Flink ziehen sie die Sportschuhe und Socken von den Füßen. An der Kutzeburger Mühle kommt diese Nordic-Walking-Gruppe regelmäßig vorbei. So früh, dass der Kiosk mit der Limonade noch geschlossen ist. Also rein mit den Füßen ins Spree-Wasser.
Kalt? Die Männer und Frauen lachen und schütteln die Köpfe. 18 Grad Celsius Wassertemperatur waren es an diesem Morgen in Spremberg. Hier am seichten Ufer in Höhe Cottbus-Gallinchen sind es 19 Grad – und kein Eisenhydroxid-Schlamm trübt den Blick auf den Grund. Die Gastwirtschaft an der Kutzeburger Mühle wirbt mit der Badestelle. „Als ich Kind war, gab es hier mindesten zwei offizielle Badestellen“, erzählt ein Senior mit Hund aus Gallinchen. „Meist ist es recht flach am Ufer. Aber hinten an der Autobahnbrücke – da geht es schnell zwei Meter tief runter“, warnt er.
Baden in Cottbus und Spree-Neiße Ist das Schwimmen in Seen illegal?

Cottbus

Baden an der Spree ist erlaubt. Im Wasserhaushaltsgesetz im Paragrafen 25 läuft das unter „Gemeingebrauch“. Jedermann darf tauchen – auch mit Atemgerät, mit Handgefäßen Wasser schöpfen, Tiere tränken, ein Schiffchen oder ein Taschentuch schwemmen und baden. Das bestätigt Thomas Frey, Pressesprecher im brandenburgischen Landesamt für Umwelt. Aber all das tue jeder auf eigene Gefahr, betont er. „Wo Gefahren lauern, werden Gefahren- und Verbotsschilder aufgestellt“, sagt Frey.

In Cottbus darf man nicht von Brücken in die Spree springen

Damit schützen sich die Kommunen. So sei das Springen von Brücken in Cottbus verboten, sagt Stadtsprecher Jan Gloßmann. Das Baden am Stadtmühlenwehr in Spremberg ist per Schild untersagt. Und wo sich in Spremberg-Cantdorf die neue Wilhelmsthaler Brücke über die Spree schwingt, verbietet der Landkreis Spree-Neiße das Befahren, Tauchen und Baden.
„Wir sind als Cantdorfer Kinder nie auf die Idee gekommen, in der Spree zu baden“, erinnert sich der Ortsvorsteher René Nakoinz. Breit ist die Spree in Cantdorf und das Ufer nicht sehr zugänglich. Ganz anders verhielt sich das über Jahrzehnte im Süden Sprembergs. Da gab es die Sandbank in Trattendorf in Höhe des „Schmiedestübchens“. Erst vor zwei Jahren im Zuge der Sanierung der Bootstege ist sie verschwunden.
Besonders gern wird an die Flussbadeanstalt in Spremberg-Slamen erinnert. Stolz zeigte Christa Meyer für den Spremberger Heimatkalender 2015 ihr Freischwimmer-Zeugnis – erworben 1939 in der Spree. Der Heimatforscher Günther Kraske weiß, dass das Baden in der Spree in ganz Spremberg außerhalb der Badeanstalt mal verboten war. Aber das habe die Polizeiverwaltung 1905 nur erlassen, um die gebührenpflichtige Nutzung der Flussbadeanstalt anzukurbeln.

Bis über die Knie im Schlamm

Diese Zeiten sind vorbei. Der Kanute Armin Kießlich will angesichts des Eisenhydroxid-Schlamms kein Flussbad empfehlen. „An der Spreespitze nahe dem Weißen Wehr haben wir zwar schon Jugendliche dabei beobachtet, aber wir Kanuten baden eher unfreiwillig in der Spree.“ Was nicht ausschließe, dass an heißen Sommertagen nach dem Training vom Anleger vorm Bootshaus mal zur Erfrischung ins Wasser gesprungen wird.
Der Untergrund sei leider oft stark verschlammt. Im Jahr 1979, so erinnert sich Kießlich, ist der vorerst letzte Schwimmbagger zum Entschlammen in diesem Teil der Spree unterwegs gewesen. „Wer auf der Anglerheim-Seite ins Wasser fällt, muss damit rechnen, bis über die Knie im Schlamm zu stehen. Das ist an Stellen so, wo die Spree wenig strömt“, sagt er.
Als Trainer lasse er die Kinder nur in voller Kanu-Montur in die Spree. Mit Schwimmweste, festem Schuhwerk und möglichst in Neopren-Sachen. Wer beim Wildwassertraining am Weißen Wehr in die Spree fällt, trage zudem einen Helm.

Auch Phenole kamen schon die Spree hinunter

Dass jemand gesundheitliche Probleme bekommt, weil er in der Spree gefallen ist, hat Kießlich in seinen 52 Jahren als Kanute nicht erlebt. Aber die Eisenflocken seien mal größer, mal kleiner. „Es kamen auch schon Phenole oder ähnliche Rückstände die Spree runter“, erinnert er sich. Das sei im Sommer 1973 gewesen. „Im Rückwasser hinter dem Weißen Wehr bildete sich damals eine teerartige, etwa zehn Zentimeter dicke Schicht.“
Doch hinter der Talsperre Spremberg ist die Spree ein ganz anderer, ein klarer Fluss. Jubelnd springen Jordan Minge, Lennox Liebner und Lois Tober ganz in der Nähe des Kiekebuscher Wehrs ins Wasser. Sie sind Schüler der Lausitzer Sportschule in Cottbus und gehen oft in der Spree baden. „Das ist hier eine tolle Gegend. Die Natur ist sehr schön“, sagt Jordan Minge. „Nach dem anstrengenden Fußballtraining“, so Lennox Liebner, „können wir hier entspannen.“

In Cottbus-Sandow ist Baden auf eigene Gefahr erlaubt

Die beliebteste Flussbadestelle in Cottbus liegt im Stadtteil Sandow nahe der Sanzebergbrücke. „Baden auf eigene Gefahr“, ist dort auf einem Schild der Stadt Cottbus zu lesen. Seit etwa zehn Jahren, so Stadtsprecher Jan Gloßmann, soll es dort stehen.
Wäre so ein Schild in Spremberg denkbar? Vize-Bürgermeister Frank Kulik lacht. „Bei der Wasserqualität und der schlechten Sicht?“ Da würde er lieber ein Hinweisschild aufs Freibad Kochsagrund ans Spreeufer stellen.
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