Mit dem Krieg in der Ukraine hat sich das letzte Stückchen Hoffnung zerschlagen. Die Hoffnung, dass nach der zweijährigen Corona-Zwangspause die seit 1991 laufende Hilfsaktion für immungeschwächte Kinder aus strahlenverseuchten Dörfern bei Tschernobyl endlich fortgesetzt werden kann.
Der mehrwöchige Erholungsaufenthalt der neun- bis 13-jährigen Tschernobylkinder im Amt Ortrand gehört zu den größten Hilfsaktionen in Südbrandenburg – getragen ausschließlich von ehrenamtlichen Engagement und ganz viel Herzblut.

Tschernobylkinder können dieses Jahr nicht anreisen

„Im Herbst waren wir zwar skeptisch, hatten die Ferienaktion aber noch nicht abgeschrieben“, sagt die Vereinsvorsitzende Martina Lorenz. Mit dem Krieg wurde den 65 Vereinsmitgliedern die Entscheidung jetzt aus der Hand gerissen. „Bei den grausamen Bildern blutet uns das Herz“, sagt Martina Lorenz.
Mit großer Sorge und Betroffenheit beobachtet der Tschernobylkinder-Hilfeverein jede Nachricht aus dem Kriegsgebiet. Denn nach 31 Jahren mit regelmäßigen Kontakten gibt es eine große Nähe zwischen den Gasteltern aus Oberspreewald-Lausitz und Elbe-Elster und den Feriengästen.
Bilder und Nachrichten aus dem Kriegsgebiet zerreißen der Vereinsvorsitzenden Martina Lorenz das Herz. Sie ist die Frau, die hinter der größten Hilfsaktion für Tschernobylkinder in Südbrandenburg steht. Für ihr stilles, aufopferungsvolles Engagement wurde sie mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt.
Bilder und Nachrichten aus dem Kriegsgebiet zerreißen der Vereinsvorsitzenden Martina Lorenz das Herz. Sie ist die Frau, die hinter der größten Hilfsaktion für Tschernobylkinder in Südbrandenburg steht. Für ihr stilles, aufopferungsvolles Engagement wurde sie mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt.
© Foto: Steffen Rasche
Rund 600 Kinder haben seit 1991 an der Hilfsaktion teilgenommen. Sie stammen aus strahlenverseuchten Dörfern in Belarus, gelegen direkt an der Grenze zur Ukraine – hauptsächlich aus den kleinen Dörfern Neglubka und Paritschi. Die Kinder sind krank, immungeschwächt und stammen aus ärmlichen Verhältnissen. Blass, dünn, mit zu wenig Eisen und zu vielen weißen Blutkörperchen und schlechten Schilddrüsenwerten steigen sie in Frauendorf aus dem Bus.
„Der Erholungsauftenthalt macht sie nicht gesund, aber sehr glücklich“, erklärt die Vereinschefin. Sie ist die Frau, die hinter dem besonderen Hilfsprojekt steht, die alle Fäden in der Hand hält, koordiniert und organisiert. Für ihr Engagement wurd Martina Lorenz mit dem Bundesverdienstkreuz für Solidarität und Nächstenliebe geehrt.

Kontakte in den Westen sind nicht gern gesehen

Ob das langjährige Südbrandenburger Hilfsprojekt den Krieg überleben wird, da ist sich die Vorsitzende des Vereins nicht sicher. „Wenn sich der Konflikt weiter zuspitzt, wird Belarus ganz dichtmachen“, vermutet Martina Lorenz. Kontakte in den Westen, einschließlich Kinder-Aktionen, waren ohnehin von der Russland nahestehenden Regierung nicht mehr gern gesehen. Diese Erfahrung hat der Lausitzer Verein bereits in den Vorjahren machen müssen.
Ob und wie es weitergeht mit dem jährlichen Erholungsaufenthalt, darüber wollen die Vereinsmitglieder bei ihrer Mitgliederversammlung im Mai beraten.

Paketaktion vor Ostern soll starten

Die lange geplante Paketaktion vor Ostern soll aber durchgeführt werden. „Die Kinder in Belarus sind doch genauso Opfer“, appelliert Martina Lorenz. Die Paketgebühren übernimmt der Tschernobylkinder- Hilfeverein. „Es wäre schön, wenn viele mitmachen“, ruft die Vereinschefin auf. Wer sie anruft (Handy 0162 1640223), bekommt aus erster Hand Adressen von Kindern aus den beiden Dörfern Neglubka und Paritschi.

Steht Hilfsprojekt nach 31 Jahren vor dem Aus?

Dass mit dem Krieg mitten in Europa ein so langjähriges Hilfsprojekt sterben könnte, macht alle Mitstreiter um Martina Lorenz sprach- und fassungslos.
Selbst das Pflegen bestehender Kontakte ist aktuell schwierig bis unmöglich. Natürlich hat die ehemalige Schulleiterin nach fünf eigenen Besuchen in Belarus viele gute Bekannte und auch etliche Telefonnummern von den Dorfbewohnern. Bei ihren Besuchen hat sie viel Leid und Kummer gesehen, aber auch so viel Hoffnung und Positives. Jetzt einfach anzurufen und nach der Lage zu fragen, darauf verzichtet Martina Lorenz besser. Denn sie weiß, dass ihre Bekannten beobachtet werden - vor allem was ihre Kontakte in den Westen betrifft.

600 Kinder profitieren von besonderem Hilfsprojekt

Seit 31 Jahren ermöglichen unermüdliche Helfer aus dem Ortrander Raum Kindern aus der strahlenverseuchten Region um Tschernobyl (Ukraine)  einen vierwöchigen Gesundheits- und Ferienaufenthalt.
Die Kroppener Pfarrleute Fritz und Renate Kolata hatten die Aktion 1991 begründet.
Als es Probleme mit der Trägerschaft gibt, übernimmt die Schule Großkmehlen 2002 die Hilfsaktion in Eigenregie.
Damit das Projekt auf stabilere Füße kommt, wird sieben Jahre später der Tschernobylkinder-Hilfeverein Großkmehlen e.V. gegründet.
Er hat heute  65 Mitglieder aus Oberspreewald-Lausitz, Elbe- Elster und aus Sachsen.
In den drei Jahrzehnten haben sich rund 600 immungeschwächte Kinder im Amt Ortrand  erholt.