Am 21. Januar 1272 ist der Ort Schleife erstmals aus dem Dunkel der Geschichte getreten. Das Dorf erfuhr seine urkundliche Ersterwähnung in einer Urkunde über die Abgabe von den bebauten Äckern.
Genau 750 Jahre sind seitdem ins Land gegangen. Und genau 750 Protagonisten nehmen am historischen Festumzug teil, der dieses Jubiläum würdigt. Zum Vergleich: Schleife zählt heute rund 2400 Einwohner. Also nimmt statistisch gesehen knapp ein Drittel der Einheimischen am Umzug teil, wenn auch dessen Mitwirkende längst nicht alle aus dem Jubiläumsort stammen.
„Zwei Jahre Vorbereitungszeit liegen hinter uns“, resümiert Stephanie Bierholdt, Mitglied des Festkomitees. Letztlich sei es gelungen, 51 Bilder zu präsentieren, die das Leben im 750-jährigen Schleife zeigen. Zahlreiche Vereine sind dabei, darüber hinaus auch Unternehmen aus dem Schleifer Kirchspiel. Und natürlich fehlen auch die Dudelsackspieler nicht. Schließlich wird in Schleife zeitgleich das neunte Dudelsack-Festival begangen.
9. Internationales Dudelsackfestival Fans des Dudelsacks treffen sich in bald in Schleife

Schleife

Linden am Schleifer Anger spenden Gästen Schatten

Knapp 36 Grad Celsius zeigt das Thermometer, im Schatten wohlgemerkt. Und dieser ist während des Umzuges und beim Festival glücklicherweise reichlich vorhanden. Die vielen Linden auf dem Schleifer Anger schirmen die gnadenlose Sonneneinstrahlung ab. Linden gelten übrigens als sorbische Nationalbäume.
Das Folkloreensemble Ihna aus dem fränkischen Erlangen begeistert auf der Schleifer Dorfaue.
Das Folkloreensemble Ihna aus dem fränkischen Erlangen begeistert auf der Schleifer Dorfaue.
© Foto: Torsten Richter-Zippack
Die vielen Besucher haben es sich auf extra dort aufgestellten Bänken bequem gemacht. Für die Umzugsteilnehmer, so berichtet Stephanie Bierholdt, seien extra Wasserreserven herangeschafft worden. „Wir hätten und gern zehn Grad weniger gewünscht, aber zum Glück ist es windig“, resümiert die junge Frau, die beim Domowina-Regionalverband Jakub Lorenc-Zaleski in Schleife beschäftigt ist.
Stichwort Wind: Der saust während des Festumzuges schon fast als Sturm über die Dorfaue. Manchmal mischen sich kleine Sandkörner hinein, sodass mal kurzzeitig die Sicht etwas eingeschränkt ist.
Klar, dass Wolfgang Kotissek vom Sorbischen Folkloreensemble Schleife mit seinen Musikern nicht im Umzug fehlen darf. Mit seiner kleinen dreiseitigen sorbischen Geige sorgt der passionierte Musiker mit seinen Kollegen für beste Stimmung. „Wir spielen unter anderem Polka und Walzer“, sagt Kotissek.

Schleifer Lok-Sportler lassen Spremberger Lok rollen

Mit von der Partie sind auch rund 60 Sportler von Lok Schleife. Und auch die Lok fehlt nicht. Und zwar in Form des feurigen Elias aus Schwarze Pumpe. Eigentlich hätten die Schleifer Fußballer, so berichtet Vereinschef Detlef Rakel, am Vortag in die Landesliga aufsteigen können. Doch statt des notwendigen und erhofften 5:0-Sieges gab es nur einen 4:1-Erfolg. Trotzdem tat dieses Ergebnis der guten Stimmung keinen Abbruch.
Mitten im Juni reisen auch sorbische Ostereier im Festumzug mit.
Mitten im Juni reisen auch sorbische Ostereier im Festumzug mit.
© Foto: Torsten Richter-Zippack
Das Thema Erntedank haben sich indes die Kinder aus der Schleifer Kindertagesstätte „Pfiffikus“ auf die Fahnen geschrieben. Allesamt sind in sorbischer Tracht erschienen. Beim Anziehen hatte Sylvia Panoscha vom Sorbischen Kulturzentrum geholfen. Schließlich gebe es dabei sehr viele Tricks und Kniffe zu beachten, berichtet Claudia Branzko von der Kita.

Was die Wurlawa in Schleife so treibt

Klar fehlen auch die sorbischen Sagenfiguren im Festumzug nicht. Schauspieler des Rohner Dorftheaters sind in die Rollen von Wassermann, Wurlawa und Co. geschlüpft. „Die Wurlawa ist die Waldhexe, die gut zu den Tieren ist“, berichtet Heidi Seewald, die deren Kostüm trägt. Das geheimnisvolle Wesen achte bei den Menschen darauf, dass die Mädels immer pünktlich aus der winterlichen Spinte nach Hause zurückkehren.
Schüler der Schleifer Schule präsentieren im Umzug ihre Herkunftsorte. Es sollen 53 sein.
Schüler der Schleifer Schule präsentieren im Umzug ihre Herkunftsorte. Es sollen 53 sein.
© Foto: Torsten Richter-Zippack
Während der Schleifer Festtage haben auch verschiedene Bauernhöfe für die Besucher geöffnet. Beispielsweise das Anwesen von Regina Krautz in der Friedensstraße. „Ich bin hier geboren, unser Vierseitenhof ist schon 150 Jahre alt und schon immer in Familienbesitz“, berichtet die gelernte Buchhalterin. Vom einstigen Großvieh sei heute aber nichts mehr geblieben. Heute leben nur noch ein paar Fische im Gartenteich.
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Nach dem Jubiläum ist vor dem Jubiläum in Schleife

Das Festwochenende zu 750 Jahre Schleife ist nun vorüber. Doch das nächste Jubiläum wirft bereits seine Schatten voraus. Denn im kommenden Jahr jährt sich die Gründung des Sorbischen Folkloreensembles Schleife zum 50. Mal. Am 9. September 2023 soll gefeiert werden, kündigt Protagonistin Stephanie Bierholdt an. Die Vorbereitungen würden bald starten. Geplant sei unter anderem eine reich bebilderte Broschüre, die mit vielen Anekdoten aus dem halben Jahrhundert ausgeschmückt werden solle. Das nächste Dudelsack-Festival findet indes erst im Jahr 2026 statt.