Schon jetzt ist der Lausitzring in Klettwitz (Oberspreewald-Lausitz) Deutschlands größtes, leistungsfähiges unabhängiges Testzentrum für autonomes und vernetztes Fahren. Doch die Zukunftspläne der größten technischen Prüforganisation Dekra für das Areal klingen weit größer.
Auf dem Gelände hat die Dekra in den zurückliegenden Jahren nach eigenen Angaben immerhin schon 40 Millionen Euro in den Aufbau einer Hochleistungs-Testarchitektur investiert, und in den kommenden Jahren soll noch einmal eine „mittlere zweistellige Millionensumme“ investiert werden, kündigte Dekra-Chef Guido Kutschera am Dienstag, 21. Juni, in Klettwitz an.

Förderbescheid über mehr als zwei Millionen Euro

Kutschera hatte einen guten Grund, aus der Dekra-Zentrale in Stuttgart in die Lausitz zu kommen. Der Strukturwandel in Südbrandenburg macht’s möglich: Aus den Händen von Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) erhielt der Dekra-Chef einen Fördermittelbescheid in Höhe von immerhin 2,14 Millionen Euro.
Das Geld aus dem Fonds der Strukturstärkungsmittel soll den Ausbau der Testinfrastruktur weiter beschleunigen. Schon jetzt arbeiten dort 230 Ingenieure und Techniker auf dem Areal, und nach Schätzungen leitender Dekra-Mitarbeiter könnte die Zahl Beschäftigten schon bald auf über 300 steigen.
Und die dürften viel neue Arbeit bekommen. Die Dekra kündigte am Rande der Übergabe des Fördermittelbescheids an, auf dem Lausitzring jetzt noch zusätzlich auch in ein modernes Testzentrum für Fahrzeugbatterien investieren zu wollen.

Künstliche Gefahren-Welten für kritische Fahrsituationen

Geplant ist ohnehin längst der Auf- und Ausbau einer voll flexiblen, künstlichen städtischen Infrastruktur für selbstfahrende Autos. Bis Ende des Jahres 2022 werde zwar noch nicht jede Ampel an den dort vorgesehenen Kreuzungen stehen, das 1,8 Kilometer lange Testband aber soll dann voll funktionsfähig sein.

Senftenberg

Auf den dann asphaltierten Parkplätzen entstehen ganze Straßenzüge, errichtet mittels mobiler Bauteile. Verschiedene Szenarien können auf dem flexiblen Asphalt getestet werden: Kleinstadt-Verkehr ebenso wie der in Metropolen bis hin zu Ortsverbindungen.
Auch für die Bebauung der Straßenränder setzt der Lausitzring auf ein modulares Baukasten-Prinzip. „Wir mauern weder feste Fassaden noch Wolkenkratzer“, heißt es. Stattdessen werden Kulissen aus See-Containern aufgestellt. „Dem Sensor ist es egal, ob an der Fassade ein Blumenkasten hängt“, erklärt er.
Bei den Fahrversuchen auf dem Lausitzring sind die Ingenieure und Techniker ihrer Zeit voraus. Zu den Arbeitsmitteln gehört nämlich auch der Prototyp eines 5G-Standort-Netzes.

Dekra prüft Technik der Autohersteller auf Sicherheit

Auf dem Lausitzring werden keine autonomen Fahrzeuge für die Zukunft entwickelt. Das übernehmen die großen Fahrzeughersteller in ihren Laboren und Entwicklungsabteilungen selbst. In Klettwitz geht es in erster Linie darum, die Zuverlässigkeit der technischen Systeme der verschiedenen Hersteller unter unterschiedlichsten Bedingungen zu testen. In Zukunft sollen komplexe Sicherheitszertifikate dafür sorgen, dass Systeme zum autonomen und vernetzten Fahren 100-prozentig zuverlässig auch in kritischen Fahrsituationen sicher funktionieren und Fahrgäste und andere Verkehrsteilnehmer zuverlässig geschützt werden.