Ein Eklat bei den Stadtverordneten in Ortrand (Landkreis Oberspeewald-Lausitz) zieht Kreise. Nach deren Versammlung am 6. Oktober hat CDU-Bürgermeister Niko Gebel am Freitag gegen einen AfD-Stadtverordneten Strafanzeige gestellt; die Polizei ermittelt.
Brisant: Der AfD-Mann ist der Vater des Bürgermeisters. Bei der Sitzung kam es vor vollem Saal zum lautstarken Wutausbruch des Vaters, Hagen Gebel, gegen den Sohn. Später hat der Senior laut Zeugen seinen Sohn auf einem Parkplatz angegriffen.
Die politische Dimension des Falls betrifft das Verhältnis beider Parteien. Die CDU hat ihre starke Position in der Lausitz an die AfD verloren. Deren brandenburgischer Landesverband wird vom rechtsextremen Flügel dominiert – ist aber in den Kommunen so stark vertreten, dass die anderen Fraktionen schwer aus dem Weg gehen können.
Immer wieder kommt es zu lokaler Zusammenarbeit – zuletzt in Forst, wo der Fraktionschef der Linken abtreten musste. Von der CDU hat die AfD viele Mitglieder und Wähler übernommen.
Die Frage, wie mit der teilweise offen rechtsextrem auftretenden AfD umzugehen sei, hat CDU-Landesverbände gespalten. Beispiel Thüringen, wo der unklare Kurs den ehemaligen Landeschef Mike Mohring das Amt kostete. Beispiel Sachsen-Anhalt, wo es zum offenen Zwist von AfD-freundlichen CDU-Leuten mit ihrer Landesspitze kam.
Ortrands ehrenamtlicher Bürgermeister Niko Gebel ist auch Chef des CDU-Kreisverbands. Erst im August wurde der 35-jährige Steinmetzmeister an die Spitze der Christdemokraten in Oberspreewald-Lausitz gewählt. Über seinen der AfD angehörigen Vater sagt er: „Wer sich mit Kalbitz gemein macht, muss damit leben, dass er als rechtsradikal eingestuft wird.“