Ortsnamen in der Lausitz
: Hat Senftenberg wirklich etwas mit Senf zu tun?

Viele interessiert, weshalb der Ort, in dem sie leben, so heißt, wie er heißt. Bei Senftenberg denkt man an Senf und Berg. Einen Berg gibt es. Aber hat das Gewürz wirklich etwas mit der Stadt zu tun?
Von
Torsten Richter-Zippack
Senftenberg
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Koschen ist das Urlauberdorf am Senftenberger See. Links ist der Steinbruch Koschenberg zu sehen. Die dortige Umfahrung soll bald mit einer hochmodernen Kehrmaschine gesäubert werden.

Blick von Ost nach West über den Senftenberger See und seine Insel. Die beiden Orte im Vordergrund sind Klein- und Großkoschen.

Blick auf den Senftenberger See und die namensgebende Stadt mit ihren Ortsteilen Kleinkoschen (unten, Mitte) sowie Großkoschen (unten, links). Der Koschenberg ist am linken Bildrand zu sehen. Mit dieser Erhebung steht der Name „Senftenberg“ in Verbindung.

LMBV/Steffen Rasche
  • Senftenberg heißt „sanft am Berg“ – nicht vom Gewürz „Senf“ abgeleitet.
  • Stadt liegt im Urstromtal; sanfter Anstieg zum Koschenberg (176 m einst).
  • Raunoer Berge und Koschenberg prägten das Gelände; Steinbruch seit dem 16. Jh.
  • Sorbisch „Zly Komorow“: „schlimmer Mückenort“ oder „schlimme Kammer“.
  • 750-Jahr-Feier für Ersterwähnung vom 6.10.1279 ist für 2029 geplant.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Ist von Senf und Lausitz die Rede, dürften viele an „Bautz’ner Senf“ denken - egal ob scharf oder mittelscharf - beides schmeckt. Seit 160 Jahren wird in Bautzen Senf hergestellt - genauer im Ortsteil Kleinwelka.

Dagegen wurde in Senftenberg, der Stadt, die das Gewürz in ihrem Namen trägt, industriell nie Senf hergestellt. Und auch der „Senfti“, wie der Senftenberger See auch liebevoll genannt wird, hat mit Senf überhaupt nichts zu tun. Doch Senf aus Bautzen gibt's in den Lebensmittelgeschäften in Senftenberg ganz sicher zu kaufen.

Die Einheimischen nennen Senftenberg manchmal „Mostrichhügel“ - für „Senf“ und „Berg“ werden Synonyme verwendet. Diese Wortspiele liebt man in der Lausitz, und so spielt man mit Worten und nennt beispielsweise Finsterwalde auch mal „Düsterbusch“. Andere Orte haben Beinamen wie Universitätsstadt, Seestadt, Hafenstadt, Stadt am Berg und Spreewaldstadt.

Das sind die Berge um Senftenberg

Was die Stadt Senftenberg betrifft, hat nur der Wortteil „Berg“ einen wahren Hintergrund. Auf den ersten Blick nicht sofort sichtbar, auf den zweiten und dritten hingegen schon, lag die Stadt einst zwischen zwei markanten Erhebungen. Im Norden erstreckten sich die Raunoer Berge mit ihrer legendären Höhe 304, benannt von ehemaligen Soldaten des Ersten Weltkrieges, die im französischen Verdun an dieser Erhebung kämpfen mussten. Der Senftenberger Heimathistoriker und Buchautor Norbert Jurk, glaubte, dass damit die gesamte Raunoer Hochfläche gemeint gewesen sein könnte. Diese erreichte bei 159,1 Metern über dem Meer ihren höchsten Punkt.

Das gesamte Gebiet wurde in den 1980er-Jahren durch den Tagebau Meuro überbaggert, um das zweite Lausitzer Braunkohlenflöz zu gewinnen. Heute ist der Höhenzug nördlich von Senftenberg durch die aufgeschüttete Reppister Höhe ein Stück weit wiedererstanden. Dort befindet sich eine Erinnerungsstätte für die sechs Orte, die der Grube zwischen Senftenberg und Großräschen weichen mussten.

Der Koschenberg, einst Olymp der Niederlausitz

Von diesem Aussichtspunkt haben Besucher einen guten Blick auf den höchsten Punkt bei Senftenberg. Dieser befindet sich südöstlich der Stadt und erhob sich einst 176 Meter über dem Meer. Es handelt sich um den sagenumwobenen Koschenberg. Auch, wer am Stadtstrand des Senftenberger Sees steht, hat den Koschenberg im Blick.

Oder was davon übrig geblieben ist. Denn bereits seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts befindet sich dort ein Steinbruch. Der Abbau der begehrten Grauwacke, eines der festesten Gesteine überhaupt, hat den Gipfel mehr oder weniger verschwinden lassen. Die Erhebung wurde einst als „Olymp der Niederlausitz“ bezeichnet.

Stattdessen erstreckt sich an dessen Stelle ein gewaltiger Krater. Der Steinbruch ist bis heute in Betrieb. Mit der dort gewonnenen Grauwacke werden unter anderem Bahntrassen und Autobahnen gebaut. Längst verschwunden ist die einst auf dem Koschenberg befindliche Laurentius-Kapelle.

Von „Senf“ zu „sanft“ und was es bedeutet

Aber was hat es denn nun mit dem „Senf“ im Namen „Senftenberg“ auf sich? Mit ein wenig Um-die-Ecke-Denken liegt die Lösung nahe. „Senf“ steht für „sanft“. Senftenberg bedeutet nach Ansicht von Ortsnamens- und Heimatforschern nichts anderes als die Stadt, die „sanft am Berg“ liegt. Und tatsächlich liegt der Ort im flachen Lausitzer Urstromtal, das von der Schwarzen Elster durchflossen wird. Nach Südosten hin steigt das Land allmählich, also sanft, zum Koschenberg hin an.

In Schloss und Festung Senftenberg ist das Museum des Landkreises Oberspreewald Lausitz zu Hause. In das Denkmal strömen jährlich zehntausende Besucher.

In Schloss und Festung Senftenberg ist das Museum des Landkreises Oberspreewald Lausitz zu Hause. Dort befand sich die Keimzelle der heutigen Stadt.

Steffen Rasche

Der führende Landeshistoriker der Niederlausitzer Geschichte Rudolf Lehmann (1891 bis 1984) listet die verschiedenen Schreibweisen des Ortsnamens auf. Erwähnt wurde der Ort als „Sennftenberc“ erstmals am 6. Oktober 1279. Weitere Schreibweisen waren unter anderem „Semftenberch“ und „Semfftemberg“. Die heute gebräuchliche Schreibweise „Senftenberg“ datiert Lehmann auf das Jahr 1506.

Senftenberg als Mückenhölle

Im Sorbischen hat „Senftenberg“ übrigens eine andere Bedeutung. „Zly Komorow“ steht entweder für „schlimmer Mückenort“ oder für „schlimme Kammer“. Durch die einst stark verästelte Schwarze Elster sowie die Storchenelster und die Wolschinka befand sich um Senftenberg eine spreewaldähnliche Landschaft. In diesem feuchten Gebiet fanden Mücken einen idealen Lebensraum. So hatten sie im Sommer mit den einst wenigen Bewohnern doch genügend Nahrungsquellen.

Dieser Landschaftscharakter ging erst mit der Elsterbegradigung Mitte des 19. Jahrhunderts und durch die massiven Veränderungen durch den Bergbau verloren. Heute sind die Mückenschwärme besonders in wassergefüllten Altarmen der Schwarzen Elster zu finden.

Senftenberg begeht bald Stadtjubiläum

Am 6. Oktober 2029 werden 750 Jahre vergangen sein, als Senftenberg seine erste urkundliche Erwähnung erfuhr. Die Urkunde befindet sich im Brandenburgischen Landeshauptarchiv in Potsdam. Da die Lage im feuchten Urstromtal für die Landwirtschaft nicht wirklich optimal war, zählte Senftenberg im Mittelalter nur mehrere hundert Einwohner.

Die 750-Jahr-Feier soll im Jahr 2029 begangen werden. Bis dahin wird eine neue Stadtchronik entstehen und als Buch auf den Markt kommen. Die letzte umfangreiche Stadtgeschichte hatte der Lehrer Paulitz im Jahr 1922 veröffentlicht.

Viele ältere Senftenberger werden sich noch an die 700-Jahr-Feier im Jahr 1979 erinnern. Die 725. Wiederkehr der Ersterwähnung im Jahr 2004 wurde in kleinerem Rahmen gefeiert.