cornelia Palzer, bekannt. Das Oberlausitzlied ist wie schon bei der ersten Teilnahme an „Deutschland singt“ im Jahr 2021 ein fester Bestandteil des Repertoires der Weißwasseraner. Neben der 1929 von Kurt Piehler verfassten Hymne werden aber auch Volkslieder aus anderen Gegenden Deutschlands gesungen. „Die Gastchöre haben uns Lieder geschickt“, berichtet Palzer.

Bekannte Schauspielgrößen wie Götz Schubert und Linn Reusse treten gemeinsam mit dem Weißwasseraner Stadtchor auf. Shakespeares Othello wird auf dem Gelände der Telux inszeniert.

Im August 2024 sind die Mitglieder des Stadtchors Weißwasser noch mit Schauspielgrößen wie Götz Schubert und Linn Reusse bei einer Inszenierung von Shakespeares Othello auf dem Gelände der Telux aufgetreten. Jetzt sind sie selbst die Organisatoren.

Willy Klein

Neben dem Stadtchor, der die Veranstaltung organisiert, sind ebenfalls der Kalinka-Chor aus Weißwasser, der Frauenchor Finsterwalde und der Männergesangsverein aus Bad Muskau mit eigenen Programmen dabei. Ganz besonders freut sich Cornelia Palzer, dass auch die Brühler Chorvereinigung den weiten Weg vom Rhein bis in die Lausitz antreten wird. „Der Kontakt kam über die Städtepartnerschaft zustande und begann schon in den neunziger Jahren“, erinnert sie sich. Zuletzt besuchten die Weißwasseraner ihre Freunde aus dem Rheinland 2022, als diese eine ähnliche Veranstaltung ausrichteten.

Auch die Zuschauer haben die Möglichkeit, alle Lieder mitzusingen. Dazu werden Texthefte ausgegeben. Die meisten Lieder werden auf Deutsch gesungen, aber Cornelia Palzer kennt die Programme der anderen Chöre nicht im Detail. „Zur Not reicht es auch zu Summen“, sagt sie.

So soll die Veranstaltung die Demokratie in Deutschland fördern

Eigentlich findet das deutschlandweite, gemeinsame Singen um 19 Uhr statt. Es soll an den Mauerfall und die friedliche Revolution in Ost- und Westdeutschland erinnern. In Weißwasser wird die um 15 Uhr beginnende Veranstaltung zu diesem Zeitpunkt aber bereits beendet sein. „Es muss auch in den Zeitplan aller passen“, gibt Cornelia Palzer zu bedenken. Einige der circa 100 Teilnehmer haben einen weiten Heimweg vor sich, auch wenn die Brühler Gäste in Weißwasser übernachten werden.

Trotz des zeitlichen Versatzes geht es auch in Weißwasser um mehr als nur um das gemeinsame Singen. „Der demokratische Gedanke steht im Vordergrund“, erklärt Cornelia Palzer. Der Leiterin des Stadtchores Weißwasser ist es wichtig zu betonen, dass eine Unterteilung in Ost- und Westdeutschland nicht mehr zeitgemäß sei und alle an einem Strang ziehen sollten. Das notwendige Engagement gehe für sie über das Musizieren heraus. „Jeder muss etwas dafür tun, dass unsere demokratische Gesellschaft funktioniert“, erklärt sie.

Singen sei aber durchaus wichtig dafür – als Mittel des Zusammenkommens und der Verständigung. Die Losung: „Wo man singt, da lass dich ruhig nieder, böse Menschen haben keine Lieder“ findet sie passend. „Na ja, eigentlich muss es heißen: Böse Menschen haben böse Lieder“, korrigiert Cornelia Palzer das Sprichwort.

„Deutschland singt und klingt“ – das steckt dahinter

Die Wiedervereinigung Deutschlands ist ein einzigartiges historisches Ereignis von sowohl nationaler als auch internationaler Bedeutung. Dennoch fehlt es in vielen Städten und Gemeinden an etablierten öffentlichen Feiertraditionen. Vor allem die junge Generation nimmt den 3. Oktober, den Nationalfeiertag, kaum noch in seiner vollen Bedeutung wahr.

Aus diesen Gründen hat sich die Initiative „3. Oktober – Deutschland singt und klingt“ samt gemeinnützigem Trägerverein gegründet. Dieser koordiniert und fördert Veranstaltungen im ganzen Land. Letztendlich sind aber die jeweiligen Akteure vor Ort für die Organisation ihrer Veranstaltungen verantwortlich.