Festungsspektakel Senftenberg
: Sachsens und Preußens Soldaten marschieren – ein Schaugefecht

Die Senftenberger Festung lädt zum nächsten Festungsspektakel ein. Sächsische und preußische Soldaten werden sich dort Scheingefechte liefern. Mit der historischen Realität hat dies wenig zu tun. Auf Kanonenschläge soll verzichtet werden.
Von
Torsten Richter-Zippack
Senftenberg
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Am Wochenende lockt das Festungsspektakel in Schloss und Festung Senftenberg. Aber was haben die dabei gezeigten Scheingefechte mit der historischen Wahrheit zu tun?

Foto- Museum OSL/ Linke

Senftenberg war und ist Grenzstadt. Heute liegt der Brandenburger Ort unmittelbar an der Grenze zum Freistaat Sachsen. Darüber hinaus zieht sich die Trennlinie zwischen Nieder- und Oberlausitz mitten durch den Senftenberger See. Eigentlich hätte der Altkreis Senftenberg im Jahr 1990 dem damals neu gegründeten Freistaat Sachsen zugeordnet werden müssen. Denn die Bürger hatten via Befragung dafür gestimmt. Doch letztlich entschied sich der Kreistag für Brandenburg.

Dabei gehörte die Gegend um Senftenberg sowie der größte Teil der Niederlausitz bis zum Jahr 1815 zum damaligen Königreich Sachsen. Dieses musste im Zuge des Wiener Kongresses die komplette Nieder- und große Teile der Oberlausitz an den nördlichen Nachbarn Preußen abgeben. Die Sachsen hatten schließlich aufseiten Napoleons gekämpft, dessen Truppen vom nördlichen Nachbarn letztendlich besiegt worden waren.

Wer zum Festungsspektakel erwartet wird

So gab es im 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts zahlreiche Schlachten, in denen preußische und sächsische Soldaten gegeneinander kämpften. Diese Zeit soll während des Spektakels in den Senftenberger Festungsmauern jetzt nachgestellt werden. Nach Angaben des Museums des Landkreises Oberspreewald-Lausitz wollen acht militärhistorische Vereine, zahlreiche zivile Darsteller, Künstler und Handwerker Einblicke in jene Epoche geben. „Gewehre donnern, Soldaten marschieren und nehmen Sie mit in die Blütezeit der Senftenberger Festung. Militärhistorische Vereine erstürmen beim großen Schaugefecht die Festung“, heißt es vom Veranstalter.

Aber was hat die Senftenberger Festungserstürmung mit der historischen Realität zu tun? „Im 18. und frühen 19. Jahrhundert gab es natürlich Gefechte zwischen Sachsen und Preußen. Aber nicht in Senftenberg“, erklärt Hans-Peter Rößiger. Er ist Vorsitzender des Vereins für Heimatpflege 1909 Senftenberg und war in den Jahren von 1980 bis 1990 Museumsdirektor in der Senftenberger Festung.

Was wirklich mit der Senftenberger Festung geschah

Die Anlage an der Schwarzen Elster hatte im Laufe der Jahrhunderte vielmehr eine Art Schattendasein geführt. Selbst während des Siebenjährigen Krieges (1756-1763) fiel in Senftenberg nicht ein Schuss. Der damalige sächsische Festungskommandant von Ratzky hatte sein Bauwerk kampflos an die Truppen des preußischen Oberst von Goltz übergeben. Nur einmal, und zwar anno 1643 im Dreißigjährigen Krieg, wurden die eingefallenen Schweden mit Kanonenschüssen vom Plündern der Festung abgehalten.

Steffen Krestin, Leiter des Cottbuser Stadtmuseums und Vorsitzender der Niederlausitzer Gesellschaft, sagt, dass Veranstaltungen wie das bevorstehende Festungsspektakel eher dem modernen Zeitgeist geschuldet seien. „Diese Art, historische Episoden aufzugreifen, zielt ja eher nicht auf eine wissenschaftliche oder populärwissenschaftliche Perspektive, sondern versteht sich zumeist als Veranstaltungstermin mit Marketingeffekt.“ Als Historiker betrachte Krestin solche Veranstaltungen als „neue Formen der Geschichtsvermittlung“.

Vorwurf der Kriegsverherrlichung steht im Raum

Der heutige Senftenberger Museumsdirektor Stefan Heinz verweist im Rahmen des Festungsspektakels längst nicht nur auf die Schaugefechte, sondern ebenso auf die zahlreichen zivilen Elemente. „Wir zeigen den Gästen auch, wie Feldlager aussahen, wie gekocht wurde, wie die Schlosswachen aussahen.“ Den Vorwurf der Kriegsverherrlichung weist er weit von sich. Stattdessen kämen zahlreiche Vereine, welche mit viel Liebe zum Details alte Traditionen pflegen und ebenso das zivile Leben der damaligen Zeit präsentieren. Hans-Peter Rößiger mokiert, dass es für ihn „unerträglich ist, wenn Menschen auf Menschen schießen.“

Das beim Publikum beliebte Festungsspektakel musste in den Jahren 2020/2021 coronabedingt ausfallen. Und vor zwölf Monaten wurde wegen des Ukrainekonflikts darauf verzichtet. Diesmal sollen aufgrund des fortwährenden Krieges in Europas Osten zumindest die Kanonenschläge entfallen. Gäste sind am 15. und 16. Juli 2023 gern gesehen.

Die Festung Senftenberg - ein Steckbrief

Die heutige Senftenberger Festung ist im 16. Jahrhundert zur Sicherung der sächsischen Grenze erbaut worden. Während des Mittelalters gab es bereits einen Vorgängerbau. Das heutige Schlossgebäude wird auf das Jahr 1575 datiert. Anno 1764 erfolgte die Aufgabe der militärischen Nutzung der Festung. Anschließend folgten Verfall und Teilabriss. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde ein Heimatmuseum im Pulverturm eingerichtet. Später erfolgte die Nutzung des Schlossgebäudes als Schule. Heute befindet sich dort das Museum des Landkreises Oberspreewald-Lausitz mit Dauer- und wechselnden Ausstellungen. Das Festungsspektakel kann am 15. und 16. Juli ab 10 beziehungsweise ab 11 Uhr besucht werden.