Mord in Görlitz
: Angeklagter nimmt sich vor Prozessbeginn mutmaßlich das Leben

In Görlitz sollte der Prozess gegen einen unter Mordverdacht stehenden Feuerwehrmann aus der Gemeinde Schleife starten. Doch der mutmaßliche Täter ist kurz vor Prozessbeginn verstorben.
Von
Willy Klein
Görlitz
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Am Landgericht in Görlitz wird das Verfahren gegen die drei Angeklagten eröffnet.

Das Landgericht in Görlitz.

Am Landgericht in Görlitz sollte der Prozess gegen einen unter Mordverdacht stehenden Feuerwehrmann aus Schleife starten. Doch dann passierte etwas Unerwartetes. (Archivfoto)

Christian Köhler

Das mediale Interesse ist groß am Morgen des  8. August 2024 im Landgericht Görlitz. Regionale und überregionale Zeitungen, Radio- und Fernsehsender warten mit Spannung auf die anstehende Verhandlung. Es geht um einen Mord, der im September 2023 in Görlitz stattgefunden hat.

Doch zu der Eröffnung des Verfahrens gegen einen 29-jährigen Tatverdächtigen aus der Gemeinde Schleife soll es erst gar nicht kommen.

Das ist zu dem Mord in Görlitz bisher bekannt

Am 16. September 2023 wurde die Leiche eines 79-jährigen Mannes in seiner Wohnung in Görlitz entdeckt. Gegen Ende desselben Monats geriet ein 29-jähriger Bekannter des Verstorbenen ins Visier der Ermittler. Am 9. November führte ein umfangreicher Polizeieinsatz zu Durchsuchungen an vier verschiedenen Orten in Sachsen und Brandenburg sowie zur Befragung von einer Reihe von Zeugen. Der Tatverdächtige wurde festgenommen.

Einen Tag später, am 10. November 2023, erließ der zuständige Richter dann einen Haftbefehl gegen den Verdächtigen. Wie Anfang August 2024 bekannt wurde, handelt es sich bei dem Angeklagten um einen mittlerweile 29-jährigen Berufsfeuerwehrmann, der aus der Gemeinde Schleife stammt.

Mordverdächtiger nahm sich wahrscheinlich das Leben

In der Nacht vom 7. auf den 8. August, zu einem noch nicht näher bekannten Zeitpunkt, ist der Angeklagte jedoch verstorben. Um 6.16 Uhr, bei Aufschluss seiner Einzelzelle, haben die zuständigen Justizvollzugsbeamten ihn mit massiven Verletzungen in seiner Einzelzelle aufgefunden. Es konnte nur noch der Tod des 29- jährigen Mannes festgestellt werden.

„Es gibt momentan keine Anzeichen für eine Fremdeinwirkung“, berichtet Polizeisprecher Kai Siebenäuger von der Polizeidirektion Görlitz bei einer eilig einberufenen Pressekonferenz im Landgericht. Bei einem am Vortag stattgefundenen Gespräch mit dem psychologischen Dienst konnten keine Auffälligkeiten festgestellt werden.

Polizeisprecher Kai Siebenäuger gibt am Landgericht Görlitz den Tod des unter Mordverdacht stehenden 29-Jährigen bekannt.

Polizeisprecher Kai Siebenäuger gibt am Landgericht Görlitz den Tod des unter Mordverdacht stehenden 29-Jährigen bekannt.

Willy Klein

Angeklagter wäre möglicherweise lebenslang ins Gefängnis gekommen

Sebastian Matthieu, Oberstaatsanwaltschaft in Görlitz, kann sich nicht daran erinnern, dass es so einen Fall in den letzten zehn bis 15 Jahren im Landkreis Görlitz schon einmal gegeben hat. Den Angeklagten hätte im Falle eines Schuldspruchs eine Freiheitsstrafe von bis zu 15 Jahren erwartet. „Der Tatvorwurf lautete Mord“, bestätigte der Oberstaatsanwalt.

Momentan werden die Umstände des vermeintlichen Suizides noch geklärt. Laut Matthieu werde geprüft, wann der Angeklagte zuletzt gesehen wurde und ob es vor der vermeintlichen Selbsttötung noch Kontakte gab. Über die Existenz eines Abschiedsbriefes gibt es noch keine Erkenntnisse.

Hilfe bei Depressionen und Suizidgedanken

Es gibt rund um die Uhr Hilfsangebote für Menschen, die sich in vermeintlich ausweglosen Situationen befinden. Hier finden Sie eine Übersicht der Rufnummern. Auch Online-Beratungsmöglichkeiten sind hier aufgeführt.

Wenn Sie sich selbst mit dem Gedanken der Selbsttötung tragen, können Sie zum Beispiel die Telefonnummer der Telefonseelsorge wählen. Der Anruf ist gebührenfrei.

Sie erreichen die Telefonseelsorge unter der Telefonnummer 0800/1110111 oder der Telefonnummer 0800/1110222.

Sie können sich auch per E-Mail an die Telefonseelsorge wenden. Dazu ist eine Registrierung auf der Website der Telefonseelsorge notwendig und Sie geben Ihre E-Mail-Adresse an. Die Telefonseelsorge weist darauf hin, dass Ihre Mailadresse in keinem Fall veröffentlicht wird und auch nicht von den Seelsorgern gesehen werden kann.

Zum E-Mail-Formular der Telefonseelsorge: online.telefonseelsorge.de/registrierung Mit einer solchen Registrierung per E-Mail ist auch eine Chatberatung bei der Telefonseelsorge möglich: online.telefonseelsorge.de

Eine Übersicht und Listen mit weiteren Beratungsangeboten führt die Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention auf ihrer Website: www.suizidprophylaxe.de

Für Kinder, Jugendliche oder deren Eltern gibt es besondere Hilfsangebote. Nummer gegen Kummer e.V. ist Mitglied im Deutschen Kinderschutzbund und hat zwei telefonische Beratungsangebote eingerichtet: das Kinder- und Jugendtelefon und das Elterntelefon. Die Hilfsangebote sind kostenlos, anonym und vertraulich.

Das Kinder- und Jugendtelefon ist unter der gebührenfreien Rufnummer 0800/1110333 montags bis samstags von 14 bis 20 Uhr zu erreichen. Das Elterntelefon ist unter der gebührenfreien Rufnummer 0800/1110550 von montags bis freitags, 9 bis 11 Uhr, sowie dienstags und donnerstags, 17 bis 19 Uhr, zu erreichen.