Pilze bei Weißwasser: Auf welche Sorten Sammler achten sollten

Die Pilzausstellung des Biosphärenreservates Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft war beim Fischerfest in Rietschen dicht umlagert.
Regina Weiß- Pilzausstellung in Rietschen lockte viele Besucher mit Infos zu 453 Pilzarten des Biosphärenreservats.
- Grünling und Kahler Krempling gelten heute als ungenießbar – mögliche Spätfolgen wie Muskelschwund.
- Neue Pilzart „Falsche Rotkappe“ aus Amerika in Sachsen entdeckt – bedingt essbar, Langzeiterfahrung fehlt.
- Aktuell gute Bedingungen für Pilzsammler durch Regen – Rotkappen, Steinpilze und Maronen wachsen.
- Pilzberatung am 5. Oktober 2025 in Schleife beim Herbstmarkt mit Experte Uwe Bartholomäus.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Der Erlichthof Rietschen ist ein Magnet, erst recht, wenn bestes Ausflugswetter herrscht. Da ist es nicht verwunderlich, wenn beim Abfischen mehr Zweibeiner am Erlichtteich stehen, als Flossentiere im Netz zappeln. Doch an frischem Fisch mangelte es keinesfalls. So manches Karpfenfilet und anderer Frischfisch landet nach dem sehr guten Event auf dem Erlichthof später in Lausitzer Bratpfannen.
Dorthin wandern auch Maronen, Steinpilze, Pfifferlinge und Rotkappen. Doch die muss man selbst suchen und kann sie beim Fischerfest nicht einkaufen. Aber zumindest nützliche Informationen sind rund um die umgangssprachlich genannten „Früchte des Waldes“ gratis zu bekommen. Dafür sorgen Yannik Otto, Felix Höhne und Peter Ulbrich vom Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft. Dreimal im Jahr bereichern sie Märkte in der Region mit ihrem Pilz-Wissen.
Pilze besiedeln die Heide- und Teichlandschaft in der Oberlausitz
Um eine entsprechende Auswahl an Pilzen präsentieren zu können, waren vier Kollegen vier Stunden im Reservatsgelände unterwegs gewesen. Pilze besiedeln die gesamte Heide- und Teichlandschaft. Einige Arten kommen dort vor, wo sonst scheinbar nichts wächst. So besiedelt der Erbsenstreuling als einer der Ersten Kiesgruben und Tagebauflächen bald nach dem Abbau. In einem Infoblatt lässt das Biosphärenreservat Zahlen sprechen: So werden Mitteleuropa über 10.000 Großpilze gezählt, in Sachsen sind es 7.570. Im Biosphärenreservat selbst wachsen 453 bekannte Pilzarten.
Die Tische sind also gut gefüllt und so lassen sich Besucher nicht lange bitten, um sich selbst ein Bild zu machen und mit den Mitarbeitern ins Gespräch zu kommen. Und so mancher Zeitgenossen staunt nicht schlecht darüber, welche Pilze essbar sind und welche nicht. Oder besser gesagt nicht mehr.
Eins der größten Exemplare ist auch vom Laien als sogenannten Baumpilz zu erkennen. Leuchtend orange ist der Schwefel-Porling schon ein stattliches Exemplar. Und der soll jung essbar sein? Yannik Otto bejaht das. Wobei sich das jung wahrlich nicht auf die Größe des Porlings bezieht, sondern auf seine Konsistenz. Diese müsse beim Anfassen gummiartig sein. Doch bei allem muss man beachten, der Pilz wächst beispielsweise an Eichen und nimmt auch deren Gerbstoffe auf. Das könnte also durchaus bitter aufstoßen.
Darum soll man den Grünling nicht mehr essen
Auch die Ochsenzunge gehört zu den Porlingen und ist jung essbar. Bester Zweck sei oft Pilzpulver. Über solche und ähnliche Aussagen sind Besucher der Ausstellung erstaunt. Man nehme nur das mit, was man auch kenne, erklärt nicht nur einer. Wobei man sich von geschätzten Pilzen durchaus verabschieden muss. „Den haben wir immer gegessen. Jetzt soll das nicht mehr gelten?“, stellt ein etwas ältere Herr beim Blick auf die Sorte Kahler Krempling fest. Ähnlich verhält es sich mit dem Grünling. Sie landeten früher als schmackhafter Pilz in vielen Körben. Heute aber nicht mehr – warum? „Weil manche Auswirkungen sich erst Jahrzehnte später zeigen“, wirft Yannik Otto ein. So gehe es um allergische Reaktionen oder Muskelschwund. Pilzwissen wachse eben auch über die Jahre.

Wer so einen Steinpilz in den Lausitzer Wäldern rings um Weißwasser findet, freut sich. Er zählt schließlich zu den schmackhaften Speisepilzen.
Regina WeißDeshalb sei zum Beispiel das auch mit der sogenannten Falschen Rotkappe eine Geschichte, die durchaus mit Vorsicht zu genießen ist. Der Pilz, der eigentlich als Großsporiger Kiefernröhrling bezeichnet wird, ist eine neue Art in sächsischen Wäldern. Aus Amerika kommend, ist der neue Pilz zuerst in Brandenburg nachgewiesen worden. Mittlerweile findet man ihn auch rund um Weißwasser und dort teilweise wie gesät. Er kommt gut auf den sandigen Böden in den Kiefernwäldern klar.
Doch wie das mit neuen Arten so ist, fehlt die Langzeiterfahrung. Deshalb heißt es, er sei bedingt essbar. Es sei noch nicht geklärt, ob er beispielsweise ähnliche Unverträglichkeiten wie der Butterpilz hervorrufe. Dieser kann bei einigen Menschen zu Allergien führen.
Doch die Fragen der Fragen lautet: Wo wachsen die Pilze derzeit? Yannik Otto ist um einen Tipp nicht verlegen. „Im Wald“, sagt er mit einem Lachen. Wichtig sei der Regen der letzten Tage gewesen. Ohne den wachsen auch Rotkappe, Steinpilze, Marone und Co. nicht. Schaden, dass es nun schon wieder kalt wird.
Informationen zu Pilzen
Wer sich beim Thema Pilze unsicher ist, der sollte sich den 5. Oktober 2025 vormerken. Im Rahmen des Herbstmarktes in Schleife am Sorbischen Kulturzentrum ist Geoparkführer Uwe Bartholomäus aus Hähnichen zu Gast. Er ist langjähriger Pilzberater und Sachverständiger der Deutschen Gesellschaft für Mykologie.

