Von Jan Siegel

„Dieser Tag heute geht vielleicht in die Geschichte ein.“ Der Präsident des Technischen Hilfswerks (THW) Albrecht Broemme ist euphorisch, als er am Dienstag auf dem Flugplatz in Welzow (Spree-Neiße) über die Perspektiven spricht, die es für das riesige Areal des ehemals russischen Militärflugplatzes gibt. Broemme ist einer der Teilnehmer an einer hochkarätigen Fachkonferenz rund um die Themen Brandbekämpfung aus der Luft und europäischer Katastrophenschutz.
Christian Ehler, Birgit Zuchold, Christos Stylianides (v.l.) und Albrecht Broemme (r.) bei der Fachtagung in Welzow.  Foto: Jan Siegel
Christian Ehler, Birgit Zuchold, Christos Stylianides (v.l.) und Albrecht Broemme (r.) bei der Fachtagung in Welzow. Foto: Jan Siegel
© Foto: Jan Siegel|LR
Der zuständige EU-Kommissar Christos Stylianides ist extra dafür in die Lausitz gekommen. Der Mann aus Zypern gilt als Vater des Programms „rescEU“, das das Europäische Parlament im Frühjahr auf den Weg gebracht hat. Der Name steht dabei für das englische Wort „retten“ – rescue – im Zusammenhang mit der EU. Nach Welzow eingeladen hat ihn der Brandenburger Europaabgeordnete Christian Ehler (CDU). „rescEU“ ist ein Milliardenprogramm zum Aufbau und Etablierung eines Katastrophenschutznetzwerkes. Entfalten soll es sich in den nächsten drei bis fünf Jahren über dem Kontinent.

Entwicklungsperspektiven mit Sedlitzer See

In Welzow hat sich dafür eine Initiativgruppe gegründet, die im Rahmen von „rescEU“ spannende Entwicklungsperspektiven für den Flugplatz Welzow zusammen mit dem angrenzenden Sedlitzer See sieht. Ihr Ziel ist dabei nicht nur die Ansiedlung einer Löschflugzeugstaffel. In Welzow aufgebaut werden soll ein Ausbildungszentrum für die Waldbrandbekämpfung aus der Luft für Feuerwehrleute und Katastrophenschützer aus ganz Europa. Vorbild ist dabei die bisher einzige Einrichtung dieser Art in Europa im südfranzösischen Nimes.
„Die Standortvoraussetzungen hier sind optimal“, sagt EU-Kommissar Christos Stylianides. Er hat die Welzower am Dienstag bei ihren Plänen bestärkt. Wenn sie aber umgesetzt werden sollen, brauchen die Initiatoren zuerst einmal Rückendeckung aus Deutschland. Die Initiative für solch ein Ausbildungszentrum und die Beteiligung am „rescEU“-Programm auch mit Löschflugzeugen muss von dem jeweiligen Mitgliedsland ausgehen. Aus Berlin muss also das Signal kommen: „Wir sind bereit, in Deutschland solch ein Zentrum in der Grenzregion zu Polen aufzubauen.“ An dieser klaren Bereitschaft aber fehlt es bisher noch.

Flugplatz Welzow braucht Rückendeckung von Deutschland

Die Innenminister der Bundesländer und auch Vertreter von Feuerwehren in Deutschland tun sich schwer. Hierzulande gilt noch immer beinahe uneingeschränkt der altbewährte Grundsatz: Die Brandbekämpfung findet am Boden statt.
Das weiß auch Albrecht Broemme. Der THW-Präsident hat den Kampf gegen die Flammen und das Management bei Katastrophenlagen von der Pike auf gelernt und war viele Jahre lang Chef der Berliner Feuerwehr. Broemme ist überzeugt davon, dass die Zukunft ganz neue Anforderungen gerade an die Bekämpfung von Vegetationsbränden auf schwierigem Gelände stellt.

Deutschland ohne Experten für Einsatz von Löschflugzeugen

Bisher gibt es hierzulande kaum Erfahrungen mit dem Einsatz von Löschflugzeugen. Wer in Deutschland einen Experten für diesen Bereich sucht, findet bisher keinen. „Egal ob Flugzeug oder Hubschrauber“, sagt Albrecht Broemme, „wir müssen beispielsweise erforschen welche Wassermengen aus welcher Höhe abgeworfen, welche Wirkungen erzielt werden können. Und wie sieht es mit dem Einsatz beispielsweise von Drohnen beim Löschen aus?“ Broemme macht sich daher stark für eine Forschungseinrichtung gerade auf diesem Feld. Und die könnte in Welzow entstehen. Genau deshalb hält er die Zusammenkunft in dieser Woche in Welzow auch für ein „historisches Datum“, das wegweisend sein kann.
Ganz so euphorisch wie der THW-Präsident, der EU-Kommissar und die beiden Bürgermeister aus Senftenberg und Welzow Andreas Fredrich und Birgit Zuchold (beide SPD) sind andere Teilnehmer an der Welzower Fachtagung am Dienstag noch nicht.

Innenministerium setzt auf Bundespolizei und Bundeswehr

Frank Stolper leitet die zuständige Abteilung für den Katastrophenschutz im Brandenburger Innenministerium. Er setzt auch bei der Tagung in Welzow noch auf die bewährte Zusammenarbeit mit den Hubschraubern von Bundespolizei und Bundeswehr, auch wenn es in Zukunft um die Bekämpfung von Großfeuern aus der Luft geht.
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