Am Anglerheim auf dem alten Sportplatz in Gablenz sind Bänke für ein kleines Fest im Freien aufgestellt worden. Enrico Bierzahn hat extra seinen Gasgrill mitgebracht. Wegen des nahen Waldes und der Wiese verzichtet man bewusst auf das Grillen mit Holzkohle. Die herzhaften Bratwürste und Steaks ließen sich die Vereinsfreunde schmecken. Denn: Es gibt etwas zu feiern.
Die Mitglieder des Gablenzer Angelvereins „Petri Heil“ haben ein verspätetes Jubiläum begangen. Vor 60 Jahren hatten sich die Petrijünger des Dorfes zusammengefunden – der heutige Angelverein war geboren. Das war 1960. Will heißen: 2020 hätten die Sportfreunde eigentlich dieses denkwürdige Ereignis gebührend begehen müssen. So war es auch geplant gewesen. Weil aber Corona jegliches gesellschaftliches Leben nahezu zum Erliegen brachte, konnte die Feier erst jetzt nachgeholt werden.
Zwei der Weggefährten an den Tischen, die noch viel von früher erzählen können, waren Harald Miertschink und Harald Noack. Ersteren hatte sein Opa August so richtig für den Angelsport begeistert. „Mit dem Fahrrad nahm er mich zu den Teichen der Umgebung mit. Dort durfte ich meine erste Rute auswerfen, die noch aus Bambus war“, erinnert sich der 72-Jährige. Auch daran, dass es einmal mit Opa August fast böse ausgegangen wäre, als er ins Wasser fiel und sein Enkel ihn rausziehen musste, was kein Anglerlatein ist.

Heute ist mit früher nicht vergleichbar

Was die Vorschriften betraf, sei damals manches anders gewesen als heute, so Harald Miertschink. So musste derjenige, der nachts angeln wollte, das bei der Polizei anmelden und für das Raubfischangeln musste fast eine richtige Prüfung abgelegt werden.
Bürgermeister Dietmar Noack (CDU) lässt es sich nicht nehmen, den Jubilaren seine Glückwünsche und die des Gemeinderates persönlich zu überbringen. Dabei überreicht er dem Vereinsvorsitzenden André Schneider auch einen Geldbetrag der Kommune als Dankeschön für das gesellschaftliche Engagement der Petrijünger. Schließlich hegen und pflegen sie nicht nur ihr Vereinsgewässer – die Große Karoline – sondern sind auch dabei, das Umfeld des Vereinsdomizils durch Pflastern neu zu gestalten. Auch am Badeteich in Kromlau sind die Angler aktiv. Das Gewässer gehört wieder dem Anglerverband „Elbflorenz Dresden“ und wird in diesem Rahmen von den Gablenzern betreut. Dort läuft derzeit ihre zweite große Aktion, um die vielen zur Plage gewordenen lästigen Zwergwelse mit Hilfe von Reusen zu fangen.
Und wenn Angler schon zu solch einem Anlass zusammen kommen, soll natürlich auch geangelt werden, hatte sich der Vorstand gesagt. So wurden kurzerhand zwei Spaßwettbewerbe auf dem Land gestartet – ohne Fische. Die Teilnehmer mussten mit einer alten Angel mit Haken versehene kleine Stempel, die angeblichen Flossentiere darstellen, „fangen“. Wer es schafft, dem winkt ein Preis. Für Gaudi ist also gesorgt. Übrigens ist auch Bürgermeister Dietmar Noack erfolgreich und erhält als Anerkennung eine Kühltasche. Vielleicht nimmt er sie als begeisterter Norwegen-Angler mit auf seinen nächsten Trip ans Nordkap.