Lesermeinung
: Wir zahlen die Zeche mit unseren Steuern

Seit Monaten ist die Autobahnabfahrt Cottbus-West gesperrt, nun verzögert sich der Beginn der Betonarbeiten. Eine zu enge Zeittaktung und nicht zur Verfügung stehende Großgeräte sowie Tage mit Dauerregen wurden als Gründe angeführt im Beitrag „Beton-Arbeiten an A15 verzögern sich“, LR vom 27. August. Christina Schönherr aus Spremberg erinnert daran, dass es den berüchtigten Betonkrebs schon zu DDR-Zeiten gab.
Von
LR Café-Tester
Spremberg
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Auf der Bundesautobahn A 15 ist der Abschnitt zwischen der Ausfahrt Vetschau und Cottbus-Süd in Richtung Forst derzeit gesperrt. Bevor eine neue Asphaltschicht auf den Fahrbahnuntergrund kommt, wird die alte Betonfahrbahn, die an Betonkrebs leidet, abgefräst. Die Bauarbeiten auf dem gut zehn Kilometer langen Abschnitt werden voraussichtlich bis in den Herbst hinein dauern. In dieser Zeit wird der Verkehr über die Gegenfahrbahn geleitet.

Foto: Michael Helbig

Traum von Haltbarkeit

Im Beitrag heißt es „Notwendig ist die Fahrbahnsanierung wegen der berüchtigten Alkali-Kieselsäure-Reaktion, besser bekannt als Betonkrebs. Die Reaktion war bei Baubeginn noch weitgehend unbekannt.“ Wer dies behauptet hat, setzt bei den Menschen unserer Region offenbar auf Gedächtnisschwund!

Betonkrebs ist schon lange vor der Wende sehr wohl bekannt gewesen. Bei der Betonherstellung für den Straßenbau durften nur solche Kiesarten verwendet werden, die keinen hohen Anteil löslicher Kieselsäuren enthalten. Seit 1988 gibt es eine Liste über alkaliempfindliche und beständige Zuschlagsstoffe. In der DDR gab es dafür TGL-Vorschriften.

Als ich im Januar 2018 auf entsprechende Beiträge mit Unverständnis reagiert habe, bekam ich die Antwort, dass die DDR- Vorschriften mit der Wende außer Kraft gesetzt waren und die bundesdeutschen Vorschriften eine solche Regelung nicht enthielten. Also sind die Ausschreibungen der Fahrbahnsanierung der A 13 und A 15 ohne diese Vorgaben erfolgt. Ich habe keine Antwort darauf erhalten, wer dies zu verantworten hatte.

Was ich nicht verstehe, ist, dass mit dem Wegfall einer Norm im Osten auch der komplette Sachverstand weggefallen sein soll. Saßen in der zuständigen Straßenmeisterei nur Leute, die aus den alten Bundesländern kamen? Die hier Verantwortlichen hätten es besser wissen müssen.

Wir alle bezahlen die Zeche mit unseren Steuergeldern und seit vielen Jahren mit Autobahnen, die von der Fortbewegungsschnelligkeit zu Landstraßen mutieren. Von der mindestens 30 jährigen Haltbarkeitsdauer von ordnungsgemäß hergestellten Autobahnen können wir nur träumen, denn zumindest seit 2009 trat das Problem massiv auf. Ich hoffe inständig, dass es nun beim zweiten bzw. dritten Versuch gelingt und wir von 100-80-60 wieder auf 120 oder 130 kmh zurückkehren können.

⇥Christina Schönherr, Spremberg