Orangenbaum pflegen
: Gärtnerin vom Muskauer Park gibt Tipps zur richtigen Pflege

Die Orangerie im Muskauer Park macht ihrem Namen alle Ehre. Was aus Sicht der Schlossgärtner bei der Pflege der Orangenbäume wichtig ist.
Von
Regina Weiß
Bad Muskau
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Schlossgärtnerin Wieslawa Kölzow schaut nach den Orangenbäumen in der Orangerie im Muskauer Park.

Regina Weiß

Es ist Matsch-Pampen-Wetter allererster Güte. Da wirkt auch der Muskauer Park alles andere als einladend. Wer dann die Orangerie gegenüber der Schlossgärtnerei betritt, der fühlt sich in eine andere Welt versetzt. So ein bisschen wie in Italien. Es fehlen nur Sonne und Wärme.

Doch es ist gerade gut, dass es die in diesen Räumlichkeiten gerade nicht gibt, wie sich im Gespräch mit der Fachfrau gleich herausstellen wird. Denn die Orangerie macht ihrem Namen ja alle Ehre. Dort stehen, wie an einer Perlenschnur aufgereiht, die Orangenbäume der Stiftung Fürst-Pückler-Park. Es ist seit Anfang der 2000er-Jahre, als die ersten Kübel aus Italien nach Bad Muskau kamen, wieder ihr Winterquartier.

Zahl der Kübelpflanzen ist im Muskauer Park gewachsen

Was mit 40 Kübelpflanzen einst angefangen hat, sich dann verdoppelte, ist im wahrsten Wortsinn weiter gewachsen. 128 Bäume nennt die Stiftung ihr Eigen und die Schlossgärtner achten darauf, dass die Gewächse gut übers Jahr kommen. Was hier gilt, gilt auch für jeden Zitrusbaumbesitzer zwischen Rietschen und Schleife.

Ihr Winterquartier beziehen die Kübel meist nach dem 10. Oktober. „Vor zwei Jahren haben wir sie aber erst im November reingeholt. Es hängt ganz vom Wetter ab“, sagt Wieslaw Kölzow, die Leiterin der Schlossgärtnerei. Wichtig ist, die Kübelpflanzen müssen vor kalten Nächten geschützt werden.

Retour geht es dann meistens in der ersten Maiwoche. Doch dann müssen die Pflanzen akklimatisiert werden. „Sie kommen an die Nordseite, also nicht gleich in die pralle Sonne.“

Parkbesucher kennen die Orangenbäume – es handelt sich in allen Fällen um Pomeranzen gleich Bitterorangen – von der Schlossrampe. Allein 72 Kübel stehen dort. Weitere befinden sich im Rosary im Schlossgarten am Südflügel des Neuen Schlosses. Hier, wie dort, sind sie ein beliebtes Fotomotiv, vor allem wenn die orangefarbenen Früchte leuchten. Sie vor blauem Himmel und ein bisschen Schloss dahinter – man könnte einen Urlaub in der Toskana vortäuschen...

Erntezeit in der Orangerie im Muskauer Park

Aber auch jetzt im Februar ist bereits Erntezeit in der Orangerie. Während es zwischen den grünen Blättern orange leuchtet, sieht man an anderen Bäumen nichts. Andersherum geht auch alles auf einmal: Soll heißen – Blüte, grüne Minifrüchtchen und erntereife Pomeranzen kommen sich nicht in die Quere. Vor allem auf die Blüte freuen sich die Schlossgärtner. „Dann riecht es hier nach Vanille.“

Regelmäßig schauen die Mitarbeiter nach den Bäumen, die in einem gewissen Abstand zum Nachbarn stehen. Das hat seinen Grund. Denn trotz aller Fachkenntnis und Pflege machen die Schädlinge nicht immer einen Bogen. Und so soll verhindert werden, dass sich Spinnen, Milben oder gar Pilze von Pflanze zu Pflanze übertragen.

Wichtig ist deshalb, dass die Zitrusfrüchte über die Wintermonate kalt stehen. Fünf bis neun Grad Celsius wären die Idealtemperatur. Je heller es wird, desto wärmer sollte es für die Pflanzen werden. In der Orangerie lassen sich dann die Fenster öffnen, sodass ein bisschen Frühlingsluft einziehen kann – wenn es denn soweit ist.

Draußen ist Matsch-Pampen-Wetter - in der Orangerie fühlt man sich gleich ein bisschen nach Italien versetzt.

Regina Weiß

Doch wie sieht es nun aus mit dem Gießen oder dem Düngen? Beides erfolgt einmal die Woche. Dabei schauen die Gärtner auch mit ihren Händen nach, wie es um die Pflanzen bestellt ist. „So muss man gucken, ob die Erde nur oberflächlich trocken ist.“ Die Fingen helfen auch, wenn man zum Beispiel die Rote Spinne erkennen will. Wer sanft über das Blatt reibt, sieht dann die rote Farbe. Spätestens dann muss gehandelt werden. Ein mit rapshaltigem Öl versehenes Pflanzenschutzmittel wird dann aufgebracht. Bei der Schildlaus empfiehlt Wieslawa Kölzow eine Mischung aus Kaliseife mit einem Schuss Brennspiritus.

Selbst Pflanzen, die die Blätter schmeißen, sollte man nicht aufgeben. Manchmal hilft gutes Zureden und Zeit lassen, dann treibt sie neu aus. Auch solch ein Exemplar steht in der Orangerie. Erst der zweite Blick beziehungsweise der mit Brille zeigt, dass die Zitruspflanze noch nicht aufgegeben hat.

Gelbe Blätter hingegen sind ein Zeichen für Stickstoffmangel. Spätestens dann muss gedüngt werden. „Spätestens wenn die Erde zu ausgelaugt ist, muss umgetopft werden“, sagt Wieslawa Kölzow. Das steht auch für einige der Pomeranzen in der Stiftung an. Allerdings kommt der Böttcher aus Pirna mit der Arbeit an den Kübeln nicht hinterher.

Reife und unreife Früchte an einem Ast - das ist bei Zitrusbäumen nicht ungewöhnlich.

Regina Weiß

Doch nicht nur das Wurzelwerk haben die Gärtner im Blick, sondern auch die Krone der Bäume. Triebe, die nach oben wachsen, werden gekappt. Das passiert in den nächsten Wochen. Dabei sollte man nicht zu zögerlich sein. Danach hat der Zitrusbaum noch eine ganze Saison die Zeit, um kräftige neue Triebe zu bilden.

Doch wie schmecken die Pomeranzen, die eine Mischung aus Pampelmuse und Mandarine sind? Eher sauer als bitter und nach dem dritten Stück besser als nach dem ersten. Sie lassen sich gut zu Marmelade und Likör verarbeiten. „Doch dafür habe ich in diesem Jahr keine Zeit“, sagt die Schlossgärtnerin. Mit anderen Worten, wer selbst einen Fruchtaufstrich probieren möchte, kann sich wegen der Früchte vertrauensvoll an die Schlossgärtnerei im Muskauer Park wenden.

Orangentour und Orangerie

Das Schlösserland Sachsen bietet eine Entdeckungstour durch die Welt der goldenen Früchte an. Sie verweist damit auf sechs Parkanlagen, wo Orangenbäume eine wichtige Rolle spielen. Auf der Internetseite schloesserland-sachsen.de findet man unter der Überschrift „Sachsen im Orangenfieber“ die entsprechenden Hinweise und Besuchsvorschläge.

Im 17. und 18. Jahrhundert kamen an den europäischen Fürstenhöfen Sammlungen von südländischen Gewächsen, insbesondere von Orangenbäumen in Mode.

Die Orangerie in Muskau wurde im Auftrag von Fürst Pückler 1844 bis 1846auf den Grundmauern des alten Bauhauses nach einer Zeichnung von Gottfried Semper errichtet.

Viel später hat der Bau eine ganz unterschiedliche Nutzung erfahren. Es war Jugendherberge, der Sitz der Parkverwaltung und der Ort des Bad Muskauer Jugendklubs.

An der Rekonstruktion der Orangerie und dem dafür notwendigen Auszug der Jugendlichen entzünden sich heiße Debatten auch in der Öffentlichkeit.

Im Oktober 1994 kann die für 4,8 Millionen D-Mark sanierte Orangerie der Öffentlichkeit übergeben werden. Es wird Sitz der Verwaltung und vor allem Stätte für unvergessliche Veranstaltungen.