Von Catrin Würz und Jan Augustin

Der Wahlerfolg der AfD spiegelt sich auch in den Wahlkreisen 38 und 39 wider. Ob Senftenberg, Lauchhammer, Schipkau Schwarzheide, Ortrand oder Ruhland: Die Alternative für Deutschland hat hier bei den Zweitstimmen die mit Abstand meisten Wähler gewonnen. In Frauwalde in der Gemeinde Großkmehlen kommt die AfD sogar auf 53,8 Prozent. Nur in Großräschen konnte die SPD ihre Vormachtstellung behalten und behauptet mit 35,2 Prozent den Spitzenplatz, gefolgt von der AfD mit 29,2 Prozent.

Respa erzielt erstaunliches Resultat

Anders als im Rest der Lausitz konnten die Rechtspopulisten im Süden des Oberspreewald-Lausitz-Kreises bei den Erststimmen aber nicht punkten. Während Im Wahlkreis 39 Wolfgang Roick (SPD) das Direktmandat holte, weil er sich knapp gegen Matthias Stein (AfD) durchsetzte, gewann Ingo Senftleben (CDU) im Wahlkreis 38 hauchdünn vor Gabi Theiss (SPD). Ganze 95 Wählerkreuze trennen die beiden. Wie das Ergebnis ausgegangen wäre, wenn der AfD-Kreisvorsitzende Silvio Wolf seine Antragsunterlagen nach gesetzlichen Vorgaben eingereicht hätte, bleibt offen. So aber konnte ein anderer Bewerber ein erstaunliches Resultat erzielen: Marcel Respa aus Schwarzheide.

Respa will Partei gründen

Immerhin überzeugte der Friseur und Unternehmer 2773 Bürger und schaffte 14,1 Prozent. „Wir sind zufrieden“, sagt er am Montag – seinem 42. Geburtstag. Dass er diesen nicht so richtig feiern konnte, habe nichts damit zu tun, dass er das Direktmandat nicht holen konnte. Bei der kleinen Wahl- und Geburtstagsfete am Sonntagabend verletzte er sich die frisch operierte Achillessehne erneut und musste noch in der Nacht zur Notaufnahme. Respa werde dennoch „positiv nach vorn blicken“. Demnächst will der noch parteilose Einzelbewerber eine neue Partei gründen. Details wollte er am Montag noch nicht verraten.

Roick setzt sich gegen Stein durch

Auch nicht ganz ohne (Bauch-)Schmerzen hat der SPD-Politiker Wolfgang Roick den Wahlabend verbracht. In seinem Wahlkreis 39, in dem sich der Großräschener zum zweiten Mal um einen Landtagssitz bewarb, musste er bis zur Auszählung der allerletzten Stimmen bangen, bevor klar war, dass er das Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem AfD-Kandidaten Matthias Stein gewinnen würde. Mit 250 Stimmen liegt Roick am Ende vorn, ist „stolz und glücklich über den Wahlsieg, zu dem sicher auch meine Arbeit in den vergangenen fünf Jahren beigetragen hat“, erklärt er am Tag 1 nach der Wahl. Immerhin ist Roick nun einer von landesweit nur noch 25 SPD-Politikern, die direkt in das Landesparlament einziehen können. Mit 30,3 Prozent der  Stimmen holt er zudem das sechstbeste Ergebnis eines Direktkandidaten überhaupt bei dieser Landtagswahl.

Stein konzentriert sich auf Kreistag

Der unterlegene AfD-Politiker Matthias Stein aus Sedlitz ist zwar enttäuscht, am Ende so knapp am Direktmandat vorbei geschrammt zu sein. „Aber dieses Wahlergebnis zeigt auch, dass wir als AfD jetzt eine feste Größe sind und die Sorgen der Menschen erkannt haben“, sagt er gegenüber RUNDSCHAU. Am Wahlabend war Stein als Wahlbeobachter zur Auszählung der Briefwahlstimmen in Senftenberg unterwegs. Der Sedlitzer Unternehmer will sich nun in seiner politischen Arbeit auf den Kreistag Oberspreewald-Lausitz und die Senftenberger Stadtverordnetenversammlung konzentrieren – in beidem ist der 48-Jährige seit Mai Mitglied.

Freie Wähler mit fünf Mandaten

Indes hatte der Morgen nach der Landtagswahl eine weitere Überraschung für die Region zu bieten: Auch Ilona Nicklisch aus Brieske, die für BVB/Freie Wähler im Wahlkreis 39 (Oberspreewald-Lausitz II/Spree-Neiße IV) insgesamt 1421 Stimmen (6,7 Prozent) holte, wird nun demnächst in den Brandenburger Landtag einziehen. Die 61-Jährige war in ihrer Partei auf Listenplatz 2 gestellt. Die Freien Wähler gewannen landesweit beachtliche fünf Mandate – das war auch die Eintrittskarte für die Brieskerin. „Ich bin gespannt auf diese neue Aufgabe“, erklärt sie am Montag. Am Donnerstag wird es ein erstes Treffen der neuen Freie-Wähler-Fraktion geben. Nicklisch wolle sich explizit für den ländlichen Raum einsetzen. „Und ich will den Menschen gut zuhören. Etwa, was die etablierten Politiker offenbar zuletzt nicht mehr genug getan haben“, sagt sie.

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