Derzeit gibt es in Großräschen zwei Wilde Ilsen. Die eine ist als Fahrgastschiff auf dem Großräschener See unterwegs. Die andere hat ihre besten Tage hinter sich und soll demnächst auseinandergebaut werden. Denn die Karnevalisten vom Großräschener Carnevals Club (GCC) wollen sich von ihrem legendären Schlachtschiff trennen. Elf Jahre schipperte die elf Meter lange und 2,30 Meter breite Wilde Ilse, bestehend aus Holzplanken und einem Stahlgestell, nicht nur durch die IBA-Stadt, sondern war bei zahlreichen Karnevalsumzügen der Region dabei.

Nachfolger noch geheim

„Es wird jetzt Zeit für etwas Neues“, sagt GCC-Präsident Maik Rätzel. Was es genau sein wird, will der 41-Jährige noch nicht verraten. Nur so viel: „Es wird auf jeden Fall wieder ein Hingucker. Die Leute an den Straßenrändern sollen sagen, da kommen die Räschener.“ GCC-Deko-Minister Oliver Roick habe bereits erste Skizzen zu Papier gebracht.

Doch bis der Nachfolger der legendären Wilden Ilse feststeht, dürfte noch ein Jahr ins Land gehen. „Wir wollen unsere neue Attraktion am 11.11.2020 erstmals in Großräschen vorführen“, kündigt Rätzel an. Zum Karnevalsauftakt am 11.11.2019 werde es auf dem Markt der IBA-Stadt eine provisorische Bühne statt der Wilden Ilse geben.

Ein echtes Schiff

Das Ende des GCC-Schlachtschiffes hatten die Karnevalisten bereits vor genau zwölf Monaten erstmals angekündigt. „Damals gab es ein Gespräch mit Bürgermeister Thomas Zenker. Er kündigte uns das Fahrgastschiff für den Großräschener See an“, erinnert sich Maik Rätzel. „Da kam natürlich die Frage nach dem Namen für dieses Schiff auf. Mit der Wilden Ilse konnten sich sowohl der Bürgermeister als auch der Schiffseigner sofort anfreunden. Wir sind schon ein wenig stolz darauf, dass dieser Name den Räschenern nun dauerhaft erhalten bleibt“, resümiert der Karnevalspräsident.

Das Faschingsschiff gleichen Namens steht derzeit bei der heimischen Spedition Kockro. „Die ersten Teile haben wir bereits abgebaut“, erklärt Martino Jedrzejczak vom GCC. Immerhin sollen das Fahrgestell und die Holzbohlen erhalten bleiben und voraussichtlich für die neue Attraktion wiederverwendet werden.

Mast doppelt gekürzt

Im Jahr 2007 hatte die Geburtsstunde der Wilden Ilse geschlagen. Wiederum Deko-Minister Oliver Roick brachte damals die Grundidee mit wenigen Strichen via Kugelschreiber zu Papier. Insgesamt 2000 praktische Arbeitsstunden folgten, bevor das Schlachtschiff während des Zuges der fröhlichen Leute in Cottbus im Februar 2008 seine Premierenfahrt erlebte. „Damals musste ein Stück von unserem vier Meter langen Mast abgesägt werden“, erinnert sich Martino Jedrzejczak. Per Handsäge sei der Mast um 20 bis 30 Zentimeter gekürzt worden. Es wurde befürchtet, die Konstruktion könnte sich mit den Oberleitungen der Straßenbahn verheddern.

Genau zwölf Monate später das gleiche Spiel: „Unser Mast wurde erneut für zu hoch befunden. Wieder musste ein zehn bis zwölf Zentimeter langes Stück weichen“, sagt Jedrzejczak. „Seitdem sind wir bekannt wie ein bunter Hund.“

Besetzt war die Wilde Ilse meist mit der GCC-Frauengruppe, die für Stimmung sorgte. Etwa 20 bis 30 Leute bildeten die Schiffsbesatzung. Diese brachte eine Menge Kamelle unters Volk.

„Es war wirklich eine schöne Zeit“, resümiert Martino Jedrzejczak. „Aber irgendwann sollte mit Traditionen gebrochen werden.“ Immerhin haben die Karnevalisten ihr Schwesterschiff im Sommer bereits kennengelernt. „Während einer Vereinsfahrt waren wir auf dem Großräschener See unterwegs. Alle waren total begeistert“, erinnert sich Maik Rätzel. „Und die neue Wilde Ilse hilft auch ein wenig, die Trauer über unser ausrangiertes eigenes Schiff zu verarbeiten.“

Karnevalisten starten in neue Session


Am 11.11. beginnt in der Region die neue Karnevalssession. Die Karnevalisten laden zu mehreren Veranstaltungen ein. In Großräschen hissen die GCC-Mitglieder um 11.11 Uhr die Fahne am Rathaus. Ab 18.11 Uhr wird zur Schlüsselübergabe auf den Marktplatz eingeladen. Das diesjährige Motto lautet „Räschen, wie es singt und lacht….. was hat Abahachi bei den Cowboys gemacht“. Um 18 Uhr startet der Sturm auf das Bürgerhaus in Schwarzheide. Die Devise lautet „Sehr britisch wird`s beim SCC, mit Whiskey, Queen, Big Ben und Tee.“

In Ruhland wird den Karnevalisten um 18.11 Uhr der Schlüssel am Rathaus übergeben. Anschließend folgt ein gemütliches Beisammensein auf dem Parkplatz neben dem Rathaus. Bereits um 11.11 Uhr beginnt die neue Session in Annahütte. Der KCA übernimmt am Gemeindeamt die Schlüssel und lädt anschließend zum karnevalistischen Mittagsschoppen ins Clubhaus ein. Der KC Lauchhammer veranstaltet um 15.15 Uhr am Deutschen Haus die symbolische Schlüsselübergabe.