Schräg lockt die Flipper-Scheibe. Nicht nur sie wird zum Spremberger Heimatfest (11. bis 14. August) wieder rotieren. Viel schneller drehen sich die Gondeln, die die Schausteller auf ihr montieren. Ein junger Mann springt von Gondel zu Gondel. Er prüft, ob die Bügel fest eingerastet sind. Könnte er ihre Gondel schon mal anschubsen? Er schaut kurz zu den jungen Frauen auf, lächelt – und schubst.
„Wir sollten alle mal ein bisschen ausspannen“, findet Tino Krämer, „So ein Rummel eignet sich dafür gut. Mit Freunden oder der Familie – am besten mal einen ganzen Tag lang.“ Tino Krämer ist seit dem Jahr 1986 in der Schausteller-Branche unterwegs. Verdammt fleißig hat er für seinen Ruf in den Punkten Attraktion und Sicherheit gearbeitet. Fleiß ist deshalb auch das Erste, was er den Neueinsteigern abverlangt. „Faul neben dem Karussell in der Sonne sitzen“, so Krämer, „das funktioniert in dieser Branche nicht.“
Die Technik und die Wartung der Fahrgeschäfte, das lasse sich lernen. Viele kommen ungelernt, manche mit einem Beruf. „Es ist von Vorteil, wenn jemand im Team Elektriker gelernt hat. Gut ist auch, wenn einer malern kann – oder sogar richtig schön malen“, sagt Krämer. Sauber muss es sein, die Waren an den Losbuden und Schießständen sollten immer frisch aussehen. „Was gerade bei den Plüschtieren in ist“, sagt Krämer, „müssen die Betreiber natürlich auch wissen.“

Jedes Fahrgeschäft auf dem Rummel in Spemberg hat sein Prüfbuch

Von der Funktionsweise her kennt er sie alle, die Flipper und Twister, die Breakdancer und Shaker. Über 40 Fahrgeschäfte und Stände werden in der Woche vorm Heimatfest in Spremberg auf dem Festplatz an der Georgenstraße aufgebaut. „Die Mischung machts“, bestätigt Krämer. Bevor die kleine Abordnung mit der Spremberger Bürgermeisterin Christine Herntier die ersten Runden dreht, werden die Fahrgeschäfte von der örtlichen Baubehörde geprüft. Sie kommt aus der Kreisverwaltung in Forst und wird die Prüfbücher der Fahrgeschäfte kontrollieren.
Aber dass Tino Krämer nach dem Aufbau den Rummel selbst testet und sich rasant drehen und durchschütteln lässt, das werden seine Mitstreiter nicht erleben. „Früher, als ich noch mit meinem Sohn gelegentlich richtig Karussell gefahren bin, habe ich hinterher eine ganze Stunde gebraucht, ob mich davon zu erholen. Heute“, gesteht Krämer, „fahre ich bestenfalls noch mit meinen kleinen Enkeln Karussell“ Kinderkarussell, das deshalb auch in mehreren Varianten fest zu Krämers Rummel-Gestaltung in Spremberg gehört.

Trampolin für Riesensprünge am Festplatz in Spremberg

Die Riesenrutsche vom Vorjahr wird wieder aufgebaut und eine Familien-Achterbahn. „Und wir werden in diesem Jahr ein Bungee-Trampolin anbieten, denn Trampolinspringen ist seit Jahren gefragt“, sagt Krämer.
Mit dieser Riesenrutsche dürfen die Gäste auf dem Festplatz in Spremberg wieder fest rechnen.
Mit dieser Riesenrutsche dürfen die Gäste auf dem Festplatz in Spremberg wieder fest rechnen.
© Foto: Detlef Bogott/Archiv
Wo angesichts der Vielzahl der Fahrgeschäfte die Besucher ihren Rummel-Besuch starten sollten? „Es ist eigenartig“, sagt Krämer, „aber wir haben beobachtet, dass es die Leute zuerst zu den höheren Fahrgeschäften zieht. Zum etwas gemütlichen Riesenrad zum Beispiel“, beginnt Krämer aufzuzählen, „oder zum King Kong Tower.“ Ist deshalb auch das gute alte Kettenkarussell so kräftig gewachsen? „Über 40 Meter hoch ist es“, sagt Krämer, „wenn alle sitzen, fährt der Mast erst einmal in die Höhe.“ Das Kettenkarussell heißt deshalb heute Kettenflieger.

Rummel-Betreiber hoffen in Spremberg auf alle Generationen

Viele Klassiker, wenn auch etwas modernisiert und mit mehr Speed ausgestattet, sind über Jahrzehnte erhalten geblieben. „An einen Flop mit einem Fahrgeschäft kann ich mich nicht erinnern. Bestenfalls wird es dann so lange weiterentwickelt, bis es bei den Besuchern ankommt“, sagt Krämer. Aber nach der Wende sei es schon so gewesen, dass die Besucher die neuen Attraktionen angesteuert haben und das Traditionelle uninteressant war.
Aber ohne Autoscooter geht es nicht. Die Geisterbahn wird auch in Spremberg stehen. Ob die Mitarbeiter des einzigen Fahrgeschäfts, das Spinnweben hängen lässt, die Besucher auch als lebende Geister erschrecken oder wenigstens necken? „Das hoffe ich“, sagt Krämer. Nette Gesten gehören zur Rummel-Philosophie. „Wir haben unter den Besuchern alle Generationen. Da kommen Jugendliche in Gruppen, der Vater mit den Söhnen, die Oma mit der Enkelin“, sagt Krämer. Ältere Leute brauchen etwas mehr Zeit beim Einsteigen. Kleinere Kinder müssen erst einmal entscheiden, ob sie in der Feuerwehr oder auf dem Schwan sitzen wollen, wenn der Schimmel schon besetzt ist. „Ist die Stimmung richtig gut, wird auch mal eine Extra-Runde gedreht. Das haben wir schon zu DDR-Zeiten so gehalten“, sagt Tino Krämer.

Darum fehlt in diesem Jahr die Überschlagsschaukel in Spremberg

Nur die Überschlagsschaukel werden die Besucher in diesem Jahr vergeblich suchen. „Vielleicht im nächsten Jahr wieder“, sagt Krämer, „wir wechseln immer mal etwas aus, um Neues bieten zu können.“ Und die Schaukelei entwickelt sich. „Kiiking“ nennen die schaukelverrückten Esten ein Extrem-Schaukeln. Sie haben landesweit ziemlich viele Schaukeln, betreiben es sportlich im Stehen und gut an Armen und Beinen gesichert, mit Überschlag-Rekorden auch als Erwachsene. Eine Attraktion, die Tino Krämer beobachten sollte? „Schaukeln“, so überlegt er, „hat ja auch eine beruhigende Wirkung.“

Schausteller planen Familientag

Eröffnet wird das Rummelvergnügen zum Spremberger Heimatfest am Freitag,11. August, um 16 Uhr. Die Bürgermeisterin Christine Herntier (parteilos) hat sich dazu mit Originalen und Figuren der Stadt angekündigt. Der Musikverein „Trachtenkapelle Spremberg“ wird sie begleiten. Gegen 16.30 Uhr will Herntier ein Fass Freibier anstechen. Am Samstag und Sonntag öffnet der Park um 11 Uhr. Schließlich laden die Schausteller am Montag, 14. August, zu einem Familientag mit Sonderangeboten und Rabatten ein. Gegen 18 Uhr ist am Montag als Abschluss eine Verlosung von Preisen und Gutscheinen geplant, für die sich die Spremberger und ihre Gäste ab Freitag auf dem Rummel Lose sichern können – so lange der Vorrat reicht. Händler der Region spendieren die Preise.