Fans des Handballsports werden diese Sternstunde Zeit ihres Lebens nicht vergessen: 30 Juli 1980 – in Moskau trifft die DDR-Nationalmannschaft der Männer auf die Gastgeber UdSSR (Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken). Es gibt beste Handballkost. Mit viel Dynamik und Spannung. Erst in der Verlängerung fällt die Entscheidung zum 23:22 für die DDR. Torwart Wieland Schmidt wird spätestens damit zur Legende.

Trainingslager in Schleife

Auch wenn dieser Titelgewinn nun 40 Jahre her ist, ist er bei den Schleifer Handballern unvergessen. Denn was viele vielleicht nicht wissen, Schleife hat seinen Anteil an diesem legendären Olympiasieg. Denn die Turnhalle des sorbischen Dorfes konnte über die Grenzen des Ortes von sich reden machen. Eine solche hatte nicht jeder. Gerade mal drei Jahre hatte sie auf dem Parkett, als dort die Männer des DDR-Teams ein einwöchiges Trainingslager absolvierten. Mit dem Schwung geht es zum „großen Bruder“...

Hochklassiger Handballsport

Nicht das einzige Mal, dass im Handball-Tempel hochklassiger Sport zu Hause war. Während der verschiedenen Begegnungen im Rahmen der FDGB-Pokalspiele im Frauenhandball (FDGB - Freier Deutscher Gewerkschaftsbund) trat das Who ist Who des Damenhandballs in Schleife an. Hinzu kommen spannende Begegnungen der Handballer von Lok Schleife in all den Jahren und des eigenen Nachwuchses.

Abschied in Schleife

An all das und noch mehr wird man sich am 8. Februar erinnern. Dann gibt es die Abschiedsveranstaltung für die Sporthalle. Dazu gehört auch eine Parkettversteigerung. Die Idee dazu hatte Alf Sergon. Der Handwerksmeister ist dem Handball seit Jahrzehnten verbunden. „Man müsste was besonderes machen“, erinnert sich Handball-Abteilungsleiter Ronny Jurk an den Beginn der „richtig geilen“ Idee. Beim letzten Heimspiel des Lok-Teams gegen Rot-Weiß Sagar wurde der Beginn dieser Aktion gelegt. Es kam gut an. 270 Stücke werden am Ende mit nach Hause genommen. Ronny Jurk, „Sportdirektor“ Maik Probst und Petra Eckert vom Verein gehen davon aus, dass es beim Finale der Parkettversteigerung am Samstag ab 19 Uhr noch mal richtig hoch her gehen werde.

Parkett kann viel erzählen

Wenn Parkett erzählen könnte, dann geht es in Schleife nicht nur um spannenden Sport. Schon der Weg hin zur Halle war sportlich. Ein Hürdenlauf sozusagen. Das Vereins-Urgestein Bernd Juskowiak kann darüber berichten, als wenn es gestern passiert wäre. In diesen Tagen, wo sich Schleife auf den Abschied seines geliebten Handball-Heims einstellt, sind die Erinnerungen sehr präsent. Juskowiak gehörte wie Manfred Hascha zu den Angestellten der Betriebssportgemeinschaft Lok Schleife.

Und Hascha hatte es sich als Chef der Sportler zum Ziel gesetzt, dass Schleife eine ordentliche Turnhalle bekommt. Nicht etwa so eine Tonne, wie sie beispielsweise in Weißwasser an der Heinrich-Heine-Straße aufgestellt wurde. Sondern etwas solides, aus Beton und für die Ewigkeit. Dafür war Manfred Hascha kein Weg zu weit. Vor allem Berlin war sein bevorzugtes Ziel. Dort saßen die Personen, die was zu entscheiden hatten. Flog Hascha hinten raus, war er vorn wieder da. „Er ließ sich einfach nicht abwimmeln“, erinnert sich Juskowiak.

Zug nach Schleife umgeleitet

Das zähe Ringen sollte von Erfolg gekrönt sein. So wurden die Betonteile der Halle, die bereits auf einem Güterzug verladen und für die UdSSR bestimmt waren, nach Schleife „umgelenkt“. Auch Baukapazitäten wurden mit viel Überzeugungsarbeit beschafft. Und zu guter Letzt kümmerten sich die Schleifer auch um die Versorgung der Bauleute. „Für unsere Halle mussten allerhand Schweine ihr Leben lassen“, so Juskowiak mit einem Lachen. Die Tiere besorgte man aus Wadelsdorf.

Kein Wunder also, dass man es bei der Einweihung der Sporthalle am 10. Dezember 1977 so richtig krachen ließ. Eine ganze Woche wurde gefeiert. Sogar mit internationaler Beteiligung.

Feiern nicht nur beim Handball

Das Feiern hat in der Sporthalle in Schleife Tradition. Nicht nur, wenn es um Siege oder den Aufstieg gegangen ist. Noch heute schwärmt man vom Sockenball, wo nur mit „Potschen“ das heilige Parkett betreten werden durfte. Der Heimatverein übernahm dann das Ruder von den Sportlern. Es waren schöne Veranstaltungen, sind sich Petra Eckert und Bernd Juskowiak noch heute einig.

Viele Erinnerungen werden wach

Nicht nur jede Menge Erinnerungen hängen am Handball-Tempel, auch die guten Bedingungen machen den Abschied nicht leicht. Die Nähe zur „Sportlerklause“, ein großes Vereinszimmer, genügend Umkleidekabinen, der Kraftraum, den Platz für mehr als „nur“ 199 Zuschauer in der Halle und jede Menge Herzblut lassen die Sportler zurück. Da klingt viel Wehmut mit. Mit der neuen Zweifeld-Sporthalle am deutsch-sorbischen Schulkomplex müssen sich die Schleifer Vereinssportler erst anfreunden. Lange Zeit war um eine Dreifeldhalle gerungen worden. Vor allem der ehemalige Abteilungsleiter Ronald Fabian habe sich dort sehr engagiert.

Ronny Jurk ist Optimist. In der neuen Halle werde ein neues Kapitel aufgeschlagen. „Es wird auch gut, nur eben anders“, findet er.

Das Programm für den 8. Februar


Das ist das Programm für den Samstag, 8. Februar: 16 Uhr SV Lok A-Jugend gegen SG Prina/Heidenau; 17.30 Uhr SV Lok Alte Garde gegen SV Döbern, danach Festansprache. 18.30 Uhr Jahrgangsspiel der Ehemaligen und Aktiven; ab 19 Uhr Finale der Parkettversteigerung. Abschließend gemütliches Beisammensein mit Speis und Trank.

Die Turnhalle Schleife bleibt im Gegensatz zum Schulgebäude bestehen. Sie wird künftig von zwei Unternehmen genutzt.