Rezepte aus Pechern
: Radwanderküche - was das neue Kochbuch so besonders macht

Das erste Kochbuch mit Rezepten aus der Neiße-Region feiert in Pechern Premiere. Warum es geschrieben wurde und welche Rezepte enthalten sind.
Von
Regina Weiß
Pechern
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Barbara Pellart, Thea Fleischer, Burgunde Vogel und Elvira Mühl präsentieren voller Stolz ihr gemeinsames Kochbuch.

Barbara Pellart, Thea Fleischer, Burgunde Vogel und Elvira Mühl (v.l.n.r.) präsentieren voller Stolz ihr gemeinsames Kochbuch.

Regina Weiß

Burgunde Vogel ist angespannt wie der klassische Flitzebogen. Gleich muss sie im Festzelt von Pechern etwas sagen. „Die Rede an das Volk“, wie sie ihre kleine Ansprache humorvoll umschreibt, hat sie in einem Notizbuch niedergeschrieben. Jetzt bloß nicht am Mikrofon verhaspeln. Schließlich ist auf diesen besonderen Moment im Rahmen des Pecherner Dorf- und Heimatfestes lange hingearbeitet worden.

Im Rahmen der Feierlichkeiten gibt es eine besondere Premiere. Die „Radwanderküche“ ist erstmals zu haben. Das Buch ist ein kleines, aber sehr besonderes Kochbuch und stößt gleich auf sehr großes Interesse. Schon vor der offiziellen Rede wollen es die ersten kaufen. Nichts da, erst Ansprache, dann geht es los.

In das neue Kochbuch ist sehr viel Herzblut geflossen

Und das mit ein bisschen Anstehen. Die wenigsten kaufen nur ein Buch, meist sind es zwei oder drei. „Meine Geburtstagsgeschenke für die nächste Zeit habe ich sicher. Ein Buch geht sogar bis ins Saarland“, erzählt sie LR.de. So kann es aus Sicht von Burgunde Vogel, Thea Fleischer, Elvira Mühl und Barbara Pellart gern weitergehen. Denn neben unheimlich viel Herzblut haben die vier jede Menge Zeit investiert. Burgunde Vogel gibt unumwunden zu, das Ganze hat ein paar Nerven gekostet und für einige graue Haare mehr gesorgt.

Dabei war der Start eine ganz einfache Kiste. Die Landfrauen, die es in den Reihen des Heimatvereins Pechern gibt, treffen sich einmal im Vierteljahr, entsprechend dem Jahreslauf. Gut zwei Jahre funktioniert das sehr gut. Da geht nichts ohne essen und trinken. Und auch im Gespräch geht es ganz oft, ums Backen oder Kochen. Da liegt die Idee, Rezepte zu sammeln und sie in einem Kochbuch zu veröffentlichen, ja schon fast auf dem Tablett, um beim Küchenthema zu bleiben.

Auf die Landfrauen ist Verlass, berichtet Burgunde Vogel. Sie liefern sofort die Rezepte. Einzige Maßgabe, es soll „nüschts neumodisches sein“, wie man an der Neiße zu sagen pflegt oder zu Überkandideltes. Sondern eher Rezepte aus Omas Zeiten, die auch mit wenigen, dennoch guten Zutaten auskommen und in der Zubereitung einfach nachzukochen sind.

In einer Auflage von 500 Stück ist das Kochbuch der Landfrauen aus Pechern erschienen.

In einer Auflage von 500 Stück ist das Kochbuch der Landfrauen aus Pechern erschienen.

Regina Weiß

Das war sozusagen die einfachste Übung. 29 Rezepte wurden aus den eingereichten ausgesucht. Danach folgte ein Mantra: „Ja, wir schreiben ein Buch, wir schreiben ein Buch.“ Klingt ein bisschen wie Fracksausen vor der eigenen Courage. Durchaus, wo die vier Frauen vor allem das Wie herumgetrieben hat. Denn Erfahrungen im Buchschreiben hatte keine von ihnen.

Aus lauter Verzweiflung gibt es eine Weihnachtsfeier

„Wir haben voller Verzweiflung schon zu Viert eine Weihnachtsfeier gemacht.“ Als Burgunde Vogel diesen Satz vorliest, lacht das ganze Festzelt. Dabei war den vier Frauen nicht wirklich zum Lachen zumute. Erst recht als Burgunde Vogels Nachbar, sie wissen ließ, dass zu einem guten Kochbuch auch schöne Bilder gehören würden.

Sollte nun etwa jeder Kochgang, jedes Essen fotografiert werden? Nein, dem Team fiel etwas Besseres ein. Der Kontakt zur Künstlerin Marie-Anne Delesalle aus Podrosche wurde hergestellt. „Als ich ihre herrlichen Aquarelle gesehen habe, da wusste ich, das wird ein Buch“, erinnert sich Burgunde Vogel. Die Unterstützung des Heimatvereins und durch Sponsoren tat ihr Übriges.

Der Kontakt mit der Agentur porta.media GmbH aus Weißwasser wurde geknüpft und mit der Druckerei. Als am 30. Mai 2024 die Mail kam, das Buch liegt vor, war allen ein Stein vom Herzen gefallen. „Radwanderküche, regionale & traditionelle Rezepte von Klein Priebus bis Skerbersdorf“ heißt es ganz genau. 500 Stück beträgt die Erstauflage und das Exemplar ist für 15 Euro zu haben.

Bilder und Rezepte machen Appetit auf Kirsch- oder Gurkensuppe, Schlesisches Himmelreich oder Mohnklöße, Arme Ritter in mehreren Variationen oder Mexelkartoffeln mit Eierkuchen. Genauso wird erklärt, wie Sauerkraut eingelegt wird oder Saure Gurken gemacht werden. Da kann man nur allen Buchkäufern wünschen, viel Spaß beim Nachkochen oder -backen.

Die Rezepte sind gerade mithilfe der Bilder durch Marie Anne Delessalle sehr liebevoll gestaltet worden.

Die Rezepte sind gerade mithilfe der Bilder durch Marie Anne Delessalle sehr liebevoll gestaltet worden.

Regina Weiß

„Das Ganze hätte nicht funktioniert, wenn uns die Familien nicht den Rücken freigehalten hätten. Deshalb geht an sie auch ein Dankeschön“, spricht Burgunde Vogel für ihre Mitstreiterinnen. Die sind angesichts des Beifalls, der im Festzelt zu hören ist, stolz wie Bolle auf ihr gemeinsames Werk. Wenn sich dieses gut verkauft – es ist durchaus auch als Souvenir für die vielen Radtouristen gedacht – und ein Gewinn daraus entsteht, dann soll dieser auf das Spendenkonto der Gemeinde für das Projekt Oberschule Krauschwitz fließen.

Der Verkauf ist bei der Gemeinde Krauschwitz sowie bei den Anbietern am Radweg Neiße Treff, Kasemannel-Alm Werdeck und im Museum Sagar geplant.

Deutsch-polnische Zusammenarbeit

Im Rahmen vom Dorf- und Heimatfest Pechern haben Ewelina Rzepka, Bürgermeisterin von Przewoz (Priebus), und der Krauschwitzer Bürgermeister Tristan Mühl (Freie Wähler) die Vereinbarung für die deutsch-polnische Zusammenarbeit beider Dörfer an der Neiße nach 20 Jahren wieder erneuert. Es soll der Start in eine neue Phase der Zusammenarbeit sein. Laut Mühl geht es vor allem um Projekte im Kinder- und Jugendbereich, die zum einen mit Begegnungen, aber auch Investitionen zu tun haben. Konkrete Ideen müssen noch erarbeitet werden. Ein weiteres Feld ist die Zusammenarbeit der Feuerwehren auf beiden Seiten der Neiße.

Gute Nachbarschaft hat auch der Truppenübungsplatz Oberlausitz demonstriert. Er war mit einem nigelnagelneuen Löschtanker der Bundeswehr-Feuerwehr und einem Sanitätsfahrzeug beim Dorffest vor Ort.

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