Armut in Weißwasser: Linke will sich mehr um Menschen kümmern – und bietet Suppe an

Antonia Mertsching, Richard Hoffmann und Heike Krahl (von links) wollen ab Januar einmal monatlich zur Suppenküche in den Räumen der Linken einladen.
Jürgen ScholzEine kostenlose Suppenküche will die Partei Die Linke in Weißwasser ab kommendem Jahr einmal monatlich anbieten. Antonia Mertsching ist Landtagsabgeordnete und will es wieder werden, verweist darauf, dass es die Idee schon länger gegeben habe – nun aber wolle man sie umsetzen. Es geht darum, wieder als die „Kümmerer“ wahrgenommen zu werden.
Ja, es seien 2024 auch Wahlen, sagt sie auf die entsprechende Nachfrage, ob es Teil des Wahlkampfes sei. Aber erst jetzt seien alle Voraussetzungen gegeben. „Wir haben jetzt die Reserven dafür“, so Mertsching. Mit Hoffmann und Ortsvereins-Vorstandsmitglied Heike Krahl sei das Angebot abgesichert, sie selbst werde da sein, wenn es möglich ist, so die Landtagsabgeordnete. Das Angebot werde es auch weiterhin geben – unabhängig vom Ausgang der Landtagswahl, versichert die Direktkandidatin der Linken. Man knüpfe damit an die Kochstände an, die es schon früher gegeben habe, so Heike Krahl. In den Räumen am Boulevard gebe es aber bessere Voraussetzungen, vor allem bei schlechter Witterung. „Hier gibt es auch genügend Geschirr - das ist nachhaltiger.“
Jeden letzten Freitag im Monat soll es ab Januar 2024 von 11 bis 14 Uhr ein kostenloses Suppenangebot geben – dann, wenn das Geld erfahrungsgemäß knapp wird. Zubereiten wird es Mertschings Büromitarbeiter in Weißwasser, Richard Hoffmann. Der ist gelernter Koch, bringe also die Voraussetzungen mit. Auch die Räume am Boulevard seien ausreichend groß. Dort könne man auch zusammensitzen und einfach nur mit anderen sprechen. Denn viele kämen auch kaum noch mit anderen zusammen.
Linke bietet in Weißwasser auch Sozialberatung an
Denn neben wechselnden Suppen – man rechne erst einmal mit 30 bis 50 Leuten - soll auch die bereits seit einem Jahr angebotene „Sozialberatung“ eine Rolle spielen. Die wird laut Linke immer stärker nachgefragt. Vor allem gehe es um Fragen zum Sozialrecht - um Bürgergeld und Wohngeld, Rente und Betriebskostenabrechnung. Häufig seien es Frauen, die um Hilfe bäten, so der ehrenamtliche Sozialberater Ferdinand Lorenz. Und keineswegs nur Hilfe-Empfänger.
Vor kurzem habe es beispielsweise eine Nachfrage gegeben, wo bei einem Haushaltseinkommen von 3500 Euro netto das Geld einer vierköpfigen Familie knapp wurde - vor allem wegen der gestiegenen Energiepreise. Eine Hilfe stehe aber bei diesem Einkommen nicht zu. In einem anderen Fall seien einem Aufstocker, einem Selbstständigen, der Bürgergeld bezog, sämtliche Leistungen gestrichen worden.
Erst nach einem Eilantrag beim Sozialgericht habe das Jobcenter eingelenkt, so Lorenz. Dies sei aber mit einem enormen Kraftaufwand für die Personen verbunden, die keine Juristen sind. Die Sozialberatung findet losgelöst von der Suppenküche donnerstags von 12 bis 17 Uhr statt und wird in Weißwasser monatlich von durchschnittlich zehn Personen aufgestockt. Darunter seien viele Rentner, weiß Richard Hoffmann. Einige hätten Hilfe bei den Anträgen für Energiehilfen benötigt.
Keine Konkurrenz zu Essenangebot bei der Tafel
Das Angebot wird nicht als Konkurrenz zum Essensangebot im Haus der Caritas gesehen – nur wenige hundert Meter von den Partei-Räumen der Linken entfernt. Dort gibt es montags, mittwochs und donnerstags jeweils von 9 bis 14.30 Uhr den Tagestreff, wo es auch ein Essensangebot für 2,50 Euro sowie Bockwurst oder Kaffee für 50 Cent gibt. Das Angebot werden regelmäßig von etwa 50 bis 60 Menschen angenommen, erklärt Ursula Grus, Koordinatorin im Caritas-Haus an der Uhlandstraße.
Dort ist auch die Tafel untergebracht, die Waren des täglichen Bedarfs einsammelt und vergünstigt an Bedürftige weitergibt. Dort ist die Nachfrage um bis zu 50 Prozent gestiegen, sagt Ursula Grus, vor allem durch Flüchtlinge aus der Ukraine. Das Spendenaufkommen aber stagniere. Dazu komme, dass die Discounter, von denen die Tafel nicht verkaufte Lebensmittel erhält, ihre Logistik umgestellt hätten. So komme weniger an. Vor allem bei Obst und Gemüse müsse man rationieren, da im Winter auch von den Tafelgärten nichts kommt. „Letzte Woche mussten die letzten fünf ohne Obst und Gemüse wieder gehen“, bedauert Ursula Grus.
Einen Aufnahmestopp, wie bei anderen Tafeln, habe es in Weißwasser aber nie gegeben. Etwa 300 Tafelpässe seien bislang ausgegeben worden, so Ursula Grus, die davon ausgeht, dass damit etwa 200 Bedarfsgemeinschaft mit etwa 500 bis 550 Personen das Angebot nutzen. Die Tafelpässe sind die Voraussetzung für die Tafel-Nutzung und werden während der Öffnungszeiten des Tagestreffs ausgegeben (Montag, Mittwoch, Donnerstag von 9 bis 14.30 Uhr). Die Tafel ist dienstags und freitags von 13 bis 15 Uhr geöffnet.
Weitere Angebote in bestimmten Notlagen
● Beratung in sozialen Fragen bieten auch andere Einrichtungen - außerhalb von Behörden - an.
● Dazu gehört beispielsweise der Sozialverband VdK Sachsen, der in seinem Büro in Weißwasser (Rosa-Luxemburg-Straße 20/Eingang Boulevard) jeden 1. und 3. Donnerstag im Monat von 10 bis 13 Uhr 2. und 4. Donnerstag im Monat 14 bis 17 Uhr Sprechzeiten hat.
● Eine Sozialrechtsberatung ist nach Anmeldung jeden zweiten Mittwoch im Monat von 9 bis 13 Uhr möglich (Anmeldung während der Sprechzeiten oder Telefon 03576 2529986 sowie ov-weisswasser@vdj.de).
● Speziell für Menschen in finanziellen Notlagen könnte es auch hilfreich sein, sich an die Schuldnerberatung / Insolvenzberatung des Deutschen Roten Kreuzes zu wenden.
● Die Beratung ist anonym und kostenlos, eine Terminvereinbarung wird empfohlen (schuldner@drk-weisswasser.de oder Telefon 03576 247055).
● Sprechzeiten im DRK-Haus (Berliner Straße 23) sind in der Regel dienstags von 9 bis 12 und von 13 bis 17 Uhr sowie freitags von 9 bis 12 Uhr.

