Statt Wetter ist die Coronakrise gerade das Top-Thema bei den Senftenberger Hobbymeteorologen. „Wir befinden uns in einem besorgniserregenden Ausnahmezustand,“ sagt Günter Kobel aus Ortrand. „Nur gut, dass ich in diesen Tagen in meinem Kleingarten, den ich seit Jahrzehnten bewirtschafte, einen für mich unersetzlichen Freiraum habe.“

Die langjährige Wetterbeobachterin Gabriela Haußmann in Hörlitz hatte dieser Tage einen runden Geburtstag. Die geplante Feier ließ sie komplett ausfallen. Sie freute sich über einen Einfall der Nachbarkinder. An einer Angelrute hatten sie ihre Geschenke über den Gartenzaun gehängt und damit das bestehende Kontaktverbot konsequent eingehalten. Für Klaus Hirsch in Großkoschen und Horst Gärtner in Lauchhammer sorgt die bereits sehr aktive heimische Vogelwelt mit ihren Konzerten für Aufmunterung in der schwierigen Zeit.

Vogelgezwitscher besonders gut zu hören

Das Volkslied „Alle Vögel sind schon da....“ kommt ihnen dabei in den Sinn. So gut wie gegenwärtig war das Gezwitscher der Vögel schon lange nicht zu hören. Grund dafür ist: „Der Alltagslärm hat sich in der letzten Zeit deutlich verringert“, so Klaus Kreter aus Ortrand.

Wettermäßig war der März verrückt. Bis zum kalendarischen Frühlingsbeginn am 20. März war die Natur bereits in vollen Zügen in der Lausitz erwacht. Genau an diesem Tage setzte dann aber anhaltender Nachtfrost ein, in so einem Ausmaß, wie es ihn im ganzen vergangenen Winter nicht gab.

Lausitzer Spätfrost sorgt für kaputte Blüten

Die schon zu diesem Zeitpunkt weit entwickelte Vegetation erhielt einen ungewöhnlich harten Dämpfer. Die Aprikosen- und Pfirsichblüten wurden geschädigt, die Magnolien erfroren in der Knospe, ebenso die Triebe der Hortensien und Rosen.

Der durch diesen Spätfrost entstandene Schaden ist noch gar nicht genau abzusehen, so Wolfgang Sawade aus Zinnitz bei Calau. Anhaltender Landregen und Wärme könnten jetzt hier Wunder bewirken, so der Landwirt.

Zum Kälteeinbruch in der letzten Märzdekade kam verschärfend dazu, dass seit Mitte März kaum Niederschläge gefallen sind. Dazu gibt es aber hoffnungsvolle Wetterregeln: „Trockener März füllt den Keller“ und „Lässt der März sich trocken an, bringt er Brot für Jedermann.“

Monatsnorm wurde an keiner Messstelle erreicht

An keiner Messstelle in der Region wurde die Monatsnorm von 41 Millimeter erreicht. Für 2020 stehen insgesamt 143 mm Niederschlag in Lindenau zu Buche, bei einer Norm von 120 mm. Nach wie vor aber wirkt das Defizit der vorherigen beiden Dürrejahre und die letzten zwei Wochen ohne Niederschlag auf den Sandböden der Lausitz.

„Wenn der April wie ein Löwe kommt, so geht er wie ein Lamm,“ eine Wetterregel, die Günter Kockro in Großräschen hoffen lässt. Am 1. April gab es mit Minus 8 Grad erneut Nachtfrost. Nach diesen Frostnächten sollen sich auf den Wege zu Ostern frühsommerliche Temperaturen einstellen. Erstmalig werden dann in diesem Jahr in der Lausitz Tageshöchsttemperaturen über 20 Grad erreicht.

Märzdaten der Station Wesnigk in Klettwitz


Niederschlag: 30 Millimeter (Norm 41)

Gewitter: 1

Sonnenstunden: 177 (145 Prozent der Norm)

Tageshöchsttemperatur: 17,5 Grad am 18.3.2020

Tiefste Nachttemperaturen: -8,5 Grad am 24.3.2020, -12 Grad am Boden

Der Monat war insgesamt ein Grad zu warm.