Offiziell gibt es den Schein, der zum Auflesen von Holz in Wäldern berechtigt, schon Jahre nicht mehr. Das sagt Frank Hartig, der Forstleiter im Rotenhanschen Wald in Reuthen in Felixsee. Er kennt aber noch Zeiten, in denen 300 Menschen so eine Genehmigung hatten. „Versicherungstechnisch wäre das heute für uns nicht mehr machbar. Und wer soll das auch alles kontrollieren?“, sagt Hartig. Wer durch den Wald spaziert, erkennt nicht, in wessen Wald er gerade unterwegs ist. Es gibt viele Waldbesitzer kleinerer Flächen. Aber die Nachfrage nach Brennholz ist gestiegen – vor allem von Stadtbewohnern – und mit ihr der Brennholzpreis. Das spüren die Revierförster der Landeswald-Oberförsterei Peitz und Sprembergs Betriebshof, der sich um den Stadtwald kümmert.

Jeder Wald hat einen Eigentümer

Nicht alle fragen höflich nach. „Abends und an den Wochenenden sind vermehrt Holzsammler im Wald unterwegs“, beobachtet Sebastian Freiherr von Rotenhan. Wer einen Ofen oder einen Kamin hat, will jetzt sein Depot zu füllen, um im Winter bei steigenden Energiekosten sparen oder reagieren zu können, wenn Fernwärme und Gas limitiert werden. „Doch ich gehe auch nicht einfach in einen fremden Garten und hole mir Radieschen“, sagt Sebastian von Rotenhan, „wir wollen wenigstens gefragt werden.“

Leseholz ist in Brandenburgs Waldgesetz nicht extra geregelt

Ist es wie mit den Pilzen und Beeren? Ein Körbchen voll für den Eigenbedarf? In einigen Bundesländern schon: Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Baden-Württemberg und Bayern haben in ihren Waldgesetzen Regelungen zum Leseholz, das auf dem Waldboden liegt, getroffen. In Brandenburg ist das nicht extra geregelt und damit eine Grauzone entstanden. Hier greift nach Paragraf 15 des Waldgesetzes der Paragraf 17. Demnach fällt das Totholz unter „weitere Bestandteile des Waldes“. Und die dürfen nur mit schriftlicher Genehmigung des Waldeigentümers mitgenommen werden.
Claus-Rüdiger Seliger, der Leiter der Landeswald-Oberförsterei Peitz, hält auch nichts von den Holzlesescheinen: „Wir handhaben es wie mit dem Blumenstrauß. Man darf schon mal einen Ast mit nach Hause nehmen.“ Aber ungefragt eine Kiepe oder gar einen Pkw-Anhänger voll? Nein. Seliger schüttelt den Kopf.

Die Revierförster dürfen gefragt werden

An herumliegendem Holz mangelt es in vielen Landeswaldbereichen zwischen Lieberose und Tschernitz noch nicht. Bürgern, die Brennholz brauchen, rät Seliger, ihre Revierförster anzusprechen. Im Idealfall haben sie etwas Brennholz da. In den jungen Waldbeständen falle beim ersten Durcharbeiten Holz an, das sich noch nicht als Industrieholz verkaufen lässt und zu Brennholz verarbeitet werden kann. Wollen Bürger das Holz im Wald selbst sammeln und gleich vor Ort zersägen, wollen die Revierförster einen Motorsägeschein sehen. „Wir möchten einfach nicht, dass sich die Menschen in unserem Wald verletzten. Sie sollten den Umgang mit der Säge mal in einem Kurs gelernt haben“, sagt Seliger.
Da fürs Industrieholz nur die glatten Stämme interessant sind, bleiben die Kronen übrig und oft im Landeswald liegen. Die Kronen sind als Totholz nicht nur für verschiedene Tierarten interessant. „Hinter ihnen wachsen auch junge Bäume geschützter heran“, sagt Claus-Rüdiger Seliger.

Die Papierfabriken brauchen aber auch ihr Holz

Die Boscor-Gruppe, das land- und forstwirtschaftliche Unternehmen, hinter dem die Familien Reitzenstein und Rotenhan stehen, schickt das meiste Holz in die Sägewerke, wo es zu Brettern geschnitten wird. Als Frank Hartig vor mehr als zwei Jahrzehnten in Reuthen mit den Rotenhans startete, habe der Anteil des hochwertigen Schneidholzes bei 20 Prozent gelegen. „Heute“, so Hartig, „sind wir bei 88 Prozent. Wir haben also gar nicht mehr so viel minderwertiges Holz.“ Natürlich könne er auch hochwertiges Holz zu Brennholz zersägen. „Aber das würde viel zu teuer für die Leute“, so der Forstleiter, „da können sie auch gleich teures Gas oder Öl kaufen.“
Hält die Nachfrage nach Brennholz an, könnte in der Boscor-Gruppe darüber nachgedacht werden, ob Holz, das jetzt in die Papierindustrie geht, zu Brennholz verarbeitet wird. Dieses Holz ist von einer minderer Qualität als Schneidholz. „Aber was sagen dann unsere Papierproduzenten dazu?“, so Sebastian von Rotenhan. Zudem müsste sich dieser Wechsel dann auch wirtschaftlich lohnen – in der Nachfrage und im Preis.
Warum sich die Nachfrage nach Brennholz in den Förstereien jetzt eher lohnt als im Spremberger Betriebshof? Der Betriebshof hat nur im Winter Zeit fürs Holzlager und den Stadtwald. Die Förstereien und forstwirtschaftlichen Unternehmen schlagen das ganze Jahre über Holz. In den Sommermonaten ist das fast ausschließlich Nadelholz ist.

Landeswald von Tschernitz bis Lieberose

Brandenburg gehört zu den waldreichsten Bundesländern und hat 1,1 Millionen Hektar Waldflächen. Im Eigentum des Landes sind davon 280.000 Hektar. Davon gehören zur Landeswald-Oberförsterei Peitz 22.897 Hektar von Tschernitz an der Landesgrenze zu Sachsen im Spree-Neiße-Kreis bis Lieberose am ehemaligen Truppenübungsplatz in Dahme-Spreewald. Aufgeteilt ist dieser Landeswald um Peitz in zwölf Reviere mit je durchschnittlich 1884 Hektar Wald. 2400 Hektar Wald auf Kippenboden sind eine Besonderheit dieser Landeswald-Oberförsterei.