Von Regina Weiß

Andreas Bänder ist in seiner Bürgermeister-Zeit seit 2001 für vieles gewappnet gewesen, um auch beim Reden nicht ins Stocken zu kommen. Für dieselben hat er sich deshalb manchmal im Ordner Wiedervorlage bedient, wie er gegenüber Mitarbeitern, Weggefährten, Freunden und Stadträten bekennt. Das hat er mit dem größten Sohn der Stadt gemein. Doch nicht nur das.

Es ist Mittwochabend. Gleich nach 18 Uhr füllen sich die Stuhlreihen im Muskauer Rathaus. Bis zum Beginn der Ratssitzung werden die Plätze kaum ausreichen. Die, die dort sitzen, haben wie die Stadträte einen Wissensvorsprung. Nur der Bürgermeister weiß nichts. Im Abschiedsgespräch mit der RUNDSCHAU hatte er angedeutet, dass da Überraschungen im Busche sein könnten. Doch welch Ehre ihm wirklich zuteil wird, „hat er sich nicht träumen lassen“, wird er später sagen.

Für eine Kleinstadt wie Bad Muskau, wo jedes Gerücht schneller rum ist, als man gucken kann, ist es wirklich erstaunlich, dass alles geheim bleibt. Bis nach der Verpflichtung von Stadtrat Thomas Baum (SPD). „Weil ich gerade hier so stehe, bitte ich sie, Herr Bürgermeister, die Sitzung zu unterbrechen, und Frau Barufke das Wort zu erteilen“, fordert Baum den Bürgermeister auf. Gesagt, getan. Die Vorsitzende des Freundeskreises Historica erklärt, nicht wieder Geld zu wollen, wie schon vor Monaten einmal. Sie übernimmt vielmehr eine Aufgabe, die sie mit Stolz erfüllt, wie sie selbst sagt. Es geht um einen einstimmig gefassten Beschluss aus dem nichtöffentlichen Teil der Ratssitzung im Juli. Der besagt, dass Andreas Bänder die Ehrenbürgerrechte der Stadt Bad Muskau verliehen werden. Was dann passiert, hat es so auch noch in keiner Ratssitzung gegeben: Der Bürgermeister ist augenscheinlich sehr gerührt und wird mit stehendem Beifall gefeiert. Stadtrat und stellvertretender Bürgermeister Thomas Krahl (CDU) darf ihm schließlich die entsprechende Urkunde überreichen. Damit ist Andreas Bänder nun offiziell der achte Ehrenbürger in seiner Geburts- und Heimatstadt. Er ist regelrecht sprachlos. Das wiederholt sich später noch einmal. Denn plötzlich steht er vor seinem Porträtbild, dass nun die Galerie der Ehrenbürger im Rathaus vervollständigt.

Es ist nicht die einzige Überraschung. Am Dienstag darf sich Andreas Bänder gemeinsam mit seiner Frau Ursula und Gästen durch den Muskauer Park kutschieren lassen. Als erstes geht es zu seiner Ruhestandsbank, die er nun nahe des Kirchtores hat. Mitarbeiter der Stadtverwaltung haben dafür gesammelt und schenken sie ihrem Chef zum Abschied. „Sie waren ein guter Chef. Sie haben gefordert und gefördert“, sagt Hauptamtsleiter Dirk Eidtner. Durch die Übernahme des Kita-Personals verdreifacht sich die Mitarbeiterzahl für den Chef. Herausforderung war und ist über Jahre die finanzielle Situation der Stadt. Bänder hört bei seinem ersten Besuch 2001 in Dresden, wo er mit dem ebenfalls frisch gewählten Landrat Bernd Lange (CDU) antreten darf, die Frage nach Amtsverweser oder Berater. Er entscheidet sich für Letzteres. Das entpuppt sich später als Glücksfall. So manche Altlast kann auf- und ausgeräumt werden. Andreas Bänder nutzt die Jahre für das Knüpfen von Kontakten zum Landkreis, nach Dresden und zum Bund; für das Aufbauen von Vertrauen; das Erbringen von Beweisen der Verlässlichkeit. „Dabei war es ihm wichtig, den Blick nach vorn zu richten und optimistisch in die Zukunft zu schauen“, so Regina Barufke. Kontinuierlich verfolgt er die Einheit von Park und Stadt und kittet so manchen Riss. Viele Erfolge stehen auf seiner Habenseite – wobei Bänder selbst betont, dass der Erfolg viele Väter hat: Neubau der Grundschule, Fertigstellung der Kita, Gestaltung von drei Plätzen plus Umgestaltung Kirchplatz, das Blaue Wunder. Auch am Wiederaufbau der Englischen Brücke, der Schlossgärtnerei, der Sanierung des Kavalierhauses hat er als oberster Verwaltungschef seinen Anteil. Für seinen Nachfolge überlasse er zudem ein bestelltes Feld. 30 Projekte, so betont Eidtner, sind durch des Bürgermeisters Mittun bereits angeschoben worden. Dazu das Städtebauprojekt Niederländischer Hof/Brauerei. Bisher hinter Grün am Parkrand versteckt, gibt es nun ganz aktuell eine Zuwegung vom Park aufs Brauereigelände. Als Braumeister war es jahrelang der Arbeitsplatz vom Bürgermeister Andreas Bänder. Es kreuzen sich sozusagen die Arbeitswege auf „Bänders Kreuzung“. Dieser Name ist nun seit Dienstagabend offiziell, wie Parkchef Cord Panning verkündet. Auch er lobt die gute und kameradschaftliche Zusammenarbeit mit dem scheidenden Bürgermeister.

Dem ist so viel Ehrung fast unheimlich. „Ich halte es da mit einem Zitat von Kennedy“, so Bänder und passt es auf seine Belange an: „Frage nicht was deine Stadt für dich tun kann, sondern was du für deine Stadt tun kannst!“

Die Ehrenbürger von Bad Muskau sind neben Andreas Bänder: Fürst Hermann von Pückler-Muskau, Superintendent Christian Petzold, General Karl Bruno Julius von Mudra, Landschaftsarchitekt Hermann Schüttauf, Landesdenkmalpfleger Hans Nadler, Apotheker Werner Manno und Karl-Heinz Carl, Stiftungsratsvorsitzender a.D. der Stiftung Fürst-Pückler-Park.