Obwohl es schon dunkel ist und auch recht frisch, hält es viele in Nochten nicht in ihren vier Wänden. Sie wollen dabei sein, wenn ihre umgebaute Kegelbahn in Betrieb geht.
Der Weg ist einfach zu finden, denn das Gebäude strahlt regelrecht. Und das liegt nicht nur an den weihnachtstypischen Lichterketten.
Wer die alte Bahn noch gekannt hat, reibt sich die Augen. „Es ist eine große Freude, dieses Schmuckstück einweihen zu können“, findet demzufolge Boxbergs Bürgermeister Hendryk Balko (WV Boxberg). Als Nochtener hat er zu dieser Einweihung mal einen kurzen Dienstweg gehabt. Er kann ober der Nähe sehr gut einschätzen, wie sehr die Nochtener selbst mit angepackt haben, damit aus Plänen Realität wird.

Baupreise haben in Nochten für Ernüchterung gesorgt

Denn das Projekt im Freizeitzentrum, quasi in der Dorfmitte, sorgte zwischendurch für absolute Ernüchterung. Die war den Baupreisen geschuldet. Damit war klar, nicht alle Vorstellungen, die sich die Nochtener um Ortsvorsteher Mario Weier ausgedacht haben, lassen sich trotz Förderung umsetzen. Es folgten Abstriche und es war klar, ohne Manpower aus dem Dorf geht es nicht. „Eine große Leistung, wie hier die Nochtener Vorschlaghammer, Schrauber und Bohrer angepackt haben“, so der Bürgermeister. „Auf dieses Gemeinschaftswerk ein Prost“, leitet Hendryk Balko den gemütlichen Teil ein. Mit einem Glas Sekt und/oder Bier wird auf die „neue“ Kegelbahn angestoßen.
Und die geht sofort in Betrieb. Hendryk Balko gebührt der erste Wurf. Alle Neune fallen noch nicht, aber bei der Haltungsnote gibt es eine zehn mit Sternchen...
150.000 Euro sind in den Umbau der altgedienten Anlage geflossen. Diese hat schon mehrere Jahrzehnte auf den Brettern. Wie alt sie genau ist, vermag bei den Keglern keiner zu sagen. „Ich habe 1980 mit dem Kegeln begonnen und da stand sie schon“, erzählt Uschi Ladusch. In den 1990er-Jahren wurde sie saniert.

Automatik zieht in Nochten ein

Doch sie war trotzdem in die Jahre gekommen, wie manche Kegler auch. Den Kegelfrauen wurde es über die Jahre zu beschwerlich, immer wieder die Kegel aufzustellen. Das passiert nun vollelektronisch. Und auch Kopfrechnen wird nicht mehr gebraucht. Die Ergebnisse werden automatisch addiert. Doch das kann die älteren Sportlerinnen nicht umstimmen, die Kugel wieder rollen zu lassen. Wobei sie den Sport sehr genossen haben und auch das Gläschen Bowle, was es danach immer gab. Danach, wohlgemerkt!
Ein schöner Rücken kann auch entzücken: Einige der Kegelladys von Nochten nehmen auf der neuen Bahn Aufstellung.
Ein schöner Rücken kann auch entzücken: Einige der Kegelladys von Nochten nehmen auf der neuen Bahn Aufstellung.
© Foto: Regina Weiß
An dieser Tradition halten auch die Kegelladys von heute fest. Diesen Namen haben sie sich gegeben, wie die T-Shirts zeigen. „Mittlerweile haben wir schon vier Mannschaften“, freut sich Mario Weier.
Für ihn gibt es Extra-Beifall. Den hat sich der Ortsvorsteher auch verdient, wie der Nochtener Siegwart Ladusch sagt. Schließlich habe Weier das Projekt angeschoben und sei auch drangeblieben.
Der Anteil aus der Kommunalpauschale, eine Leader-Förderung und eine Unterstützung der Leag machten den Umbau – der letztlich eine finanzielle Punktlandung wurde – möglich. Wobei auch nachhaltig gebaut worden ist. Die alten Dachplatten sowie Pflastersteine wurden wieder verwendet.
Von der Kegelbahn sollen nun nicht nur die Nochtener profitieren. „Wir wollen sie auch vermieten. Der Dorfclub ist dafür der erste Ansprechpartner“, so Mario Weier.
Apropos Dorfclub. Der nimmt sich nun des Dorfkrugs gleich neben der Kegelbahn an. Dort sollen die Toiletten umgebaut werden. Das würde nicht nur den Sportlern, sondern auch Feierlichkeiten bis hin zum Dorffest zugutekommen. „Die ersten 5000 Euro haben wir über den Mitmachfonds des Freistaates erhalten. Jetzt müssen wir uns über weitere Ideen Gedanken machen“, so Mario Weier. Also nichts, mit einer ruhigen Kugel schieben.
Für die Vermietung der Kegelbahn kann der Dorfclub unter der Adresse dorfclub-nochten@web.de angefragt werden.