Erst vor wenigen Tagen ist bekannt geworden, dass ein mit der Afrikanischen Schweinepest (ASP) infiziertes Tier zwölf Kilometer vor der deutsch-polnischen Grenze entdeckt wurde. Der Erreger, darauf weist in Bad Muskau beim Besuch der neuen Sozialministerin Petra Köpping (SPD) der Görlitzer Landrat Bernd Lange (CDU) hin, „bedeutet keine Gefahr für den Menschen.“

Bauern befürchten Einbußen

Vielmehr befürchten deutsche und vor allem Bauern und Schweinezüchter an der polnischen Grenze enorme ökonomische Probleme. „Für uns stellen sich viele Fragen, etwa wo wir mit den Schweinen hin sollen, wenn die Pest in Deutschland nachgewiesen wurde“, meldet sich Joachim Häntsch, Vorsitzender des Oberlausitzer Bauernvereins zu Wort. Er selbst züchtet Schweine bei der Barthelsdorfer Agrargenossenschaft, fragt sich, „mit welchen Entschädigungen wir rechnen können.“

Youtube Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) erklärt die Präventionsmaßnahmen gegen die Schweinepest.

Sachsen könnte nicht alle Schweine selbst schlachten

Tatsächlich ist die Problemlage komplex, wie Dr. Stephan Koch, ranghöchste Fachmann im Freistaat beim Sozialministerium in Sachsen, erklärt. „Wir haben rund 600 000 Schweine im Freistaat und haben nach unseren Berechnungen nur die Kapazitäten, 15 Prozent davon selbst zu schlachten“, so Koch. Folglich müsste im Ernstfall ein Großteil der Tiere in Schlachtbetriebe außerhalb Sachsens verbracht werden. Dies jedoch müsse genehmigt werden und sei „unwahrscheinlich“, wie Stephan Koch einräumt. Denn welches Bundesland würde schon mögliche Erreger zu sich transportieren lassen?

Zur Frage der Entschädigung äußert sich Stephan Koch nur vage: „Dafür gibt es keine feste Größe, sondern der Schaden wird im Einzelfall geprüft.“ Bei einer möglichen Versicherung würden Zahlungen mit denen des Freistaates gegengerechnet. „Die Entschädigung wird nicht mit der EU-Beihilfe für Landwirte verrechnet“, betont der Abeilungsleiter.

Zaun wird bis nach Zittau errichtet

Unterdessen erklärt Ministerin Petra Köpping, die sich zuvor an der Lausitzer Neiße am Rande des Fürst-Pückler-Parks selbst ein Bild des neuerrichteten Zauns gemacht hat, dass der Freistaat nun bis nach Zittau die Barriere für Wildschweine errichten will. Auch die Kosten von rund 250 000 Euro übernehme dafür das Land. „Wir danken dafür den Grundstückseignern und dem Landkreis Görlitz“, sagt sie. Denn der Kreis könnte im Ernstfall Bastion gegen die ASP für das gesamte Bundesgebiet werden.

Auf 128 Kilometern, die anschließend auch nach Vandalismus und der Funktionstüchtigkeit des Zaunes überwacht werden sollen, wird die Barriere errichtet. Ein Termin zur Fertigstellung hat das Ministerium nicht nennen können. Es hänge von der Materiallieferung sowie von der Zugänglichkeit des Geländes ab. Stephan Koch meint, dass Anfang Februar mit der Fertigstellung der Barriere zu rechnen sei.

Kein kompletter Schutz vor ASP

„Sie bietet aber keinen hundertprozentigen Schutz“, unterstreicht Petra Köpping. Denn der Mensch sei ein weiterer Faktor, der Einfluss auf die ASP-Verbreitung habe. „Wir wollen, dass künftig auch Jäger aufgefundene Tierkadaver im Wald melden müssen“, bekräftigt auch Stephan Koch. Köpping unterdessen wünscht sich, dass die Bevölkerung achtsam ist, etwa Speisereste ordnungsgemäß entsorgt und auch nichts illegal entsorgt.

Das ASP-Virus überlebt besonders lang bei kalten Temperaturen. In gefrorenem Fleisch bis zu 1000 Tagen, in luftgetrocknetem Schinken bis zu 140 Tagen. Hier liege nach Expertenangaben auch die größte Gefahr, wenn etwa ein kontaminiertes Schinkenbrötchen weggeworfen und später von einem Wildschwein verspeist wird. Bürger sollten deshalb Speisereste, etwa an Raststätten, nur in verschließbaren Müllbehältern entsorgen.

Freistaat sieht sich gut für Ernstfall vorbereitet

Die Verantwortlichen wähnen sich unterdessen „bestmöglich vorbereitet“, wenn es zu einem mit ASP verseuchten Tier auf deutschem Staatsgebiet kommen sollte. „Wir können nicht ausschließen, dass das passiert, aber wir haben alle Vorbereitungen getroffen“, so die Ministerin. Landrat Bernd Lange erinnert dabei an die im Dezember des vergangenen Jahres stattgefundene Übung, „die aufgezeigt hat, was jeder im Ernstfall zu tun hat“. Der Kreis Görlitz hatte zudem eine Abschussprämie für Wildschweine ausgegeben, die zu einer Verdoppelung der getöteten Tiere führte. „Jedes Wildschwein, was entnommen wird, minimiert das Übertragungsrisiko“, so Lange.

Tierschutzverbände weisen allerdings darauf hin, dass im Januar die Setzzeit der Wildschweine beginnt. Bei Jagd steigt dabei auch die Gefahr von Fehlabschüssen führender Muttertiere, „die ein Verwaisen und damit einen qualvollen Tod der Frischlinge zur Folge haben“, meldet etwa die Deutsche Wildtier Stiftung.

Dennoch: „Wir wollen keine Möglichkeit ungenutzt lassen, das Risiko zu verringern, dass die Afrikanische Schweinepest nach Sachsen kommt“, sagt die Ministerin. Dazu wolle man auch weitere Gespräche mit den polnischen Nachbarn führen.

Was können Bürger tun?


Wildschweine kennen keine Ländergrenzen. Deshalb sollten Speisereste nur in wildschweinsicheren, verschließbaren Müllbehältern entsorgt werden. Die Landesregierung bittet darum, gefundene Wildschweinkadaver zu melden. Das kann bei der Polizei, der Gemeindeverwaltung, Straßenmeistereien, Forstdienststellen oder Jagdausübungsberechtigten geschehen.

Bei Kontakt mit einem Kadaver müssen Kleidung und Schuhwerk gründlich gereinigt werden. Das Virus kann bei 56 Grad Celsius 70 Minuten und bei 60 Grad Celsius etwa 20 Minuten überleben.

Schweineprodukte, etwa aus Tschechien oder Polen dürfen nicht nach Deutschland eingeführt werden.