Talsperre Spremberg: Der Pegel sinkt rasant, der Damm ist in Gefahr

Der Spremberger Stausee verliert täglich mehrere Zentimeter Wasser. Badelustige müssen schon Schlamm durchwaten. Was ist hier los?
Detlef Bogott- Spremberger Stausee wird stark abgesenkt – das Wasser weicht in der Hauptsaison.
- Ziel ist rund 89,70 Meter über NHN: etwa 2,30 Meter unter dem normalen Stauziel.
- Grund ist Wildwuchs am Hauptdamm, der die Lehminnendichtung gefährden könnte.
- LfU plant chemische Behandlung im August 2026, wofür ein trockener Uferstreifen nötig ist.
- Folgen vor Ort: Schlamm statt Strand, Boote stranden, Regatta und Kurse fallen aus.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Der Pegel im Stausee Spremberg ist im Sinkflug. Die Talsperre verliert täglich wertvolle Zentimeter Wasser – und das mitten in der Hauptsaison. An der Hitze liegt das diesmal nicht. Was nach einer ökologischen Katastrophe aussieht, ist eine minutiös geplante Notbremsung des Landesamtes für Umwelt (LfU).
Ziel der Wasserbehörde ist es, Anfang August 2026 eine historische Marke von rund 89,70 Metern über Normalhöhennull (NHN) zu erreichen. Damit soll der Wasserspiegel gut 2,30 Meter unter dem normalen Stauziel liegen. Planmäßig und sehr kurzfristig. Bei der flachen Topografie des Sees sorgt das dafür, dass auch riesige Flächen des Bodens komplett trockenfallen. Aber warum?
Ein akutes Naturproblem am Hauptdamm zwingt dazu. Auf den Steinstrukturen, die das Bauwerk eigentlich vor Wellenschlag schützen sollen, hat sich in den vergangenen Jahren ein massiver Wildwuchs aus Sträuchern und tiefwurzelnden Pflanzen ausgebreitet. Das Problem: Wurzeln drohen, die lebenswichtige Lehminnendichtung des insgesamt 3,7 Kilometer langen Staudammes zu durchlöchern.
Das Land zieht am Stausee Spremberg die Reißleine
Da mechanische Methoden wie das Abschneiden und Abflammen der Pflanzen in den Ritzen der Steinpackung langfristig wirkungslos geblieben sind, zieht das LfU nun chemisch die Reißleine. Denn „es ist zu beobachten, dass die Entwicklung der Gehölze, vor allem Brombeeren, eher noch zugenommen hat“, erklärt Thomas Frey, der Sprecher der Behörde.
Damit bestehe weiter die Gefahr, dass Wurzeln die schrägliegende Lehminnendichtung des Dammes schädigen können. „Ein weiteres Wachstum würde dann zu erheblichen Risiken beim Betrieb dieser großen Stauanlage führen. Eine mögliche Zerstörung der Dichtung durch Wurzeln ist zwingend zu verhindern. Sie würde zur Außerbetriebnahme der Talsperre führen“, macht er den akuten Handlungsbedarf deutlich.
Um den hartnäckigen Bewuchs endgültig zu stoppen, muss ein systemisches Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden, das die Sträucher bis in die Wurzelspitzen abtötet. Das strenge deutsche Umweltrecht verbietet den Einsatz solcher Mittel direkt am oder im Wasser jedoch strikt (Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung). Die logische Konsequenz ist: Das Wasser muss weichen.
Erst durch die Absenkung der Talsperre Spremberg auf weniger als 90 Meter über Normalhöhennull entsteht ein ausreichend breiter, trockener Sicherheitsstreifen zwischen der Uferböschung und der eigentlichen Wasserlinie. Die chemische Behandlung selbst ist für August 2026 terminiert, da die Pflanzen genau dann voll in der Vegetationsphase stehen und dies auch müssen, um den Wirkstoff überhaupt aufzunehmen.
Für Tourismus und Freizeitsport ist die Aktion ein schwerer Schlag mitten im Sommergeschäft. Brandenburg und Sachsen haben Ferien. Der Stausee Spremberg ist ein nahe gelegenes und sehr beliebtes Badeparadies, besonders an heißen Tagen. Wo sonst weicher Sandstrand ans Wasser grenzt, erstrecken sich nun breite Schlamm- und Steinflächen. Der Weg zum erfrischenden Nass wird lang und beschwerlich. Besonders auf der Bagenzer Seite des Stausees, wo auch der Campingplatz voll ist.
Der Wassersport ist schon am Limit. Segler und Bootsbesitzer, wie etwa vom Cottbuser Segelclub, müssen ihre Boote notgedrungen vorzeitig aus dem Wasser holen, da Stege komplett trockenfallen und die Gefahr von Grundberührungen zu groß wird. „Die Wassernot ist für uns völlig überraschend eingetreten“, sagt Peter Strangfeld, der Vorsitzende des Segelclubs Blau-Weiß Cottbus. Das Training der Kinder und Jugendlichen an den Wochenenden wird sehr schwierig.
Segelverein muss Regatta auf dem Stausee absagen
Eine Regatta mit Teilnehmern aus ganz Deutschland muss für August abgesagt werden. Auch der Schnupperkurs des Vereins fällt trocken. Das ist vor allem eine Frage der Sicherheit. Die erforderlichen Motorboote mit den Rettern auf dem See können nicht eingesetzt werden. Das Jugend-Sommertraining ist schon auf den Senftenberger See verlegt worden. Aber auch der hat nur noch sehr begrenzt Platz für neue Wassersportler.
Es gibt aber auch einen hydrologischen Gewinner: die nachfolgende Spree und der Spreewald. Um den Stausee Spremberg im Juni und Juli kontrolliert leerzubekommen, muss die Talsperre enorme Wassermengen an die Unterlieger abgeben – insgesamt rund neun Millionen Kubikmeter. Dieses Wasser stützte das sensible Ökosystem des Spreewaldes und die nachgelagerte Wasserversorgung an der Spree in den ersten heißen Sommerwochen spürbar.
Ab September, so der Plan des Landesamtes für Umwelt Brandenburg, soll nach erfolgreicher Sanierung des Staudammes das Wiederauffüllen der Talsperre beginnen.
Das leistet die Talsperre Spremberg für Spree und Spreewald
Die Talsperre Spremberg ist Brandenburgs einzige Talsperre im Hauptschluss der Spree. Sie fungiert als zentrales Steuerorgan für die Region: In nassen Monaten fängt sie Hochwasser ab, um nachfolgende Städte wie Cottbus zu schützen. Im trockenen Sommer stützt sie den Mindestabfluss der Spree. Ohne diese kontinuierliche Wasserabgabe würde der Spreewald in Hitzeperioden teilweise trockenfallen. Zudem dient die Talsperre als wichtige Schutzbarriere gegen die Eisen- und Sulfatbelastung aus dem Lausitzer Braunkohletagebau. (kw)







