Von Andrea Budich

Alle Mann an Bord für die große Hafen-Einweihungsparty: Der Pegel stimmt, die Hafen-Ausstattung mit Auslegerkran und Slipanlage steht, die Barkasse trägt ohne Schlagseite alle Passagiere, und der Schulkutter mit Segeltakelage ist bereit fürs Auslaufen. Die 120 Bootslieger an den Fingersteigen im Hafenbecken sind zwar noch jungfräulich. Auf dem Trockendock scharren aber schon mehr als 250 Freizeitkapitäne in der Warteschleife mit den Füßen.

Alle wollen aufs Wasser, alle wollen den Großräschener See endlich von der Wasserseite aus erleben. Dafür ist selbst der Sekt für die Taufe des vom Kochelsee aus Bayern eingelaufenen Schiffs-Oldtimers schon kaltgestellt.

Der große Spaß an der Großrä­schener Wasserkante muss aber noch warten. Denn bürokratische Verfahren zur Seefreigabe ziehen sich, anders als noch im Vorjahr erwartet, in die Länge. Der Termin für die Hafeneinweihung steht, der See wird zur Eröffnung am 11. Mai aber noch nicht freigegeben sein. Weil die allgemeine Schiffbarkeit vom Land Brandenburg noch nicht erteilt ist, brauchen Großräschens Seebären für jedes Boot und jeden Kutter, der in dieser Saison ausläuft, eine Sondergenehmigung. „Die Anträge dafür sind eingereicht, die Verfahren aber ziemlich kompliziert“, erklärt Großräschens Kapitän Thomas Zenker (SPD). Zuversichtlich, wie das Stadtoberhaupt ist, geht Zenker davon aus, dass zur Hafen­eröffnung die ersten weißen Segel auf dem See zu sehen sein werden. Der Bürgermeister hofft dabei auf die versprochene Unterstützung des Landkreises Oberspreewald-Lausitz. Das Genehmigungspapier, auf das alle warten, stellt die Untere Wasserbehörde als zuständige Behörde des Landkreises aus. Auf diesen Segen hoffend, ist eine kleine Kutter-Flotte bereits startklar.

Die Hafen-Eröffnung ist eine Erfolgsgeschichte der Großräschener Visionäre. Die Idee stammt aus dem Jahr 1995. Nur anderthalb Jahre später ist das heutige Hafenbecken auf der Basis einer einfachen Handskizze als Böschungssonderausformung ausgebaggert worden - offiziell als Reparaturplatz für Tagebaugroßgeräte. „Zehn Jahre lang mussten wir darüber Stillschweigen bewahren“, erinnert sich der Bürgermeister daran, was in den wilden 1990er-Jahren alles möglich war. Später hat er dann miterlebt, dass die Dinge von Jahr zu Jahr komplizierter wurden.

Die Antwort auf die Frage, wie sich eine Kleinstadt einen Zwölf  Millionen-Hafenbau leisten kann, macht Zenker indes nicht verlegen. Der Schlüssel-Schritt für Großrä­schens maritime Zukunft war der Grundstückskauf. Noch während des Tagebaubetriebes hat die Stadt 500 Hektar Flächen an der heutigen Wasserkante aufgekauft. Diese weitsichtige Cleverness hat sich inzwischen mehrfach ausgezahlt. Die 2,5 Millionen Euro, die Großräschen aus eigener Tasche zum Hafenbau zugesteuert hat, konnten aus den Entwicklungsgewinnen erzielt werden, ohne den Haushalt wesentlich zu belasten. Auch bei der Bewirtschaftung des Hafens geht Großräschen einen eigenen Weg. Sie liegt ausschließlich in der Hand einer kommunalen Gesellschaft. Das quirlige Kernteam ist bereit für die große Hafen-Eröffnung. Die Hafen-Mannschaft soll weiter wachsen.