Die Sonne lacht in Weißwasser: Da hat Frau doch richtig Lust dazu, sich neu für den Frühling einzukleiden. Lachs und Natur sind die Farben, die gerade angesagt sind. „Oder ganz bunt“, weiß Annette Thau vom Geschäft „Jump in“ an der Straße des Friedens in Weißwasser. Seit 1997 ist sie selbstständig. Doch die derzeitige Situation ist bis dato einmalig. Ab Mittwoch, 24 Uhr, hat sie ihr Bekleidungsgeschäft zu schließen, auf Anordnung. So hat es der Freistaat Sachsen verfügt. Dieser Aufforderung wird sie auch Folge leisten. „Ich habe mich im Rathaus in Weißwasser erkundigt, dort habe ich erfahren, dass auch Kontrollen durchgeführt werden, ob wir uns daran halten“, sagt die Geschäftsinhaberin. Sie hoffe nun auf Hilfe vom Land und dass ihre Kunden ihr die Treue halten werden. „Ich bleibe optimistisch.“

Banges Warten in Weißwasser

Bei der Fielmann-Filiale in Weißwasser schaut man genau nach Hamburg. Dort sitzt die Zentrale der Kette. Von dort ist angeordnet worden, dass nur nach Vereinbarung eines Termins bedient wird, „um den Kundenansturm zu entzerren“, erklärt Matthias Jahny. Das Thema Kontaktlinsen werde derzeit komplett ausgesetzt, weil man in dem Fall den Kunden zu nahe kommen würde. 14 Mitarbeiter gibt es in der Filiale. Fünf davon sind am Mittwochvormittag vor Ort.

Cindy Wollmann führt das Geschäft Lotto & Strickwaren an der Bahnhofstraße seit 2018. „Es hat einen kioskähnlichen Charakter. Es gibt Zeitungen und den Versandhandel.“ Deshalb denkt sie, sie darf ihr Geschäft weiter offen halten. Am Umsatz merkt sie die Corona-Krise bislang noch nicht, erklärt sie der Rundschau bei der Stippvisite. Die Kunden versuchen weiter ihr Glück im Lotto. „Allerdings spielen sie jetzt teilweise für mehrere Wochen im Voraus. Es weiß ja keiner, ob es nicht doch eine Ausgangssperre gibt.“ Auch wenn alle versuchen, im Laden Abstand zu halten, ist man sich beim Thema Corona nah. „Es wird viel geredet. Die Menschen sind verunsichert. Ich denke, die Spitze des Eisbergs haben wir noch nicht erreicht.“

Fachhandel sieht sich benachteiligt

Und der Fachhandel? Der sieht sich benachteiligt. Und gleich in mehrfacher Hinsicht. „Der Fachhandel hat bereits im vergangenen Jahr die Waren bestellt, die zum Teil noch bis in den Februar geliefert wurden“, erklärt David Tobias von Handelsverband Sachsen (HVS). Das Problem ist nun, dass die Rechnungen für die Waren jetzt im März anstehen. Wegen des Corona-Virus werden jedoch die Geschäfte des Fachhandels geschlossen. „Deshalb läuft bei vielen Händlern jetzt das Konto ins Minus“, beschreibt Tobias.

Verbraucherzentrale warnt vor Fake-Shops im Netz

Aus Sicht des Handelsverbandes seien zwar Hilfen in Vorbereitung, aber bis dato gebe es in Sachsen genau für diese Fälle nur ein einzige, konkrete Unterstützung: Die Bürgschaftsbank Sachsen. „Dort wird eine Überbrückung gewährleistet, damit der Fachhandel die Rechnungen für Warenlieferungen bezahlen kann“, erklärt David Tobias.

Die Verbraucherzentrale Sachsen warnt in diesem Zusammenhang auch vor dubiosen Online-Handel: „Diese außergewöhnliche Extremsituation nutzen dubiose Anbieter schamlos aus“, warnt Stefanie Siegert von der Verbraucherzentrale Sachsen. „Sie lassen keine Chance aus, um an das Geld der Verbraucher zu kommen.“ die Verbraucherschützer beobachten, dass viele neue Internetseiten geschalten werden, auf denen dubiose Anbieter scheinbar ausverkaufte Waren wie Desinfektionsmittel oder Atemschutzmasken zu sehr hohen Preisen anbieten.

„Man will mit der Angst der Menschen das große Geschäft machen. Dabei muss es sich nicht zwingend um einen Fake-Shop handeln. Die Vorgehensweise ist jedoch ebenso moralisch verwerflich“, konstatiert Stefanie Siegert. Unseriöse Online Shops würden oft weder ein Impressum noch eine direkte Kontaktmöglichkeit zum Anbieter enthalten. Als Zahlungsmittel ist meist nur Vorkasse möglich. Hier sollten die Onlinekäufer vorsichtig sein und gegebenenfalls den Anbieter über Suchmaschinen in Internet suchen, ob es bereits Erfahrungswerte von anderen Käufern gibt.

Fahrradwerkstatt bleibt in Weißwasser geöffnet

Beim Zweirad-Fachhandel Schmogrow in Weißwasser beginnt in diesen Tagen die Saison. Normalerweise kommen jetzt die Kunden, um sich ein neues Fahrrad zu kaufen oder ihr Rad für die warme Jahreszeit auf Vordermann bringen zu lassen. „Wir sind ein Handwerksbetrieb und lassen so lange wie möglich die Werkstatt geöffnet“, sagt Markus Schmogrow. Und das hat auch einen weiteren Grund, wie die ZEG Zweirad-Einkaufs-Genossenschaft den Fahrradhändler- und -werkstätten mitteilt. „Man will derzeit verhindern, dass viele Menschen in Bussen und Bahn zusammenkommen. Um eine individuelle Fortbewegung der Bevölkerung zu ermöglichen, sollten die Fahrradläden offen sein“, sagt Markus Schmogrow.

Darüber hinaus sieht allerdings der Handelsverband noch eine zweite Benachteiligung gegenüber dem Fachhandel vor Ort: „Während fast alle Geschäfte schließen müssen, läuft der Online-Handel weiter. Damit gehen für den stationären Handel nachhaltig und langfristig Umsätze verloren.“ Und: Was der Fachhandel anbietet, gibt es zum Teil auch in großen Supermarktketten, etwa Kleidung, Schmuck oder Dekorationswaren – gerade jetzt vor Ostern. Die Supermärkte aber bleiben offen, während der Fachhandel schließen muss.

Wer darf weiter öffnen, wer nicht?


Laut Wirtschaftsministerium in Dresden dürfen Gaststätten in der Zeit von 6 bis 18 Uhr einschließlich ihrer Liefer- und Abholdienste für den Außer-Haus-Verkauf geöffnet bleiben. Geöffnet und vom Sonntagsverkaufsverbot ausgenommen werden der Einzelhandel für: Lebensmittel, Wochenmärkte, Abhol- und Lieferdienste, Getränkemärkte, Apotheken, Sanitätshäuser, Drogerien, Tankstellen, Banken und Sparkassen, Poststellen, Frisöre, Reinigungen, Waschsalons, der Zeitungsverkauf, Bau-, Gartenbau- und Tierbedarfsmärkte sowie der Großhandel. Eine Öffnung dieser genannten Einrichtungen erfolgt unter Auflagen zur Hygiene, zur Steuerung des Zutritts und zur Vermeidung von Warteschlangen.

Dienstleister und Handwerker können ihrer Tätigkeit weiterhin nachgehen.

Alle Einrichtungen des Gesundheitswesens bleiben unter Beachtung der gestiegenen hygienischen Anforderungen geöffnet.

Für den Publikumsverkehr werden geschlossen: Theater, Musiktheater, Kinos, Konzerthäuser, Opern, Museen, Ausstellungshäuser, Angebote in Stadtteilkulturzentren und Bürgerhäusern, Angebote der offenen Kinder und Jugendarbeit, öffentliche Bibliotheken, Planetarien, zoologische Ausstellungen in geschlossenen Räumen, Angebote von Volkshochschulen, Angebote von Sprach- und Integrationskursen der Integrationskursträger, Angebote von Musikschulen, Angebote in Literaturhäusern, Angebote öffentlicher und privater Bildungseinrichtungen, Schwimmbäder, Saunas und Dampfbäder, Fitness- und Sportstudios, Spielplätze, Seniorentreffpunkte, Mensen und Cafés der Studentenwerke, Zusammenkünfte in Kirchen, Moscheen, Synagogen und die Zusammenkünfte anderer Glaubensgemeinschaften, Sportanlagen sowie Reisebusreisen.