20 Jahre deutsches Engagement in Afghanistan, 59 deutsche Soldaten ließen dort ihr Leben, ungleich mehr wurden verletzt und traumatisiert,  mehr als zwölf Milliarden Euro Kosten, so die Bilanz heute. 
Nun ist es  alles aber doch so gekommen, wie es die große Reporterlegende Peter Scholl-Latour in Sachen Afghanistan voraussagte. Frühzeitig warnte er vor einem bevorstehenden Desaster und das der Krieg dort nicht zu gewinnen sei. 
2014 erklärte er unter großer öffentlicher Beteiligung dem Auswärtigen Ausschuss des Bundestages den Einsatz der Internationalen Schutztruppe für Afghanistan(Isaf) als gescheitert. „Der Krieg in Afghanistan ist verloren- das sollten wir uns eingestehen“, lautete damals die Bilanz des 90-jährigen Scholl-Latour. „Und wir sollten uns überlegen, wie wir da rauskommen“, so seine Worte - Konsequenzen jedoch keine. 
Eine Mehrheit der Deutschen übrigens lehnte den Einsatz der Bundeswehr im Afghanistankrieg aus tiefster Überzeugung ab. Trotzdem stimmen seit 2001 Jahr für Jahr CDU/CSU, SPD, Grüne und FDP im Bundestag für den Einsatz und tragen damit auch in letzter Konsequenz die politische Mitverantwortung für die tödlichen Folgen ihrer Beschlüsse. 
Auch zur Rolle der afghanischen Armee sagte er, dass sie aus gesinnungslosen „Tagelöhnern“ bestehe, wie er es selbst in Gesprächen mit Soldaten erfahren hat. Wenn der Sold nicht komme, sind sie verschwunden. Das bestätigte sich dann auch als die Taliban anrückte und die Armee ohne Gegenwehr nach Usbekistan desertierte oder sich kampflos den Taliban ergab.
Auch die Bundeswehr kam bei Scholl Latour nicht gut weg. Diese verlasse ihre Lager kaum noch und sei für den Partisanenkrieg der Afghanistan beherrsche, nicht vorbereitet. Zumal jeder zwölfjährige afghanische Junge ein geborener Partisan sei, so die Einschätzung des Kriegsreporters.
Nun zu den politischen Dimensionen: Leider zeigt sich das Versagen der Bundesregierung nicht zum ersten Mal. Erwähnt seien nur das Versagen bei der Corona-andemie und der Impfkampagne, das Versagen bei der Flutkatastrophe aber auch jenes bei der Flüchtlingskrise des Jahres 2015.
Da hören wir heute von führenden Politikern zu den afghanischen Flüchtlingen: „Ein 2015 darf sich nicht wiederholen“. Ein fast Eingeständnis also der verfehlten Flüchtlingspolitik von damals. Aber das darf ja jetzt vor den Wahlen nicht vertieft werden, denn es könnte ja der AfD nutzen. Roland Strahl, Schipkau