Zoé aus Lindenau
: Schwerstbehindert – so beeindruckt die kleine Kämpferin

Die kleine Zoe kommt schwerstbehindert zur Welt und musste schon viele Krankenhausaufenthalte erleben. Wie geht es ihr und ihren Eltern in Lindenau? Kann das Therapiezimmer eingerichtet werden oder bleibt es ein Traum?
Von
Silke Wentingmann-Kovarik
Lindenau
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Die Eltern mit Zoé vor ihrem Eigenheim in Lindenau.

Silke Wentingmann-Kovarik

Gäbe es einen Wettbewerb mit ihrem Papa, dann hätte ihn die kleine Zoé gewonnen. Denn während die Baufortschritte im Eigenheim von Familie Schröder in Lindenau noch nicht direkt ins Auge fallen, verhält es sich mit den Fortschritten der Zweieinhalbjährigen ganz anders.

Noch im Januar, vor gerade einmal zwei Monaten, ist an Laufen nicht zu denken. Doch jetzt hält das Mädchen die Mutti auf Trab: „Laufen“, fordert sie lautstark die nötige Unterstützung ein und wackelt im Wohnzimmer vom Spielteppich zur Couch, zur Spielzeugtonne, zur Murmelbahn. Dass Mutti Aileen ihr dabei noch unter die Arme greifen muss und die bunten Orthesen über der Strumpfhose die Beinchen stabilisieren, das ist nebensächlich. Wichtig ist: Es geht voran.

Mit Geduld klappt vieles. Auch das Treffen dieses Nachrichtenportals mit Zoé und ihren Eltern kommt nun – im zweiten Anlauf – zustande.

So geht es Zoé in Lindenau

Bereits im Januar, unmittelbar vor einem Reha-Aufenthalt, wirft eine Erkrankung der Kleinen das geplante Treffen über den Haufen. „Nur kein Risiko eingehen“, heißt es damals, denn bereits zuvor muss ein Reha-Aufenthalt wegen Beinbruch und schlimmer Erkältung erst unter-, dann gar abgebrochen werden.

Zoé ist von Geburt an mehrfach schwerstbehindert. Sie kommt im August 2021 mit vielen Fehlbildungen und den verschiedensten Einschränkungen, unter anderem Schluck- und Atembeschwerden, zur Welt. In ihrem jungen Leben hat sie bereits so viele Krankenhausaufenthalte und Operationen hinter sich, wie kaum ein Erwachsener.

Stehen, laufen, greifen – Training ist für Zoé wichtig

Die Reha-Maßnahmen dienen dazu, dem Kind gebündelt Untersuchungen und Therapien verschiedenster Art zugutekommen zu lassen, gleichzeitig werden Hilfsmittel – in diesem Fall mehrere Orthesen – überprüft und die Eltern zu unterschiedlichen Inhalten beraten.

Mit einem großen Ziel sind Zoé und Aileen nach Brandenburg an der Havel gereist: Das Mädchen soll nicht nur seine Muskulatur an Armen und Beinen stärken, sondern aus dem Liegen selbstständig ins Sitzen kommen. Dass dies nicht geklappt hat, sieht die Familie keinesfalls als Rückschlag, vielmehr freut sie sich darüber, was ihre Tochter jetzt schon besser kann.

Dabei ist es nicht nur das Laufen, was Zoé übt. Auch das Greifen mit beiden Händen klappt nun schon besser. Vor allem auch, weil sie es schafft, ihre Arme anzuheben und in der Körpermitte zu halten. Voller Stolz zeigt die Kleine, wie gut sie das kann. In ihrem Kinderstühlchen sitzt sie am Stubentisch, vor sich ein Spielhaus mit kleinen Figuren. Peppa und Schorsch, zwei lustige Schweinchen der Familie Wutz, haben es ihr angetan. Sie schwatzt munter vor sich hin und schafft es mit Konzentration, die Figuren im Haus zu bewegen.

Hier ist alles schon fertig eingerichtet, im Gegensatz zum Zuhause von Familie Schröder.

Zoé und ihre Mutti Aileen gewähren einen Einblick in ihr Zuhause.

Silke Wentingmann-Kovarik

Noch immer bewältigen die jungen Leute ein Leben auf der Baustelle. „Um den Preis zu drücken haben wir uns entschieden, einen Großteil des Innenausbaus allein zu übernehmen“, erklärt Papa Denny. Wenn er nicht in Dresden im Schichtdienst arbeitet, ist der Beamte akribischer Heimwerker. Gern wäre er auf seiner Baustelle schon weiter, was fehle, sei manchmal einfach die Zeit.

Aber wenn Untersuchungen bei seiner Tochter nötig sind, setzt er Prioritäten und lässt Frau und Kind das nicht allein durchstehen. Er freut sich jedenfalls schon jetzt auf die großen Augen seiner Lieben, wenn sie das erste Mal die besondere Dusche im eigenen Haus nutzen können. Und dann sei das Therapiezimmer an der Reihe.

Therapiezimmer für Zoé soll beim Muskelaufbau helfen

Der 16 Quadratmeter große Raum befindet sich im Anbau des Bungalows und soll sturzsicher und entsprechend der Bedürfnisse von Zoé eingerichtet werden. Die Pläne für dieses Zimmer können dank einer Spendenaktion nun vielleicht sogar schneller in die Tat umgesetzt werden, als ursprünglich geplant.

Während es für die jungen Eltern zunächst ein Traum ist, sorgt ein Aufruf kurz vor dem Weihnachtsfest für unverhoffte Unterstützung. Durch eine vom Park- und Kulturverein initiierte Spendensammlung soll die Ausstattung finanziert werden. 8000 Euro sind das Ziel. Schröders sind überrascht und voller Dankbarkeit.

Indessen ist die Aktion abgeschlossen. Organisatoren und Mitstreiter wollen in Kürze den symbolischen Spendenscheck übergeben und auch bekannt geben, wie viel Geld zusammengekommen ist. Vielleicht bleibe sogar noch etwas für eine Hilfe bei den Malerarbeiten übrig, wagt die junge Frau vorsichtig eine Prognose. Wer weiß.

Die kleine Zoe mit ihren Eltern. Seit Kurzem hat sie einen Rollstuhl.

Torsten Schröder

Dankbar für Entgegenkommen, Unterstützung und Hilfe

Aileen Schröder ist froh, dass ihr Mädchen die lange Unterbrechung im vergangenen Herbst und nach der Reha gut weggesteckt hat. Kein Weinen, kein Trennungsschmerz am frühen Morgen. Eine erneute Eingewöhnung ist nicht nötig.

Das macht es auch für sie einfacher, wieder Vollzeit zu arbeiten. Momentan passiert dies hauptsächlich aus dem Home-Office. So könne sie sich die Zeit einteilen. Und die nächsten ruhigen Minuten? Die sind bereits verplant. Aileen feilt an einem Dankschreiben.

Kein schlechtes Gewissen trotz Kita

● Momentan wird Zoé durch mehrere Therapeuten und in der Integrationskita in Lauchhammer gefordert und gefördert. Bewusst hätten sich die Eltern dazu entschieden, ihre Tochter bereits als Einjährige in die Kita zu geben.

● Die Bedenken, dies sei zu zeitig, hätten sich schnell zerstreut. Zoé habe da unter anderem Essen gelernt.

● Von Beginn an wird sie von einem Fahrdienst morgens abgeholt und nach dem Mittagsschlaf wieder nach Hause gebracht.

● Bald wird sich die Betreuungszeit um eine Stunde erhöhen.

● Dann ist Zoé bis 15 Uhr mit anderen Kindern zusammen.