Ente in Tschernitz
: Chicco ist der Star am Lohnteich

Wenn Franziska Reitsch mit ihrer Familie an den Strand des Lohnteichs in Tschernitz zieht, zücken viele Badegäste das Handy. Woran liegt das?
Von
Annett Igel
Tschernitz
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Chicco, der Star am Lohnteich, ist eine Laufente.

Chicco, der Star am Lohnteich, ist eine Laufente.

Annett Igel

Die Gemeinde Tschernitz in Döbern-Land hat gerade keinen Bürgermeister. Aber sie hat einen Star. Chicco heißt er. Fünfeinhalb Wochen ist er alt, und wenn er am Badestrand des Lohnteichs auftaucht, wird er von vielen Badegästen fotografiert. Derzeit begutachten alle seine kleinen Flügel. Wachsen Chicco an den Flügeln endlich ein paar Federn?

Chicco ist ein Laufenten-Küken. Ständig ist es Franziska Reitsch auf den Fersen. „Ich liebe Laufenten“, sagt die junge Mutter, „nicht weil sie Nacktschnecken fressen, sondern weil sie einfach hübsch sind und ganz besondere, quirlige Vögel.“

Familie Reitsch wohnt zwar noch in Forst, aber sie kümmert sich intensiv um einen Hof in Tschernitz. Immer wieder hatte Franziska Reitsch von Laufenten geschwärmt und sie sich für den Hof gewünscht – bis Ihr Partner mit ihr zu einem Züchter fuhr.

Brutkasten in Tschernitz: Küken klopft an die Schale

Laufenten legen reichlich Eier. Und sie brüten etwa 28 Tage. „Wir haben einen Brutkasten“, sagt Franziska Reitsch. Immer wieder prüfte sie mit den Kindern die Eier. Bis es plötzlich in einem Ei rappelte und piepte – früher als in den anderen befruchteten Enteneiern.

Franziska Reitsch geht mit Chicco im Lohnteich baden.

Franziska Reitsch geht mit Chicco im Lohnteich baden.

Annett Igel

„Wir hatten irgendwie das Gefühl, dass es das Küken nicht aus eigener Kraft schafft“, sagt Franziska Reitsch. Sie beschlossen, ihm zu helfen und begannen, das Ei abzupellen. Was vor allem von Gänsen bekannt ist, ereilte nun Franziska Reitsch in Tschernitz: Das Küken erblickte sie nach dem Schlüpfen als erstes Wesen und hält sie seither für seine Mutter. „Wir haben versucht, es wieder in unsere Laufenten-Schar einzugliedern“, sagt sie. Die anderen Küken waren ein paar Tage später geschlüpft. Bei ihnen hatte Franziska Reitsch darauf geachtet, dass sie zuerst die Glucke sehen. Ihnen Chicco noch „unterzujubeln“, ist nicht gelungen.

So ist Chicco jetzt ihr Haustier. Überall hin läuft das Küken ihnen nach. „Wenn wir spazieren gehen oder einkaufen fahren“, so die Forsterin. Sie achten besser auf ihre Wege. „Asphalt versuchen wir jetzt im Sommer zu meiden“, sagt Franziska Reitsch. Er werde einfach zu heiß für die Watschelfüße. Am Lohnteich fühlt sich Chicco besonders wohl, läuft mit der Familie ins Wasser, schwimmt und taucht unter.

Chicco mit Franziska Reitsch

Genug gebadet – mit Franziska Reitsch geht Chicco wieder nach Hause.

Annett Igel

Dass Chicco tatsächlich ein Erpel ist, zeigt sich immer deutlicher. Das aufgeregte Tschiepen wird allmählich ein Rufen – und immer lauter. Besonders, wenn Chicco seine Familie aus den Augen verliert.