Kromlau unter Strom
: Gemeinde wehrt sich gegen Umspannwerke und Schwertransporte

In Kromlau und Gablenz sorgt der Windpark Bahren West 2 für Konflikte. Es geht um Erdkabel, Umspannwerke und Schwerlastverkehr und die Folgen für die Orte. Am Ende muss die Gemeinde nachgeben – warum?
Von
Aline Nickel
Gablenz
Jetzt in der App anhören
Die zwei Umspannwerke auf dem Feld rechts des Jämlitzer Weges in Kromlau ist der Gemeinde und der Dorfgemeinschaft ein Dorn im Auge. Der massive Straßenverkehr durch die nichtoffizielle Umleitung während der Sperrung auf der B115 führte zu einer Sperrung des Weges, die nicht lange hielt.

Die zwei Umspannwerke auf dem Feld rechts des Jämlitzer Weges in Kromlau sind der Gemeinde und der Dorfgemeinschaft ein Dorn im Auge. Nun sollen auch noch Erdkabel verlegt werden zur Windparkanlage Bahren West 2. Die Gemeinde Gablenz war dagegen und musste nun doch klein beigeben.

Aline Nickel
  • Streit in Gablenz: Umspannwerke und Erdkabel für Windpark Bahren West 2 spalten Gemeinde.
  • Gemeinderäte lehnten Erdkabel ab, mussten nach Einigung vor Gericht aber zustimmen.
  • Sorge um Schwerlastverkehr auf dem Jämlitzer Weg, Straße gilt als nicht geeignet.
  • Bürgermeister kritisiert fehlende kommunale Rechte, Tourismus und Landschaftsbild im Fokus.
  • Verkehr in Kromlau beruhigte sich, seitdem ein Bauabschnitt an der B115 Ende August fertig ist.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Gemeinde Gablenz hat sich von Beginn an gegen den Bau der beiden Umspannwerke am Ortsausgang von Kromlau ausgesprochen. Verhindern konnte sie die Anlagen letztlich nicht, da sie auf einem privaten Grundstück errichtet wurden. Mit dem Bau des Windparks Bahren West 2 in der Gemeinde Neiße-Malxetal (Landkreis Spree-Neiße) und der geplanten Einspeisung des erzeugten Stroms in Kromlau rückte nun ein weiteres Problem in den Mittelpunkt: Es sollen Erdkabel verlegt werden zwischen Windpark und Umspannwerk, was ebenfalls einstimmig von den Gemeinderäten abgelehnt wurde.

Das Angebot des Unternehmens an die Gemeinde für diese Maßnahme seien sechs Euro pro Meter verlegten Kabels gewesen, was einem Tropfen auf den heißen Stein nahekommt, finden die Kommunalpolitiker.

Zudem sei der Jämlitzer Weg in Kromlau nicht für einen entsprechenden Schwerlastverkehr  ausgelegt. Neue Risse im Asphalt seien schon durch die Belastung von 40-Tonnern während der Nutzung der Straße als Umleitung durch die Baustelle an der B115 registriert worden. Aufgrund dessen war außerdem der Plan der Gemeinde, dauerhaft den Verkehr auf Fahrzeuge mit maximal 7,5 Tonnen zu beschränken.

Zivilprozess in Görlitz gegen Gemeinde Gablenz

Den Antrag genehmigte die Stadt Bad Muskau auch zuerst, um dann auf Drängen des Windpark-Unternehmens die Genehmigung zurückzuziehen – denn natürlich stellte das Schild ein erhebliches Hindernis für die Baumaßnahme dar, wurde argumentiert.

Der Widerspruch der Gemeinde gegen den Vertrag der Jerischke II GmbH als Bauherr mündete schließlich in einem Zivilprozess vor dem Landgericht Görlitz.

Besuch Christoph Ploß (CDU) in Kromlau. Mit Gablenzer Gemeindevertretern, Studenten der Uni Zittau, Landrat Stephan Meyer (CDU) und Bundestagsabgeordneten Florian Oest (CDU) vor der Rakotzbrücke. Thema: Nationale Toursimusstrategie

Besuch in Kromlau vom Koordinator der Bundesregierung für maritime Wirtschaft und Tourismus Christoph Ploß (CDU). Unter anderem mit Vertretern der Gemeinde Gablenz, Bundestagsabgeordneter Florian Oest (CDU), Landrat Stephan Meyer (CDU) und Studenten der Universität Zittau vor der Rakotzbrücke.

Aline Nickel

Das Landgericht Görlitz teilte auf Nachfrage mit, dass die Beteiligten sich „außergerichtlich einigten und das Verfahren für erledigt erklärten“. Zu den Details des Verfahrens wolle man sich nicht äußern, heißt es vom Mutterkonzern der Jerischke II, Perigus Energy aus Regensburg. Es heißt, hier stehe vielmehr im Vordergrund, „die Umsetzung der Energiewende gemeinsam mit allen Beteiligten konstruktiv voranzubringen“.

Parkgemeinde Kromlau will Touristen nicht vergraulen

Die Gemeinde bewertet den Ausgang allerdings anders. Nach Darstellung von Bürgermeister Dietmar Noack (CDU) habe sie letztlich kaum eine andere Möglichkeit gehabt, als der Vereinbarung zuzustimmen.

Unterzeichnet wurde schließlich eine angepasste Vereinbarung vom stellvertretenden Bürgermeister Johannes Rackel (CDU). Für Bürgermeister Noack ist das Ausdruck eines grundsätzlichen Problems: „Die Gemeinde hat gar keine Rechte mehr“, sagt er resignierend über diese Entwicklung. Entscheidungen würden seiner Darstellung nach zunehmend von Behörden getroffen und die Folgen vor Ort müsse die Gemeinde selbst bewältigen.

„Die Gemeinde hat gar keine Rechte mehr.“
Dietmar Noack
Bürgermeister Gemeinde Gablenz

Dabei lebt die Gemeinde durch den Kromlauer Park in erster Linie vom Tourismus. Dass Anlagen, wie das Umspannwerk am Jämlitzer Weg das Landschaftsbild schädigen, war der Hauptgrund für die Ablehnung des Baus. So sehen es auch die Kromlauer. Zumal am Ortsausgang Gablenz in Richtung Krauschwitz bereits ein großes Umspannwerk betrieben wird.

Erst kürzlich besuchte der Koordinator der Bundesregierung für maritime Wirtschaft und Tourismus Christoph Ploß (CDU) die Parkgemeinde im Zuge einer Tour durch sächsische Tourismusstandorte. Er wolle sich einen Eindruck verschaffen von Städten und dem ländlichen Raum, um weitere Impulse für die Umsetzung der vor rund einem halben Jahr beschlossenen Nationalen Tourismusstrategie erhalten zu können. Dabei durfte das obligatorische Foto vor der berühmten Rakotzbrücke natürlich nicht fehlen.

Der Windpark Bahren West II bei Jerischke mit elf Anlagen befindet sich derzeit im Bau und soll voraussichtlich 2027 fertiggestellt werden.

Verkehrslage in Kromlau hat sich beruhigt

Seit Juli 2026 herrscht reger Verkehr auf der Halbendorfer Straße, die durch Kromlau führt. Grund ist die Baustelle an der B115 Richtung Cottbus. Deshalb wurde, wo Tempo 50 herrschte, eine 30er-Zone.

Über Wochen litt auch der Jämlitzer Weg unter dem enormen Straßenverkehr mit vielen Schwerlastfahrzeugen. Anwohner haben berichtet, wie trotz Tempo 30 durch den Ort „gebrettert“ wird. Kinder hätte man nur noch ungern mit dem Fahrrad zum Schulbus fahren lassen auf der schmalen Straße.

Immerhin müssen die Anwohner und der Asphalt des Jämlitzer Weges vorerst keine Massen großer 40-Tonner mehr ertragen. Denn seitdem der erste Bauabschnitt Ende August auf der B115 abgeschlossen ist, habe der Verkehr im Dorf massiv nachgelassen, berichten die Anwohner.