Seit Wochen bemüht sich Martina K.* für ihre 80-jährige Oma um einen Impftermin im Impfzentrum in Löbau. Über das Internetportal aber erhält sie stets die gleiche Meldung: „Versuchen Sie es in ein paar Tagen noch einmal.“
Groß war dann die Erleichterung, als eine Telefonhotline in Sachsen freigeschaltet wurde, über die ebenfalls Impftermine zu erhalten sein sollen. Parallel ist nun nämlich auch die Oma selbst eingebunden. Während die Enkelin täglich auf der Internetseite probiert, einen Impftermin zu bekommen, ruft die Oma über Hotline an. Dort kommt sie zumeist nicht weiter als bis zu einem Anrufbeantworter.

Sachsens Pflegeeinrichtungen stehen an erster Stelle

Nunmehr hat das DRK Sachsen verkündet, dass „derzeit nur vereinzelt neue Termine für die Erst-Impfung in Impfzentren vereinbart werden“ können. Ursächlich dafür sei die reduzierte Liefermenge des Impfstoffherstellers Biontech-Pfizer. Das DRK Sachsen habe deshalb zurzeit die Erstimpfungen in den Pflegeeinrichtungen priorisiert. Der Großteil der 23.400 Impfdosen, die Sachsen von Biontech-Pfizer erhalten habe, sei für die Bewohner sowie das Personal in den Pflegeeinrichtungen vorgesehen.
„Geplant ist, ab Anfang März wieder regelmäßig Termine in Größenordnungen anzubieten“, so ein DRK-Sprecher. Zudem wird darauf hingewiesen, dass in den Impfzentren vor Ort oder via Post „grundsätzlich keine Termine vereinbart werden“ können. Alle bisherig vereinbarten Termine aber würden stattfinden, auch für die nötige Zweitimpfung sei Impfstoff vorhanden.

Impfungen in Sachsens Pflegeheimen sollen bis Mitte Februar abgeschlossen sein

Bis Mitte Februar wolle man die Impfungen in allen Pflegeheimen im Freistaat erledigt haben. Man sei mit dem Impfen in den Impfzentren aber alles andere als zufrieden, sagt die zuständige Sozialministerin Petra Köpping (SPD). Auch sie verweist auf fehlende Impfdosen: „Wenn mehr Impfstoff vorhanden wäre, könnte man auch mehr impfen.“ Man hoffe auf baldige Besserung.
In dieser Woche war es wegen Umbauten im belgischen Pfizer-Werk Puurs zu eingeschränkten Impfstoff-Lieferungen gekommen. So hatte der Freistaat von Biontech-Pfizer 23.400 Impfdosen erhalten, zuvor waren 34.125 Dosen angekündigt. Am 1. Februar könne Sachsen nach Ministeriumsangaben mit 29.250 Dosen rechnen, in der darauffolgenden Woche dann mit gut 35.000 Dosen.
Nach Angaben des Gesundheitsministeriums hat Sachsen bislang auch 3600 Impfdosen des Herstellers Moderna erhalten. Ende dieser Woche sollen 4800 hinzukommen und bis Ende Februar weitere gut 43.000 Dosen. Dieser Impfstoff soll derzeit aber nicht in den Impfzentren verwendet werden, da er eine andere Handhabung erfordere, teilt das Gesundheitsministerium mit.
Eine so aufwendige Kühlung wie bei dem Biontech-Pfizer-Impfstoff sei nicht erforderlich. Deshalb soll dieser zunächst vor allem in Dialyseeinrichtungen eingesetzt werden, deren Personal zur höchsten Priorität zählt und wo auch viele schwerkranke Patienten erreicht werden können.

Neun Fälle von Coronavirus-Mutationen sind in Sachsen nachgewiesen

Im Fall der in Leipzig aufgetauchten südafrikanischen Virus-Mutation verfüge das dortige Gesundheitsamt über die Kapazitäten, um alle Kontakte der betroffenen Frau nachzuverfolgen. Vor einigen Tagen ist in Leipzig die Mutation festgestellt worden. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts sei diese Coronavirus-Variante ansteckender. Unklar ist noch, ob sie auch zu einem schwereren Krankheitsverlauf führt.
Nach Angaben des Gesundheitsministeriums sind derzeit in Sachsen neun Fälle einer Virus-Mutation aufgetaucht. Um Mutationen des Coronavirus’ rasch zu entlarven und die Verbreitung zu verhindern, sollen künftig fünf Prozent aller positiven Proben genetisch untersucht werden. Laut Gesundheitsministerin Köpping liegt Sachsen über diesen Wert.
Martina K* und ihre Großmutter müssen sich unterdessen noch gedulden. „Da brauchen wir vorerst auch nicht mehr probieren, einen Termin zu bekommen“, sagt die Enkelin der Rundschau.
*Name geändert

Corona-Koordinator in Sachsen


Mit dem Einsatz eines Corona-Koordinators will Sachsen das Krisenmanagement rund um die Pandemie verbessern. Aus Sicht des Sozialministeriums ist die personelle Unterstützung für mindestens ein halbes Jahr notwendig. Die Aufgabe wird von Axel Meyer übernommen. Er leitete bisher im Innenministerium den Führungsstab des Landespolizeipräsidenten. Meyer soll nun die Stabsstelle Corona leiten. Laut Sozialministerium wird er sich vor allem um die Koordinierung aller Corona-Themen zwischen den einzelnen Häusern kümmern. Dazu gehörten auch das Thema Impfen und diesbezügliche Absprachen mit dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) und der Kassenärztlichen Vereinigung.