Tagebau Greifenhain: So geht Bergbausanierer LMBV am Altdöberner See ins Finale

Der Rütteldruckverdichter der Firma Ecosoil aus Senftenberg hat im Auftrag von Bergbausanierer LMBV von April 2024 bis Juni 2026 die geotechnische Sicherheit an der ehemaligen Rutschung am Altdöberner See hergestellt. Rechts ist die 70 Meter lange Rüttellanze zu sehen.
Torsten Richter-Zippack- Rütteldruckverdichtung im Nordbereich des Altdöberner Sees abgeschlossen – letzter Punkt am 10. Juni 2026.
- Oberflächennahe Stabilisierung folgt: Fallgewichte und spezielle Walzen im nordwestlichen und östlichen Böschungsbereich.
- Inseln und Untiefen werden entfernt, Ufer per Schürfkübelbagger profiliert; Kliff bei Pritzen wird mit Wasserbausteinen gesichert.
- See füllt sich weiter mit Grundwasser: knapp 900 Hektar aktuell, geplant sind 1050 Hektar.
- Freigabe erst in den 2030er-Jahren; geplante Pumpstation nahe L 53 soll Teiche mit Seewasser speisen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Schon etwas wehmütig blickt der Altdöberner Bürgermeister Peter Winzer auf den 29. Juni 2026. Denn an jenem Montag wird der Lausitzer Seenverbund, bestehend aus jeweils fünf Seen und Kanälen, feierlich eröffnet. Winzers Altdöberner See ist nicht dabei. Und auch nicht nächstes oder übernächstes Jahr ist am bereits sichtbaren künftigen Badestrand östlich von Altdöbern mit einer Freigabe zu rechnen. Erst in den 2030er-Jahren soll es soweit sein, heißt es von Bergbausanierer LMBV. Wann genau, könne zum jetzigen Zeitpunkt noch niemand sagen.
Dabei sind die Sanierer jetzt auf die Zielgerade eingebogen. Die umfangreiche Rütteldruckverdichtung im Nordbereich des Altdöberner Sees ist abgeschlossen. Am 10. Juni 2026 wurde der letzte Punkt mittels Rütteldruckverdichtung (RDV) zur Böschungssicherung am Restloch Greifenhain, dem Altdöberner See, abgearbeitet.
In den vergangenen gut zwei Jahren sind nach Angaben von LMBV-Projektmanager Tobias Kienz rund 3,3 Millionen Kubikmeter Kippenboden mittels RDV geotechnisch gesichert worden. Der Rüttler hatte sich das Areal in einem 4-x-4-Meter großen Raster vorgenommen. Die 70 Meter lange Rüttellanze drang dabei bis 60 Meter in den Kippenboden ein. Damit wurden sowohl Wasser als auch Luft aus den Zwischenräumen zwischen den einzelnen Sandkörnchen herausgepresst. Oder anders ausgedrückt: Die Abstände zwischen den Sandkörnern werden geringer.
Gearbeitet wurde im Bereich der großen Rutschung im Nordwestbereich des Restloches. Im zeitigen Frühjahr 2008 waren dort mehr als anderthalb Millionen Kubikmeter ungesicherte Kippe in Bewegung geraten. Glücklicherweise kam damals kein Mensch zu Schaden. Jetzt, fast zwei Jahrzehnte später, ist der Kippenboden entsprechend stabilisiert.
In Altdöbern fallen 30-Tonnen-Gewichte aus 30 Metern
Aber noch nicht in Gänze. Denn die Lanze vermag zwar in größeren Bodentiefen die geotechnische Sicherheit herzustellen. Für die oberflächennahen Schichten müssen jedoch andere Technologien ran. Beispielsweise mittels spezieller Walzen (Landpac). Oder durch Fallgewichte. Dabei werden Platten mit einem Gesamtgewicht von 30 Tonnen in 30 Meter Höhe gezogen und von dort auf den Boden fallen gelassen. Das werde künftig im nordwestlichen und östlichen Böschungsbereich des Altdöberner Sees geschehen, kündigt Tobias Kienz an.

Erinnerung an die letzte Rütteldruckverdichtung am Altdöberner See: Gerd Richter von der LMBV (M.) hat Ecosoil-Geschäftsführer Axel Bretfeld (l.) und Altdöberns Bürgermeister Peter Winzer mit je einem Luftbild des ehemaligen Tagebaus Greifenhain und jetzigen Altdöberner Sees bedacht.
Torsten Richter-ZippackZuständig für die Arbeiten zeichnet sich indes die Senftenberger Firma Ecosoil. Geschäftsführer Axel Bretfeld spricht von einer „schon anspruchsvollen Aufgabe“. Sein Unternehmen zähle 150 Mitarbeiter, davon 149 aus der Lausitz. Nur Bretfeld selbst lebe in Berlin. Übrigens ist Ecosoil auch mit der aktuell laufenden Sicherung des Rutschungskessels am Knappensee bei Hoyerswerda beschäftigt.
Das macht die LMBV mit der Halbinsel Pritzen
Des Weiteren wartet im Altdöberner See eine weitere große Herausforderung. Und zwar die Beseitigung der ufernahen Inseln und Untiefen. Ähnlich wie zuletzt am Sedlitzer See sei die Entfernung des dortigen Baumbestandes vorgesehen. Durch den Anstieg des Grundwassers waren vorgelagerte Erdmassen samt ihrer Waldbestände unter Wasser geraten. Diese gelte es jetzt zu entfernen. Außerdem werde mittels sogenannter Schürfkübelbagger das künftige Seeufer profiliert.
Obendrein ist die Halbinsel Pritzen im Altdöberner See bereits Baustelle. Dort hatte sich durch Wind und Wellen ein vier bis sechs Meter hohes Kliff gebildet. „Ohne unser Gegensteuern hätte es sich weiter ins Hinterland vorgeschoben“, erklärt Gerd Richter, LMBV-Sanierungsbereichsleiter Lausitz. In diesem Fall wären die dort befindlichen Pritzener Grundstücke in Gefahr geraten. Aktuell werde eine Ebene in der Böschung hergestellt, um dort schützende Wasserbausteine zu platzieren. Jede dieser Klamotten habe eine Kantenlänge von jeweils einem Meter. Pro Lkw könnten demnach nur zwei bis maximal vier dieser Wasserbausteine angeliefert werden.
So viel Wasser fehlt noch im Altdöberner See
Indes stellt die LMBV klar, dass nach dem Abschluss der Herstellung der Lausitzer Restlochkette östlich von Senftenberg die kontinuierliche Sanierung des Tagebaus Greifenhain und damit des Altdöberner Sees oberste Priorität besitze. Eine Unterbrechung der entsprechenden Arbeiten werde nicht stattfinden.
Der Altdöberner See ist nach Angaben des LMBV-Geoprotals aktuell knapp 900 Hektar groß. In der Endphase solle das Gewässer bis auf 1050 Hektar Wasserfläche anwachsen. Derzeit fehlen noch gut zweieinhalb Meter Wasser, bis das Restloch vollgelaufen ist.
Ausschließlich Grundwasser aus dem Lausitzer Grenzwall strömt in den Altdöberner See. Es gibt auch keine Verbindung zu den gefluteten Restlöchern in der Nachbarschaft, etwa dem Großräschener und dem Gräbendorfer See. Das Wasser im Altdöberner See weist eine hervorragende Wasserqualität auf. Doch wer im Restloch des alten Tagebaus Greifenhain baden will, müsse noch einige Jahre warten. Bürgermeister Peter Winzer wünscht sich diesen Anbadetag sehnlich herbei. Der Kommunalpolitiker hofft, dass er diesen noch erleben werde. Winzer ist jetzt 75 Jahre alt.
Warum die LMBV in Altdöbern eine kleine Pumpstation bauen wird
Eine neue Baustelle dürfte es in Zukunft nahe der Altdöberner Tankstelle unweit der Landesstraße 53 (Altdöbern – Großräschen) geben. Dort plant Bergbausanierer LMBV den Bau einer kleinen Pumpstation. Diese solle künftig 150 Liter Wasser je Sekunde liefern. Davon profitierten die Teiche in und bei Altdöbern.
Derzeit werden diese Gewässer noch mittels Wasser aus der Grubenwasserrainigungsanlage Rainitza in der Nähe von Großräschen beliefert. Das ist allerdings teuer, da das Wasser über den Höhenzug des Lausitzer Grenzwalls transportiert werden muss. Künftig werde das qualitativ hervorragende Wasser aus dem Altdöberner See zur Stützung der Teiche genutzt.
Der Altdöberner See befindet sich derzeit komplett im geotechnischen Sperrgebiet. Die entsprechenden Schilder sind unbedingt zu beachten. Mit einer Freigabe des Gewässers ist erst in den 2030er-Jahren zu rechnen. Der konkrete Zeitpunkt hängt vom Fortgang des Sanierungsgeschehens ab.


