Warum dürfen die Friseure seit dem 4. Mai wieder öffnen, Fußpflegesalons in Brandenburg aber noch nicht? In der kleinen Stadt Welzow, wo es keinen Podologen für die medizinische Fußpflege gibt und deshalb auch Fußpflegestudios in solchen Fällen helfen, hat das einen Mann in den vergangenen Wochen sehr viele Nerven gekostet. Er kümmert sich um seine Eltern.

Termin bei der Fußpflegerin in Welzow musste abgesagt werden

Der 86-jähriger Vater ist an Demenz erkrankt. „Schon in die Schuhe zu schlüpfen, bereitet meinem Vater viel Unbehagen. Dann noch zu laufen, muss ihm inzwischen sehr weh tun“, erzählt er. Der Welzower ist rechtlicher Betreuer in der Personensorge für seinen Vater und kümmert sich deshalb auch darum, dass der Senior medizinisch gut versorgt wird. „Im März hätten wir einen Termin bei unserer Fußpflegerin hier in Welzow gehabt. Der wurde abgesagt. Seither warten wir.“

Fußpfleger dürfen nicht öffnen – Schmerzpatienten landen in der Notaufnahme

Der Widerspruch bewegte bundesweit. Einige Bundesländer haben den Kosmetikern und Fußpflegern bereits gestattet, ihre Salons wieder zu öffnen. Es gibt Betroffene, die mit ihren Schmerzen in den Notaufnahmen gelandet sind. Unter dem Motto „Fußpflege ab 4. Mai wieder erlauben“ war noch vorm ersten Mai-Wochenende eine Petition an den Bundestag gegangen – mit 14 659 Unterstützern.

Die kosmetische Fußpflege gilt als körpernahe Dienstleistung und fiel deshalb mit unter das Öffnungsverbot. Lediglich die Podologen, die die medizinische Fußpflege auf Rezept anbieten, dürfen trotz Corona-Pandemie Patienten behandeln.

Die Spremberger Podologin Simone Zippack hat mit ihrer Kollegin alle Hände voll zu tun. „Wir arbeiten auf Rezept, haben aber ohnehin einen sehr großen Kundenstamm, sodass wir zusätzliche Anfragen gar nicht schaffen. Wir brauchen einfach mehr Podologen“, sagt sie. Weil es die nicht ausreichend gibt, helfen den betroffenen Menschen Kosmetik- und Fußpflegesalons.

Fußprobleme nehmen auch in Welzow keine Rücksicht auf Corona

Christina Jank betreibt seit 33 Jahren einen Fußpflegesalon in Welzow. Mit ihren Erfahrungen und Weiterbildungen kann sie die medizinische Fußpflege mit anbieten – ohne Rezept. Noch nie habe sie so viel telefonieren müssen wie jetzt. „Manche Kunden kommen mit ihrem Fußproblem alle drei oder vier Wochen zu mir. Für sie ist inzwischen der zweite oder gar dritte Termin ausgefallen“, erzählt sie. Einige Kunden habe sie schon zum Arzt geschickt.

Simone Zippack bestätigt das: „Wenn die Haare zu lang wachsen, verursacht das keine Schmerzen. Bei den Zehen und Füßen aber kann das sehr schlimme Auswirkungen haben“, sagt Podologin Simone Zippack. Ist ein Zehnagel eingewachsen, kann sich das entzünden. „Dann wird das schnell ein Fall für den Arzt“, so die Podologin. „Masken und Handschuhe liegen bei mir immer bereit. Regelmäßig werden wir kontrolliert, da wird dann auch nach den Desinfektionsmitteln gefragt“, sagt Christina Jank. Dass sich das Gesundheitsamt in dieser Woche einfach mal bei ihr erkundigt hat, macht ihr Hoffnung, am 11. Mai keine Kunden mit Termin mehr wegschicken zu müssen.

Handwerkskammer Cottbus sieht Fußpflege- und Kosmetiksalons in Gefahr

Auch die Handwerkskammer (HWK) Cottbus wartet täglich auf grünes Licht für die Kosmetiker und Fußpfleger, sagt Veronika Martin, Pressesprecherin der HWK. „Wir fordern die Öffnung für 533 Kosmetiksalons von der Landesregierung und erwarten dringendst, dass das Kabinett am 8. Mai dazu eine positive Entscheidung trifft“, so Veronika Martin.

HWK-Hauptgeschäftsführer Knut Deutscher sorgt sich um die Existenz dieser Handwerker – besonders um die Solo-Selbstständigen am Markt, die keinerlei Einkommen haben. Er versichert. „Kosmetiker und Fußpfleger setzen Hygienestandards längst um, die sind gesetzlich vorgeschrieben. Sie können das auch besonders gut einhalten, weil sie jeden Kunden einzeln behandeln.“

In Fußpflege- und Kosmetiksalons gelten strenge Hygienevorschriften

Dazu gehöre, die Salons täglich zu reinigen, Türklinken in regelmäßigen Abständen abzuwischen und die Behandlungsstühle nach jedem Patienten zu desinfizieren. Die Instrumente müssen mit speziellen Desinfektionsmitteln geputzt werden. „Und in der Fußpflege“, so Knut Deutscher, „ist das Tragen der Einmalhandschuhe und des Mundschutzes obligatorisch.“

Und nicht nur ältere Menschen brauchen die Fußpflege. „Auch jüngere Menschen, die körperlich schwer arbeiten müssen, immer mal wieder Druckstellen haben oder Hühneraugen, kommen zu mir“, sagt Christina Jank. Auch die Füße von Diabetikern sind durch die spröde und trockene Haut anfälliger für Verletzungen, die sie aber wegen der geschädigten Nerven selbst oft gar nicht bemerken. „Dass dann regelmäßig nachgeschaut wird“ ,so Simone Zippack, sei wichtig. Auch wer eine Chemotherapie durchmacht, könne Nagelprobleme bekommen.

Und Menschen, die mit einer Schuppenflechte zu kämpfen haben, kommen auch regelmäßig, so Christina Jank. In die Pflegeheime allerdings dürfen derzeit weder Podologen noch Kosmetiker und Fußpfleger.